Probelauf fürs Parlament

Hitzige Debatten über Islam-Unterricht, Schulbusse und Essen

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Offene Abstimmung: Bei der fiktiven Sitzung der Stadtverordnetenversammlung an der Nell-Breuning-Schule diskutierten Jugendliche mit Kommunalpolitikern über 18 Anträge.

Ober-Roden – Hitzige Debatten über Islam-Unterricht, Schulbusse und Schulessen: Jugendliche simulierten Politik – zusammen mit gewählten Politikern. Von Christine Ziesecke

„Pimp Your Town“? Dass man alte Jeans oder Handtaschen neudeutsch aufpimpen, also wieder attraktiv machen kann, hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber wie macht man das bei einer ganzen Stadt? Das Planspiel, das der Verein „Politik zum Anfassen“ seit 2006 mit jugendgerechten Aktionen und Medienprojekten anbietet, zeigt es deutlich. Das Unternehmerforum Rödermark hatte den Verein an die Nell-Breuning-Schule (NBS) geholt.

Gemeinsam mit „echten“ Vertretern der Kommunalpolitik spielen Siebt- bis Zehntklässler die Entscheidungsfindung in der Stadtverordnetenversammlung nach – drei Tage Parlament in der NBS. Der erste Tag ist ein Crashkurs in Sachen Kommunalpolitik und ist der Vorstellung der örtlichen Struktur gewidmet. Bürgervertreter aus den Fraktionen präsentierten die Theorie und halfen bei der Ideensammlung, was an Änderungen erwünscht und zu Anträgen zu formulieren ist.

Der zweite Tag lebt von fiktiven Ausschusssitzungen, die eben diese Anträge ausformulieren oder aber fallen lassen. Der dritte und letzte Tag bringt mit der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung den Höhepunkt und die Entscheidung.

Nachwuchs-Parlamentarier stimmen ab

Im Nell-Breuning-Saal saßen die Nachwuchs-Parlamentarier, jeweils vier Stimmberechtigte pro Jahrgang, dem Stadtverordnetenvorsteher Sven Sulzmann und dem Ersten Stadtrat Jörg Rotter gegenüber und arbeiteten eine Tagesordnung mit 18 von ursprünglich 45 Anträgen ab. Klassischer Ablauf: Die Antragsteller präsentierten ihr Ideen, die Diskussion mit Rede und Gegenrede folgte, ehe es zur offenen Abstimmung Antrags kam.

Alle Anträge, vom Renovieren der Klassenzimmer bis zur Einrichtung einer Werk-AG für Sperrmüll-Recycling und der Einrichtung von W-Lan in der Schule wurden ernst- und gewissenhaft mit Pro und Contra diskutiert. Besonderen Schwung bekam die Debatte durch die Anträge zur besseren Islam-Aufklärung – gestaltet durch Projekte mit Gelehrten, um Ausgrenzung und Mobbing einzuschränken – sowie wie schon seit gefühlt hunderten von Schülerjahrgängen die Forderung nach einem zweiten Bus ins Breidert und eventuell nach Eppertshausen. Der würde das tägliche Gedränge vermeiden. Beide Anträge wurden letztlich angenommen.

Bilder: Nell-Breuning-Schule verteilt Zeugnisse und feiert Abiball

Den geräuschvollen Höhepunkt bildete der Antrag zur Aufstellung von Snack- und Getränkeautomaten am Bahnhof. Die Befürworter lieferten Lösungsansätze rund um die befürchtete Aufbruchgefahr und manche Probleme mehr. Der Antrag wurde knapp mit 28 zu 24 Stimmen angenommen. Das bewegte Stadtrat Rotter zum Einwurf: „Der Tagesordnungspunkt ‚Schönes Rödermark’ hat kaum jemanden interessiert, aber Essen und Trinken geht immer!“ So hat das Parlament auch beschlossen, das Schulessen billiger anzubieten oder einen neuen Caterer zu suchen.

Ein Eilantrag kam dazu und ging ohne Gegenstimme durch: die Einrichtung eines städtischen Kinder- und Jugendbeirates entsprechend dem Seniorenbeirat.

Dass diese drei Tage nicht nur interessant und spannend waren, sondern auch in die Zukunft hinein wirken, zeigen Beispiele aus anderen Städten, wo die Anträge tatsächlich zu Neuerungen geführt haben, weil sie von den „echten“ Kommunalpolitikern mit in ihre Gremien genommen und weiterverfolgt wurden. Die Nell-Breuning-Schüler werden die Entwicklung sicher interessiert und aktiv weiter verfolgen.

Abschlussfeier der Nell-Breuning-Schule in Ober-Roden: Bilder

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