Bodenbrüter in Gefahr: Naturschützer gehen auf Distanz

Rödermark: Letztes Angebot für Störche

Nichts für ängstliche Naturen: In luftiger Höhe befestigte Baumkletterer Peter Bartossek zwei große Räder als Nisthilfen für wohnungslose Störche.
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Rödermark: Nichts für ängstliche Naturen: In luftiger Höhe befestigte Baumkletterer Peter Bartossek zwei große Räder als Nisthilfen für wohnungslose Störche.

In luftiger Höhe herrschte am Pappelpfad vorm Schützenhaus Diana lautes Klopfen und Klappern. Aber es war kein Specht, der da arbeitete, sondern vielmehr ein Baumkletterer, der zwei sehr gut erhaltene Wagenräder sturmsicher befestigte, um weiteren Storchenpaaren ein neues Zuhause zu bieten. Die Räder waren ein Geschenk von Patricia Lips, der Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Rödermark, an den Naturschutzbund (Nabu) gewesen.

Rödermark - Storchennester waren in früheren Jahren oft auf solchen Holzrädern auf Dächern platziert. Aus der Historie stammt die Idee, sie jetzt als künstliche Nistplattform zu nutzen. „Das muss nicht zwangsläufig für den Storch sein, auch für Greifvögel könnte es interessant sein“, stellte Rödermarks Nabu-Vorsitzender Rüdiger Werner klar.

Die Pappelreihe am Schützenhaus ist von mehreren Gesichtspunkten her ideal: Zum einen gibt es dort viele Feuchtwiesen, in denen Störchen ohnehin oft auf Beutezug gehen. Zum anderen brüten Störche gerne in Pappeln, wie man an der Gersprenz beobachten kann. Dort werden nach Stürmen auf den Aststümpfen Naturnester gebaut. Werner: „Da Windbruch ein Zufallsprodukt ist, haben wir nachgeholfen und zwei Pappeln zwischen 15 und 20 Meter Höhe gekappt, wo mehrere Astgabelungen auf gleicher Höhe waren, sodass man dort ein Rad verkeilen konnte.“

Auch die Grundstücksbesitzer, Familie Teike, waren einverstanden. Die beiden Pappeln haben ein Alter erreicht, in dem sie sehr anfällig für Sturmbruch werden und wären vermutlich in absehbarer Zeit gekippt. Außerdem hatte die Stammfäule eingesetzt. „Nur aus diesem Grund war die Maßnahme auch zu vertreten und wurde genehmigt“, hält Werner Kritikern entgegen, die dem Nabu vorwerfen, Bäume mal eben ohne Not zu fällen.

An diesem Abend passte alles zusammen: das Wetter und die Zeit von Peter Bartossek aus Ober-Roden, von Beruf Industriekletterer, der an Schornsteinen in Höhen von 150 Metern und mehr klettert, sowie Dieter Löbig aus Münster. In mehreren Arbeitseinsätzen haben sie weitere Pappeln gefällt und die zwei ausgewählten von Ästen befreit. Der erste Versuch, eines der Räder mit Lochbändern und Nägeln zu befestigen schlug fehl; ein neuer Anlauf mit über 30 Zentimeter langen und sehr spitzen Schrauben glückte. Nun warten die beiden Nistplattformen in den Astgabeln auf ihre neuen Bewohner.

Zusammen mit dem vorbereiteten zweiten Mast neben der Kläranlage („Der hoffentlich spätestens im April aufgestellt werden kann“, hofft Dr. Werner) sollen das die letzten künstlichen Angebote sein, die der Nabu dem Storch machen wird. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass die Rödermärker Wiesen Nahrung für maximal zwei oder drei Storchenpaare bieten. Mehr wollen wir eigentlich nicht“, sagt Rüdiger Werner. Denn der Weißstorch ist in Südhessen mittlerweile soweit verbreitet, dass er für andere Vögel zur Gefahr wird. Störche sind nicht wählerisch. Stoßen sie bei der Nahrungssuche auf ein Gelege eines Bodenbrüters, sind Eier und vor allem Küken ein willkommener Happen. „Wir freuen uns sehr über die Rückkehr des Weißstorches, aber auch Feldlerche, Kiebitz und andere Vögel sollen bei uns eine Chance haben. Die einzige Ausnahme, die wir unterstützen würden, wäre, wenn sich die katholische Kirchengemeinde Ober-Roden entschließen würde, im Kirchgarten einen Mast aufzustellen!“  (Christine Ziesecke)

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