Nell-Breuning-Schule auf der Suche nach Normalität in der Pandemie

Rödermark: Lehrer trainieren für Corona-Tests

Mehr als 100 Lehrer der Nell-Breuning-Schule haben am eigenen Leib beziehungsweise an der eigenen Nase probiert, wie die Corona-Selbsttests funktionieren.
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Rödermark: Mehr als 100 Lehrer der Nell-Breuning-Schule haben am eigenen Leib beziehungsweise an der eigenen Nase probiert, wie die Corona-Selbsttests funktionieren.

Nach den Osterferien darf nur zur Schule gehen, wer sich zwei Mal pro Woche testen lässt oder sich selber testet. An der Nell-Breuning-Schule in Rödermark haben die Lehrer gelernt, wie es geht. Aber das ist nur eine Herausforderung, die sie in der Corona-Krise bewältigen müssen.

Rödermark – 6 000 Schnelltests sollen die Nell-Breuning-Schule (NBS) corona-sicherer machen – wenn das Wort sicher in der dritten Welle überhaupt angebracht ist. Aber jedes negative Ergebnis bringt ein Stück Normalität in den Unterricht zurück. Schließlich beginnt für 14 Teilnehmer des Chemie-Leistungskurses heute das schriftliche Abitur. Zudem sind mehrere hundert Schüler im Präsenzunterricht.

NBS-Rektorin Christine Döbert hat für das Kollegium zwei Test-Testtage angesetzt. „Auch wenn für viele von uns das Testen inzwischen Gewohnheit ist, sollte jeder so ein Test-Set mal in Klassenraum in der Hand gehabt haben. Das ist etwas anderes, als sich den Lehrfilm anzusehen“, sagt sie.

Seit dieser Woche darf in Hessen nur zur Schule, wer zwei Mal pro Woche mit dem Bürgertest (nicht älter als 72 Stunden) oder einem Selbsttest an der Schule nachweist, dass er frei von Covid-19 ist. An der NBS betrifft das derzeit 500 Schülerinnen und Schüler (5. und 6. Klassen, Prüflinge der 9. und 10. Klassen, der gesamte 12. Jahrgang, die Teilnehmer der Abi-Prüfungen, Intensivklassen und Förderschüler), 120 Lehrerinnen und Lehrer sowie 20 Angestellte wie Sekretärinnen, Hausmeister oder Teilhabe-Assistenten.

Die 6 000 Tests reichen mindestens vier, wenn nicht gar sechs Wochen, hat Rektorin Döbert ausgerechnet. Und Nachlieferungen sind bereits angekündigt. „Das läuft reibungslos. Land und Kreis haben das super hinbekommen“, lobt sie die in diesen Tagen of kritisierte Bildungsbürokratie.

Der bürokratische Aufwand für das Kollegium ist immens. Denn vorm Testen muss die Einwilligungserklärung der Eltern oder von volljährigen Schülern fürs Testen eingesammelt werden. Das hat besser geklappt als befürchtet. Nicht einmal eine Handvoll Kinder kam gestern ohne dieses Formular und musste heimgeschickt werden. Dabei handelte es sich um Schüler, deren Eltern mit dem Ausfüllen überfordert waren.

Die NBS-Pädagogen weisen sie auf die Internetseite des Kultusministeriums hin, auf denen das Prozedere in mehreren Sprachen erklärt wird. Christine Döbert ist sicher, diese Kinder noch diese Woche wieder in der Schule zu sehen.

Bei 15 anderen jungen Rödermärkern ist das nicht der Fall. Ihre Eltern lehnen die Tests und oft auch andere Schutzmaßnahmen ab. Für die Kinder gilt: „Betreten der Schule verboten!“ Zum Glück hat die Hessische Landesregierung für „Querdenker“ eindeutige Regelungen getroffen.

Viele Kinder nehmen das „angeleitete Nasenpopeln“ – so nannte ein Lehrer die Tests – lockerer als ihre Eltern. Das ist zumindest Christine Döberts Erfahrung der ersten Tage: „Durch eine Klasse rauschte eine La-Ola-Welle, als alle Tests negativ waren.“ Sie wollen ihren Teil dazu beitragen, dass unerkannte Corona-Infektionen entdeckt werden. Bis gestern Mittag jedenfalls gab"s an der NBS keine positiven Tests.

Die NBS-Rektorin ist froh, dass der überwiegende Teil ihrer Kolleginnen und Kollegen während er Osterferien die erste Impfung bekommen haben. Das gibt Sicherheit im Unterricht und vor allem, wenn sie vor 15 Kindern oder Jugendlichen stehen, die für den Schnelltest die Masken abgenommen haben. Insgesamt aber spricht Christine Döbert von einer „irren Belastung für die Lehrer“.

Ein kleines Beispiel gefällig? Größere Klassen werden für den Präsenzunterricht aufgeteilt und in zwei Räumen unterrichtet. Zwischen denen pendeln die Lehrer und müssen dann auch noch an den Computer, wenn sich ein Corona-Verdachtsfall vom Homeschooling aus zuschaltet.

Trotz vieler Einschränkungen ist die NBS nach Ansicht ihrer Rektorin vergleichsweise glimpflich durch 14 Monate Pandemie gekommen. Im Schnitt befänden sich nur 15 bis 20 Schüler daheim in Quarantäne.

Lediglich einmal hätten fast 100 Jugendliche und Lehrer in die häusliche Isolation geschickt werden müssen. Das war jedoch eine vom Kreisgesundheitsamt angeordnete Vorsichtsmaßnahme: Aufgrund des Kurssystems hatte der mit dem Virus infizierte Schüler so viele Kontakte. (Michael Löw)

Rödermark: Die Gebrauchsanleitungen sind der schwierigste Teil der Test-Päckchen.

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