Theaterprojekt wird als Podcast fortgesetzt

Rödermark: Leben und Sterben junger Juden wird Hörspiel

Was Schauspieler aus vier Schulen für die Bühne einstudiert hatten, kann ab Montag als Hörspiel auf www.stolpersteine-in-roedermark.de abgerufen werden.
+
Was Schauspieler aus vier Schulen für die Bühne einstudiert hatten, kann ab Montag als Hörspiel auf www.stolpersteine-in-roedermark.de abgerufen werden.

Monatelang hatten Schauspieler aus vier Schulen in Rödermark für das Stück „Aber es ist doch für immer passiert“ geprobt. Doch der Uraufführung Ende Februar folgte keine Vorstellung mehr, Corona bedeutete das Aus. Der Geist des Stücks über ein jüdisches Geschwisterpaar aus Ober-Roden lebt aber im Internet weiter.

Rödermark – Die Idee ist aus der (Corona-)Not geboren, aber alles andere als ein Notnagel. Die Initiative Stolpersteine in Rödermark veröffentlicht das Drama vom Leben und Sterben junger Juden als Podcast, also als jederzeit abrufbares Hörspiel, ab Montag, 7. Dezember, auf ihrer Internetseite.

Ein Strang im Theaterstück war der 1925 in Ober-Roden geborenen Rosel Hecht gewidmet. Die Zuschauer konnten ihren Weg von der Großmarkthalle in Frankfurt bis zu ihrem Tod in Maly Trostinec verfolgen. Das einzige Dokument, das vorliegt, ist die Deportationsliste vom 11. November 1941, auf der Rosel und ihre Mutter Berta verzeichnet sind. Genaueres über ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Deshalb hat der Urberacher Regisseur Oliver Nedelmann den Rest der Geschichte „erdichtet“. Historische Hintergründe wurden recherchiert, denn jede beschriebene Episode sollte möglich gewesen sein. Entscheidend für die Arbeit aber waren die Fragen, die die Jugendlichen sich selbst stellten: Was ist für einen Teenager wichtig? Was hat Rosel – vielleicht – erlebt, gedacht und gefühlt? In das Stück floss von dieser emotionalen Recherche mengenmäßig wenig ein, für den Podcast war das entstandene Material Gold wert. In acht Tagebucheinträgen erlebt der Zuhörer den inneren und äußeren Überlebenskampf der jungen Ober-Röder Jüdin.

Parallel zu Rosels Geschichte sind neun ebenfalls fiktive Briefe ihres jüngeren Bruders Jaky aufgenommen, der 1939 elfjährig mit einem Kindertransport nach Palästina, dem späteren Israel, auswandern konnte. Jaky Hecht besuchte als englischer Soldat Ober-Roden und kam in den folgenden Jahren und Jahrzehnten immer wieder in seine Geburtsstadt. Davon und von allen zwiespältigen Gefühlen, die diese Besuche begleiteten, berichten seine Briefe. Gelesen wurden sie unter anderem von Ex-Bürgermeister Roland Kern und dem CDU-Vorsitzenden Ralph Hartung.

Gemeinsam schaffen es die Briefe und Tagebucheinträge, das ganze Ausmaß des Schreckens und den späteren Umgang damit zu fassen. Und – das ist das wirklich Erstaunliche: Die Geschichten sind getragen von einer großen Wärme, von Zuneigung und sogar auch von Humor.  (Michael Löw)

Service:

Ab 7. Dezember kann man Rosel und Jaky Hechts Geschichten als Podcast auf der Internetseite www.stolpersteine-in-roedermark.de hören. Parallel erscheint „Aber es ist doch für immer passiert“ auch als Buch mit CD. Herausgeber sind Oliver Nedelmann und die Stadt. Für zehn Euro ist es in den Rathäusern und Buchhandlungen Rödermarks und bei Theater & nedelmann erhältlich. Unter post@stolpersteine-in-roedermark.de oder z 06074 4827616 kann es bestellt werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare