„Schöner als die Kleinmarkthalle in Frankfurt!“

Lauter Einser-Noten für Rodaumarkt

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Fischhändler Frank Schmidt fährt an Markttagen morgens um drei zum Frankfurter Flughafen. Dort wartet der Lkw aus seiner Heimatstadt Bremerhaven mit frischer Ware. Kunden loben Schmidts Stand als einen der Highlights des Wochenmarktes.

Ober-Roden - Zum 15. Mal war der Rathausplatz gestern Marktplatz. Der „Rodaumarkt“, ein Gemeinschaftswerk der Wirtschaftsförderung und der „Business Angels“, lockt auch drei Monate nach seiner Premiere Kauf- und Schaulustige. Die Macher denken über eine Erweiterung nach. Von Michael Löw

„Schöner als die Kleinmarkthalle in Frankfurt!“ Geradezu euphorisch lobte ein Einkäufer den Mitte Mai gestarteten Ober-Röder Wochenmarkt. Dessen Organisatoren hatten vor zwei Wochen rund um den Rathaus-„Knochen“ Stimmen und Stimmungen gesammelt. Sicher – eine Umfrage unter Marktbesuchern an Markttagen ist nicht repräsentativ. Aber sie zeigt, dass „Unser Rodaumarkt“ offenbar angenommen wird. Neun Händler verkaufen Lebensmittel im oberen Qualitäts- und Preissegment. Die „Business Angels“, pensionierte Führungskräfte, und die Wirtschaftsförderung haben bei ihrer Umfrage 55 Bögen zurückbekommen und nach Schulnoten bewertet. Der Markt insgesamt bekam eine 1,57 – eine Note, von der 90 Prozent aller Schüler nur träumen können. Ungefähr in diesem Schnitt liegen die Qualität der Ware (1,47), die Beratung durch die Händler (1,56) und die Kommunikation untereinander (1,59). Der Weinstand im Tor des „Jägerhauses“ ist mit Abstand der Favorit: 1,13.

Der Weinstand am „Jägerhaus“ führt die Hitliste der Beliebtheit an. Ein Freundeskreis aus dem Breidert verkauft die Schoppen- und Qualitätsweine eines rheinhessischen Winzers. Ein „besonders liebenswerter Ort zum Verweilen“ steht in der Auswertung der Umfrage. Wer einen Sitzplatz ergattert, packt zum Getränk Fisch, Wurst, Käse oder Antipasti von den Nachbarständen aus.

Gemanagt wird er von einem Freundeskreis aus dem Breidert. „Eigentlich wollten wir eine Philosophenstube mit Ausschank aufmachen. Aber das war uns zu teuer“, erklärt Peter Walz, warum er einmal pro Woche hinter der improvisierten Theke steht. Der Stamm besteht aus neun Helfern. Und wer ausnahmsweise keine Zeit hat, kümmert sich ungefragt um Ersatz. Ab 11.30 Uhr gibt"s donnerstags rund um den Weinstand keine freien Plätze mehr. Zu Merlot und Grauburgunder lassen sich die Zecher schmecken, was sie zuvor bei Fisch- oder Käsehändler oder beim Metzger auf die Hand gekauft haben. Natürlich hat „Unser Rodaumarkt“ vom Traumsommer profitiert, nennt „Business Angel“ Peter Raesch einen Grund für den guten Zuspruch. Aber er ist sicher: Auch Herbst und Winter werden keine Durchhänger. Denn die Qualität der Ware ist von der Jahreszeit ebenso unabhängig wie das Flair des Rathausplatzes. Dem bescheinigen Händler und Besucher eine familiäre Atmosphäre. „Dieser Charme ist lange an uns Rödermärkern vorbeigegangen. Die Beschicker haben dagegen gleich bei der ersten Besichtigung geschwärmt“, sagt Till Andrießen, der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung. Ernst Schäck formuliert"s knapper: „Ich habe hier in den vergangenen drei Monaten mit mehr Leuten als in den Jahren zuvor gesprochen.“

Start für den „Rodau-Markt“ in Ober-Roden: Bilder

Wo viel Licht ist, fällt auch mancher Schatten hin. Der Infrastruktur gaben die Umfrageteilnehmer mit 1,93 die schlechteste Note. Kritisiert wurden fehlende Parkplätze, vermisst wurden an den heißen Tagen Schattenplätze. Den Kunden fehlt ein Blumenstand (zehn Nennungen) und ein Bäcker (22 Nennungen). Der Ober-Röder Bäckermeister Bob Schrod bietet im Café „Süße Ecke“ zwar zwei seiner Brote an, aber die Marktbesucher wünschen sich das volle Sortiment mit Brötchen, Süßstückchen und Kuchen. Raesch: „Das wurde richtig angemahnt!“ Die „Business Angels“ haben zunächst bei Wirtschaftsförderer Andrießen und dann bei Magistrat wegen einer Erweiterung vorgefühlt. Die donnerstags ohnehin nicht nutzbaren Parkplätze vor der Reinigung bieten ihrer Ansicht nach Raum für zwei zusätzliche Verkaufsstände. Interesse ist da, laut Raesch stehen mehrere Händler auf einer Warteliste. Eine seiner größten Sorgen hatte sich schnell als unnötig erwiesen: „Erstaunlicherweise gibt es praktisch keine Kritik am Markttag Donnerstag.“

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