Diskussion um Gymnasium lässt Emotionen hochkochen

„Die Nell-Breuning-Schule wird zur Resteschule“

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Nell-Breuning-Schule

Rödermark - Macht der Magistrat beim Kreis genug Druck, damit Rödermark ein Gymnasium – und damit eine zweite weiterführende Schule – bekommt? Die Diskussion über einen Antrag von Freien Wählern und FDP wurde einmal mehr zur schulpolitischen Grundsatzdebatte, bei der Befürworter und Gegner mit Zahlen, Vermutungen und gegenseitigen Anschuldigungen operierten. Von Michael Löw 

Die Stadtverordnetenversammlung diskutierte am Dienstagabend zum zweiten Mal in vier Monaten über ein Gymnasium in Rödermark. Am 2. Mai hatte das Parlament einstimmig eine Stellungnahme zum Schulentwicklungsplan beschlossen. Eine von mehreren Rödermärker Forderungen: ein Gymnasium. Mittlerweile hat der Kreistag den Schulentwicklungsplan beschlossen. Von einer zweiten weiterführenden Schule in Ober-Roden oder Urberach steht nichts drin.

„Nie wurde beim Kreis nachhaltig Druck gemacht“, kritisierte Siegfried Kupczok (FWR) den Magistrat und die schwarz-grüne Mehrheit. Diesen Druck wollten FDP und FWR jetzt mit einem gemeinsamen Antrag aufbauen. Kupczok verwies wieder auf die rund 800 Rödermärker Fünft- bis Dreizehntklässler, die in anderen Städten zur Schule gehen: „Keine Kommune im Kreis hat mehr Auspendler!“ Dem gegenüber stehen rund 1300 Jugendliche, die die Nell-Breuning-Schule (NBS) besuchen. Rund 150 von ihnen kommen aus Nachbarstädten.

Zuzug und eine steigende Geburtenrate treiben die Schülerzahlen weiter nach oben. Das bringt, so Kupczok, die NBS mittelfristig an ihre Kapazitätsgrenze. Aber nicht nur sie: Kupczok befürchtet, dass auch die Ausweichgymnasien in der Nachbarschaft bald dicht sind und nur noch Schüler aus der eigenen Stadt aufnehmen. Rödermärker hätten dann das Nachsehen. Diese „Schülerlenkungsmaßnahmen“, so Kupczok, führe die Wahlfreiheit ad absurdum.

Daher kann es für die F-Parteien nur eine Lösung geben – das Rödermark-Gymnasium. Das steht seit Jahren auch im CDU-Programm. Deshalb warfen Kupczok und FDP-Fraktionsvize Dr. Rüdiger Werner den Christdemokraten geradezu genüsslich vor, vorm grünen Koalitionspartner einzuknicken. Die AL hielt sich aus der Debatte am Dienstagabend weitgehend raus.

Bilder: Nell-Breuning-Schule verteilt Zeugnisse und feiert Abiball

Die SPD sieht in den Forderungen nach einem Gymnasium grundsätzlich einen Angriff auf die NBS, eine Integrierte Gesamtschule. Sie spiegele die Vielfalt einer Gesellschaft aus Akademikern und Arbeitern, sportlich und musisch Begabten, politisch Interessierten und Uninteressierten viel besser wieder als ein Gymnasium, warb der SPD-Vorsitzende Hidir Karademir für die NBS: „Sie ist in der Lage, alle Rödermärker Jugendliche zu beschulen.“ Auch wenn ihre Zahl von derzeit 2 100 auf 2 500 steigt.

Nach Ansicht Karademirs belegen Zahlen den Erfolg der NBS. 1,6 Prozent ihrer Abiturienten hätten einen Einser-Schnitt. Im Landesdurchschnitt hätten nur 1,4 Prozent der Abiturienten diese Traumnote. Die NBS leiste von Anfang an gute Bildungsarbeit: Obwohl 20 Prozent der Fünftklässler keine Gymnasialempfehlung hätten, liege acht Jahre später der Rödermärker Abi-Schnitt über dem Landeswert. Karademirs Befürchtung: „Ein Gymnasium macht die NBS zur Resteschule!“

Abschlussfeier der Nell-Breuning-Schule in Ober-Roden: Bilder

Bürgermeister Roland Kern und er würden die Forderung nach einem Gymnasium sowohl im Kreistag als auch Landrat Oliver Quilling gegenüber ständig vortragen, wies Erster Stadtrat Jörg Rotter den Vorwurf der Untätigkeit zurück. Mit ihrem neuen Antrag verwässerten FDP und FWR den einstimmigen Beschluss vom Mai. Rotter ist der Meinung, dass Rödermark im Schulentwicklungsplan gut berücksichtigt werde: „Wir bekommen den Ausbau der Breidert-Schule zu einer selbstständigen Grundschule.“ Auch das habe das Parlament am 2. Mai einstimmig gefordert, doch die Gymnasiumsdiskussion verdränge diesen Erfolg.

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