„HandinHand“: Kleine Summen können in Indien Großes bewegen

Dank Hilfe aus Rödermark: mit 24 Euro vier Wochen leben

Mit fast elf Millionen Infizierten ist Indien eines der Länder, in denen Corona besonders wütet. Viele Tagelöhner verdienen schon seit Monaten keine Rupie mehr. Da werden die Lebensmittel von „HandinHand“ zu Lebensrettern.
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Mit fast elf Millionen Infizierten ist Indien eines der Länder, in denen Corona besonders wütet. Viele Tagelöhner verdienen schon seit Monaten keine Rupie mehr. Da werden die Lebensmittel von „HandinHand“ zu Lebensrettern.

Lebensmittel im Wert von rund 26 000 Euro hat „HandinHand“ allein von Mai bis September für indische Familien gespendet und damit Tagelöhnern, Kleinbauern und Behinderten das Überleben gesichert. Das ist die wohl beeindruckendste Zahl in der Bilanz 2020, die Pfarrer Elmar Jung aus Rödermark gezogen hat. Der St. Nazarius-Seelsorger ist Gründer und Vorstand des Indien-Hilfswerks.

Rödermark - Die Indienhilfe „HandinHand“ versorgte innerhalb von fünf Monaten 1 860 Familien in ländlichen Gegenden, in denen sich das Gesundheitswesen in völlig desolatem Zustand befindet. Die Armut dieser Dörfer ist schon zu „normalen“ Zeiten gewaltig, doch Corona hat sie verschlimmert. Am härtesten trifft die Ausgangssperre die Menschen; die Regierung hat sie seit dem Ausbruch der Pandemie schon elf Mal verlängert. In vielen Bundesstaaten dürfen die Leute nur eine Stunde pro Tag raus, um Essen zu kaufen.

Das ist für die Ärmsten der Armen leichter gesagt als getan. Den Tagelöhnern ist die Arbeit und damit der Verdienst weggebrochen, das wenige Gesparte brauchen die Leute für den Kauf immer teurerer Nahrungsmittel.

„HandinHand“ hat ein Corona-Notprogramm organisiert. Indische Helfer packten Pakete mit Über-Lebens-Mitteln für besagte 1 860 Familien. Inhalt: Reis, Linsen, Öl, Zucker, Mehl, Gewürze und Zwiebeln. Das reicht zwei Erwachsenen und zwei Kindern gut vier Wochen und kostet ganze 24 Euro. Weitere 1 500 dieser Pakete braucht „HandinHand“ nach Auskunft von Elmar Jung noch.

Jung sorgt sich um die langfristigen Folgen der Seuche. In Indien zeige sich schon jetzt, dass viele Eltern das Schulgeld ihrer Kinder nicht mehr bezahlen können. Jede Rupie wird für Lebensmittel gebraucht. „Doch ohne Bildung keine Veränderung auf Dauer und kein Vorankommen“, befürchtet der Indien-Kenner Schlimmes.

Aber auch bei den Schulen liegt noch Einiges im Argen. Die Schule von Kuppam im Bundesstaat Andhra Pradesh hat kein Geld für Toiletten. 240 Kinder müssen ihre Notdurft im freien Feld verrichten. „HandinHand“ will fünf Klos für Mädchen und fünf Klos für Jungen finanzieren. Das kostet knapp 2 500 Euro und zählt zu den wichtigsten Projekten dieses Jahres.

Am teuersten wird die Anschaffung eines Wassertanks und eines Generators im Nagaland an der Grenze zu Myanmar. Fast 14 000 Euro kalkuliert Jung, damit eine elektrisch betriebene Pumpe sauberes Wasser herbei schaffen kann. (Michael Löw)

Im Dorf Huthut haben 120 Familien Hilfspakete bekommen.

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