(Corona)-Not macht erfinderisch

Neue Wege und ungewohnte Lösungen in der Corona-Krise

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Passt das zusammen? Pia (rechts) und Nicole Dreher stellen für eine Kundin eine Auswahl aus ihrer Frühjahrskollektion zusammen. Die wird umgehend nach Hause geliefert, damit die Frau ihre Entscheidung treffen kann.

In der Corona-Krise brauchen Geschäftsleute neue Ideen. Manche haben erfolgversprechende Lösungen. Andere setzen auf ungewohnte Wege.

Rödermark - Die Krise lässt Geschäftsleute neue Ideen entwickeln. Manche finden wirklich kreative und erfolgversprechende Lösungen. Andere setzen mehr oder minder notgedrungen auf ungewohnte Wege, um ihre Waren und Dienstleistungen an den Kunden zu bringen. Wer die Corona-Epidemie wirtschaftlich gesund übersteht, zeigt sich aber erst in ein paar Monaten.

Rödermark – Mindestens zehn, eher 15 Mal am Tag klingelt das Telefon von Wirtschaftsförderer Till Andrießen, weil Handwerker, Händler oder Wirte wissen wollen, wie sie zu Geld aus den diversen Corona-Hilfspaketen kommen. Sein Kollege Alfons Hügemann bewältigt ein ähnliches Pensum.

Beraten und Verkaufen in Zeiten des Corona-Virus

Was beide doch ein wenig überrascht: „Die Telefonate verlaufen fast alle sehr sachlich. Niemand ist weinerlich“, hat Andrießen eine eher kämpferische Stimmung ausgemacht – zumindest unter denen, die sich an die Wirtschaftsförderung wenden. Die ersten Kleinunternehmen haben ihr Geld sogar schon bekommen; die gern gescholtene deutsche Verwaltungsbürokratie arbeitet in den Tagen der Krise ausgesprochen effektiv.

Nichtsdestotrotz machen sich Geschäftsleute große Sorgen um ihre Zukunft. Wilhelm Schöneberger, der Vorsitzende des Gewerbevereins, berichtet von kleinen Kleidergeschäften, die gerade ihre Frühlingsmode bekommen haben und schlimmstenfalls darauf sitzen bleiben, weil ihr Geschäft nicht „systemrelevant“ ist – sprich: amtlich angeordneter Verkaufsstopp seit 19. März.

Aber auch wenn die Laden- oder Kneipentür geschlossen ist, bedienen viele Geschäftsleute die Kunden weiterhin am Telefon, im Internet oder über soziale Medien. Fast noch wichtiger als das Angebot an Jacken, Büchern, Handys oder Speisen: Im gesamten Beratungs- und Verkaufsprozess wird auf die Abstands- und Hygienevorschriften hingewiesen.

Farbvorschläge per WhatsApp

Um den Kundinnen und Kunden einen Überblick zu verschaffen, welcher Händler und Gastronom was bereithält, hat die Wirtschaftsförderung kreative Ideen der Betriebe zusammengetragen. „Es wäre doch schade, wenn das nicht genutzt würde, nur weil es nicht bekannt ist“, betont Leiter Andrießen.

Gastronomen setzen meist auf Klassiker und bieten – unter anderem für Corona-Risikogruppen – jetzt einen Abhol- und zum Teil auch einen Lieferservice an. Beim „Hirschwirt-Drive-In“ in Urberach kann das vorbestellte Essen mit dem Auto am Hoftor abgeholt werden. Das Café Schließmann bringt alle Backwaren sowie Milch und Eier bis an die Haustür.

Auch Einzelhändler stellen ihr Geschäftsmodell um und liefern jetzt Ware aus. Hosen-Dreher lässt seinen Kunden eine Auswahl zum Anprobieren zukommen. Einer Rodgauerin zum Beispiel haben Pia und Klaus Dreher per WhatsApp Farbvorschläge für etwas Schickes zum Geburtstag geschickt. Die Frau entschied sich für Apricot und bekommt jetzt mehrere Outfits zur Probe.

Umfangreiche Informationen online

Wem das Lesefutter ausgeht, der kann sich Bücher von beiden Rödermärker Buchhandlungen liefern lassen. Jürgen Nowak bringt Schreibwaren und Spiele direkt zum Kunden. Und die Ober-Röder „Quernaht“ verschickt fertig gepackte Nähpakete an ihre Kundinnen.

Ober-Röder Dreierlei: Die Corona-Epidemie schmiedet ungewöhnliche Allianzen. GuFiE-Inhaberin Julia Akinwale lässt Tochter Lia auf einem „Wobbel“-Brett von Jürgen Nowak turnen. Andreas Kömmerling nimmt das Trainingsvideo mit geballter Technik auf.

Julia und Adi Akinwale vom Fitnessstudio GuFiE „beliefern“ ihre Sportler ebenfalls – mit Videos fürs heimische Workout. Andreas Kömmerling von „Eyes Over“ hat an vier Tagen gefilmt, wie man sich mit Alltagsgegenständen in Form hält. Sogar das Mangelprodukt Klopapier eignet sich bestens als Sportgerät. Mitgliedern ohne Internetzugang werfen die Akinwales Übungsblätter in den Briefkasten.

Weitere Informationen findet man auf den Internet- und Facebook-Seiten der Betriebe, auf der städtischen Internetseite und den Facebookseiten der Wirtschaftsförderung („Original Rödermark“ und „Gastroguide Rödermark“).

Information im Internet:

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VON MICHAEL LÖW

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