Musik ist Familiensache

Vater und Sohn Nachtsheim machen im Doppelpack Kultur

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Henni Nachtsheim und dessen Sohn Max (mit Kappe) gehen beruflich ähnliche Wege. Jeder begegnet dem Genre des anderen mit Interesse und Respekt.

Waldacker - Max Nachtsheim hat mit seinem Vater Henni so Einiges gemeinsam. Zum Beispiel das Talent fürs Musikfach. Wenn man so will, ist bei Nachtsheims Kultur Familiensache. Von Christine Ziesecke

Der Vater rockte früher mit den Rodgau Monotones, heute verfolgt er als Comedian zahlreiche Projekte (unter anderem im Hessenfernsehen). Sohn Max hingegen verwirklicht sich als Rapper und Podcaster – ein Doppel-Portrait. „Pappa, Pappa, wenn ich mal in die Eisdiele gehen will und will Eis essen – soll ich dann ein Bällchen oder zwei Bällchen essen?“ – „Bub, du bist jetzt 42 Jahre alt und Elektroingenieur, du darfst auch drei Bällchen essen!“

Dieses Zitat aus einem Badesalz-Gespräch zwischen dem Comedy-Duo Gerd Knebel und dem Waldackerer Hendrik (Henni) Nachtsheim ist wohl eines der meistzitierten und bekanntesten aus dem gesamten Repertoire des Satire-Duos. „Pappa“ Henni Nachtsheim hat im wahren Leben neben zwei Töchtern auch einen Sohn Max, der allerdings derzeit erst 34 Jahre alt ist und laut Biographie „deutscher Rapper und Podcaster sowie Mediengestalter“. Und der fragt garantiert nicht mehr nach, wie viele Bällchen Eis er essen darf. Die Clicks im seinem Podcast „Radio Nukular“ liegen wie die auf den Seiten seines Vaters mittlerweile über einer Million. Seit 2005 kennt man ihn als „Rockstah“.

„Damals war eine Zeit, in der sich alle Rapper irgendwie gleich nannten, und diesem Trend wollte ich nicht nachlaufen, so wurde ‚Rockstah’ draus“, erzählt der junge Mann, der schon früh und dann Schritt für Schritt sich selbständig gemacht und von seinem weithin bekannten Vater auch inhaltlich abgenabelt hat. „Natürlich hatte es auch Vorteile. Der Name Nachtsheim öffnete erst mal Türen und brachte Kontakte mit sich. Aber es ist auch sehr schwierig, einen so bekannten Vater zu haben: Man muss erst lernen sich selbst zuzubilligen, dass man ein eigenständiger Künstler ist und kein Abbild seines Vaters.“ 2005 ging es mit Rockstah’s eigener Karriere los, 2010 etwa war es so weit, dass er endlich auch wirklich selber wahrgenommen wurde. Natürlich damals noch nicht mit dem Nimbus seines Vaters, aber die zu erreichende Zielgruppen waren längst verschieden geworden.

Inzwischen haben die Beiden in ihren Bereichen große Erfolge. Neid gibt es nicht: „Nur Stolz und Freude“, stellt Henni Nachtsheim überzeugend in den Raum, „denn Erfolg, der auch noch zufrieden und glücklich macht, den gönnt man seinen Kindern doch am meisten. Vor allem, seit ich gesehen habe, wie ernsthaft er das macht und dass er eine eigene Kunstform für sich entdeckt hat, an der er große Freude hat. Wenn meine Kinder etwas machen, was Freude und Erfolg verbindet, ist das für mich das Beste.“

Der Vater nimmt die Meinung des Sohnes sehr ernst, nicht wie die des eigenen Kindes, sondern die eines musikalischen Partners: „Als ich vor kurzem die neue Badesalz-CD „Mailboxterror“ mit Gerd Knebel herausgebracht habe, war ich aufrichtig gespannt und richtig nervös, wie er es findet“, gesteht der Vater, um sich dann königlich über das eher versteckte Lob des Sohnes zu freuen: „Ich bin ja total erleichtert, dass die Platte nicht peinlich ist.“

Dass sie derzeit gelegentlich gemeinsam unterwegs sind, um das neue Rockstah-Opus zu bewerben, ist für keinen von Beiden ein Problem: „Wenn einer von uns etwas braucht, fragt er ‚Darf ich vorbeikommen?’, und ansonsten bin ich wie ein Backup im Hintergrund: Wenn ich gebraucht werde, bin ich da, und umgekehrt“, stellt der Vater fest. Nach seiner eigenen letzten Neuerscheinung ist jetzt – nach längerer schöpferischer Pause – der Sohn wieder dran: Am 26. Oktober erscheint das neue Album „Cobblepot“, benannt nach dem Pinguin, bürgerlich Oswald Cobblepot, einem der größten Erzfeinde von Batman. Vielleicht sieht Rockstah Parallelen zwischen sich und dem schrulligen Exzentriker, den er sich auch aufs Bein hat tätowieren lassen. „Cobblepot“ steht neben den üblichen Formaten auch als limitierte Vinyl und Hörkassette zur Verfügung. Der Grund dafür: „Weil ich selber Sammler bin und wir seit 2015 wieder eine Plattform für Vinyl, CDs und sogar Kassetten bekommen, und überall ist ein Special dabei.“

Aber natürlich gibt’s auch schon einen Vorgeschmack übers weltweite Netz. Damit meldet sich Rockstah, der Chef der Nerdy Terdy Gang, nach fast fünf Jahren Wartezeit mit seinem dritten Album zurück. Zuletzt erschien 2014 sein zweites Album „Pubertät“. In der Zwischenzeit war der Hiphopper und Rapper aber nicht untätig, sondern avancierte zu einem der größten Podcaster Deutschlands und deckt – in seinem Genre – „mit seinen Formaten wie etwa „Radio Nukular“ gefühlt die gesamte Bandbreite der Popkultur-Peripherie ab“, lässt sich’s lesen. Alle Infos unter www.rockstah.de.

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