Stadt will mehr Kontrollen

Nächtlicher Krach nervt einige Marktplatz-Anwohner

Ober-Roden - Einige Gaststätten und ein Wettbüro rund um den Marktplatz ziehen Gäste an, die den Nachbarn gehörig auf die Nerven gehen. In heißen Sommernächten beschweren sie sich über Lärm. Das Ordnungsamt will häufiger kontrollieren. Von Michael Löw 

„Bei uns ist nur noch Ramba-Zamba seit die da sind“, klagt eine Anwohnerin der Frankfurter Straße zum Beispiel über die Shisha-Bar am Ober-Röder Marktplatz. Aber auch von anderen Gaststätten gehe ständig Lärm aus. Die Frau will anonym bleiben, weil vor wenigen Wochen eine Betrunkene auf ihren Mann losging. Sie fürchtet weitere Attacken, wenn ihr Name in der Zeitung steht. In der Nacht zum Montag habe sich eine Gruppe von Shisha-Bar-Besuchern noch nachts um viertel nach zwei laut gestritten, am Wochenende ist ihren Angaben nach oft erst gegen 4 oder 5 Uhr Schluss. Dann verlagert sich das Geschehen nach draußen.

Menschlicher Lärm ist für die Nachbarn ein Aspekt des Problems. Der fast noch lautere sind die Auspuffanlagen getunter Autos, mit denen etliche Gäste anrücken – nicht nur die der Shisha-Bar, sondern auch die eines Dönerladens, weiterer Gaststätten und eines Wettbüros. Am Wochenende werde „fast täglich“ die Polizei gerufen, sagt die genervte Nachbarin.

In ihrem Hof habe sie schon Dealereien beobachtet. „Krumme Geschäfte“ beklagt eine weitere Anwohnerin der Frankfurter Straße, ohne in die Einzelheiten zu gehen.

Die Beschwerdeführerin fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen. „Wenn ich Mieterin wäre, wäre ich längst weg“, sagt sie verbittert. Aber die Familie hat eine Wohnung gekauft und befürchtet, dass sie die nur mit Verlust wieder loswird: „Es bricht uns das Herz, wenn wir daran denken!“

Auch der Erste Stadtrat Jörg Rotter sieht die Auswüchse im Ortskern mit Sorgen. Beim Ordnungsamt sind Beschwerden wegen Sachbeschädigung und Lärm eingegangen. In der Shisha-Bar würden ständig die Türen aufgerissen. Für die Gäste eine Linderung, für die Nachbarn eine Zumutung.

Die Polizei war schon öfter am Marktplatz, weist Rotter den Vorwurf des Wegsehens von Amts wegen zurück. Andrea Ackermann von der Polizeipressestelle sieht dort aber keinen Schwerpunkt: In der Nacht zum 15. Juli habe nach dem Anruf einer Nachbarin eine Streife in zwei Gaststätten für Ruhe gesorgt. Wirte und Gäste seien einsichtig gewesen. Die Shisha-Bar sei zuletzt am Wochenende bei einer Routinekontrolle auf die Einhaltung von Jugend- und Brandschutz überprüft worden. Beanstandungen gab’s laut Polizeisprecherin Ackermann keine.

Sie sagt aber auch: Nicht jeder Lärm, der den Nachbarn einer Gaststätte die Nachtruhe raubt, ist für die Polizei Ruhestörung. Für normalen Krach – im Behördendeutsch: Lärmemission – seien die Gewerbeaufsicht des Kreises oder die Stadt zuständig. Aber dort geht nach 18 Uhr niemand mehr ans Telefon.

Start für den „Rodau-Markt“ in Ober-Roden: Bilder

Der städtischen Ordnungspolizei fehlt das Personal für Kneipenkontrollen nachts oder am Wochenende, räumte Rotter gestern auf Nachfrage unserer Zeitung ein. Das soll sich zum 1. September ändern, zwei Stellen wurden neu besetzt – mit der Maßgabe, auch außerhalb der regulären Arbeitszeit auf Patrouille zu gehen. Rotter warnt vor übertriebenen Hoffnungen: „Unsere Leute haben nicht die gleichen Befugnisse wie die Landespolizei.“

Die Stadt will laut Rotter ins Landesprogramm „KOMPASS“ aufgenommen. Eine Voraussetzung: eine ordentlich besetzte Ordnungspolizei. Der Erste Stadtrat schielt dabei auf die 9000-Seelen-Gemeinde Mainhausen. Deren Vertreter hätten bei einer „KOMPASS“-Konferenz stolz darauf hingewiesen, man können bis zu acht Ordnungspolizisten auf Streife schicken. Im dreimal so großen Rödermark ist die kommunale Ordnungsmacht nur halb so groß.

Rubriklistenbild: © dpa

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