Ungewöhnliche Wanderung zur Jahreswende

Im Laternenschein durch den Ortskern

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Pfarrer Elmar Jung (links) stellte den Laternenwanderern die Pfarrkirche St. Nazarius in einem kirchengeschichtlichen Rückblick vor.

Ober-Roden – Der Laternenrundgang durch das Herz Ober-Rodens gehört inzwischen ebenso zum Jahreswechsel wie die Hirtenweihnachten in Waldacker oder auf der Bulau oder die Sternsingeraktionen.

Dieses Mal hatte die Interessengemeinschaft für einen lebenswerten Ortskern (IGOR) mit den Wegbegleitern Bürgermeister Roland Kern und Pfarrer Elmar Jung wohl alles aufgeboten, was die Leute lockte: Sie kamen in Scharen, rund 100 Neugierige – teilweise mit Laternen und Lampions und alle mit großer Wissbegierde.
IGOR-Vorsitzender Ernst Schäck interpretierte diesen Zuspruch mit dem großen Interesse an den Plänen für den Ortskern und an den Umsetzungen aus der Bürgerbefragung, von Maßnahmen zur Erhaltung und sogar Verbesserung der Lebensbedingungen im Ortskern.

Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt und hat ein Volumen von zehn Millionen Euro. Bürgermeister Kern erklärte unter anderem die Finanzierung: Die Kosten teilen sich die Stadt (gut ein Drittel) und der Bund (knapp zwei Drittel): „Wir sind sehr froh, in diesem Programm aufgenommen zu sein.“ Kern betonte, dass der Förderantrag nur möglich war dank des guten Vorlaufs durch hohe Bürgerbeteiligung.

Zur Grundausstattung gehörten Laternen.

Dabei habe die Interessengemeinschaft IGOR sehr hilfreich mitgewirkt – etwa beim rund 300 Seiten starken „Integrierten Stadtentwicklungskonzept“ ISEK. Dies ist derzeit beim Land Hessen eingereicht und soll dort Anfang 2019 hoffentlich positiv beschieden werden, wonach erneut eine große Infoveranstaltung für die Bürger in der Kulturhalle geplant ist. Erst danach kann aus einem Maßnahmenkatalog ein umsetzungsfähiger Beschluss werden.
Kern zählte die vier grundsätzlichen Handlungsbereiche auf: der historische Ortskern; die funktionale Ortskernerschließung etwa vom Rathaus bis zum Marktplatz einschließlich der öffentlichen Gebäude; der erweiterte Bereich Frankfurter und Dieburger Straße bis hin zur evangelischen Kirche sowie der grüne Rahmen einschließlich der „blauen Achse“ Rodau.

Vor Rathaus und Kulturhalle erläuterte Kern die möglichen Varianten zur Gestaltung eines bürgernäheren Zentrums wie jetzt schon beim „Rodaumarkt“ erprobt. Eingeschlossen sind das alte Feuerwehrhaus, das „Seitz-Haus“ und das „Jäger-Haus“.

Der „blauen Achse “ und damit der Rodau folgend, die wieder stückweise freigelegt werden soll, erläuterte Kern an der kleinen Grünfläche an der Rilkestraße, wie hier nicht sofort, aber wohl in den nächsten Jahren ein besser erkennbarer und damit auch besser genutzter Zugang zur grünen Mitte geschaffen werden kann.

Wieder Richtung Ortskern laufend, erklärte der Bürgermeister den Wunsch, die einstigen Ringe rund um Pfarrgasse, Obergasse oder Heitkämperstraße wieder besser sichtbar zu machen. Das könnte durch Pflasterungen im klassischen „Ober-Röder Rot“ wie es auch an der Kulturhalle gewünscht wäre, geschehen und würde mit relativ geringem Planungsaufwand auch die alten, aber erhaltenswerten Bausubstanzen betonen: „Wir scheinen am Anfang einer guten Entwicklung zu stehen!“

Pfarrer Elmar Jung gab einen kurzen geschichtlichen Abriss über das Kirchenareal und erwähnte auch manche Schmankerl, die sogar für regelmäßige Ortskern-Mitwanderer neu waren: die Geschichte des an den Seitenwänden aufgehängten Kreuzweges oder der Orgel, die Historie des Missionskreuzes oder die Lebenswege des Ober-Röder Paters Aloys.

Fotos zur Kerb 2018 in Ober-Roden

Die Erklärungen zur diesjährigen Krippe, die – ebenerdig angeordnet – die Bodenhaftung Gottes zu den Menschen charakterisiert, oder der Besuch der Sakristei, die vielen Bürgern bisher verschlossen war mit all ihren Schätzen bis hin zu den Gewändern, waren in der riesigen Menschenschar gar nicht möglich und führte zu Kleingruppen-Führungen. Interesse weckten sogar das Heizungssystem oder die Beleuchtungsschalttafeln des großen „Rodgaudomes“.

Mit wärmendem Glühwein und Kinderpunsch und mit knusprigen Rundlingsplätzchen endete der räumlich kurze, aber zeitlich lange Rundgang gesellig im kerzenbeschienenen Hof des Forums St. Nazarius, wo vor allem die innerörtlichen „Baustellen“ noch einmal diskutiert wurden. „Wir wünschen uns, dass die Menge der Teilnehmer an diesem Rundgang und ihr starkes Interesse dem Bürgermeister wie den Kommunalpolitikern gezeigt hat, wie groß das Interesse am Ortskern, dem damit verbundenen Stadtumbau und auch der Orts- und Kirchenhistorie ist“, fasste IGOR-Mitglied Arno Mieth das Geschehen zusammen. (chz)

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