Tage der „Paramount Park“-Ruine sind gezählt

Rödermark: nicht nur kleinräumig verdichten

Goldenes Dreieck? Zwischen Rödermarkring, Frankfurter und Kapellenstraße liegen Rödermarks letzte Reserven für Gewerbeansiedlung.
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Goldenes Dreieck? Zwischen Rödermarkring, Frankfurter und Kapellenstraße liegen Rödermarks letzte Reserven für Gewerbeansiedlung.

Rödermark Die Nachbarstadt Rodgau weist ein Wohn- und Gewerbegebiet nach dem anderen aus. In Rödermark kommt die Stadtentwicklung scheinbar nur mit Trippelschritten weiter, denn die schwarz-grüne Koalition will kein Wachstum um jeden Preis. Nach dieser Devise treiben in Ober-Roden Stadt und Investoren einige größere Projekte voran.

Über den Abriss der „Paramount Park“-Ruine im Rödermärker Stadtteil Ober-Roden wird seit mehr als zehn Jahren diskutiert. Die Bebauung des 1930 stillgelegten Gaswerks ist gar schon seit Jahrzehnten Thema in Politik, Verwaltung und Stammtischen. Und der 2016 von allen fünf Fraktionen mit großem Tam-Tam angekündigte Rödermark-Plan ist über ein paar Denkanstöße nicht hinaus gekommen. Also völliger Stillstand bei der Standentwicklung?

Mehrere Ober-Röder Projekte kommen in Bewegung. Die schnellsten Fortschritte erhofft sich Bürgermeister Jörg Rotter im Dreieck von Rödermarkring, Frankfurter und Kapellenstraße. Die abgebrannte Disco sowie die Fußballhalle und Sauna nebenan sollen dem „Quartiershof Kapellenstraße“ weichen. Alle nötigen Grundstücke befinden sich mittlerweile im Besitz der Urberacher Investorenfamilie Frank. Die ergänzt momentan mit Unterstützung der Stadt ihre Planungsunterlagen. Auf 9 000 Quadratmetern sollen Wohnungen entstehen – verteilt auf ein drei- bis fünfstöckiges Gebäude-Ensemble, mit einem zehnprozentigen Gewerbeanteil, möglicherweise Praxen, Büros oder Gastronomie. Schon Ende dieses Jahres, spätestens aber bis Mitte 2021 kann der „Paramount Park“ abgerissen werden, schätzt Rotter.

Noch wichtiger sind dem Bürgermeister die Wiesen und Äcker nördlich und westlich des Trümmergrundstücks. Sie sind Rödermarks letztes großes Gewerbegebiet. „Die Verkaufsverhandlungen für die rund 40 Einzelflächen laufen gut“, sagt Rotter. Ein „in vielerlei Hinsicht bedeutsames Rödermärker Unternehmen“ habe Interesse bekundet. „Das wollen und müssen wir wegen Jobs und Gewerbesteuer halten!“

Kommt"s zu einem Abschluss, hat das Geschäft einen positiven Domino-Effekt. Denn ein Partnerunternehmen hat nach Auskunft des Bürgermeisters angekündigt, seinen Sitz nach Ober-Roden zu verlegen. Rotter ist sicher, dass die Stadt dort ein gut angebundenes Gewerbegebiet in zentraler Lage anbietet und sagt deshalb: „Wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht lockerlassen.“

Beim Baugebiet „Südlich Alter Seeweg“ ist Rotter dagegen der Geduldsfaden gerissen. Schuld war das frühere Gaswerk, dessen Grundstück einer Hamburger Erbengemeinschaft gehört. Sieben Jahren haben Stadt und Hessische Landgesellschaft mit den Eigentümern verhandelt, damit ihre Flächen Teil des Bebauungsplans werden. Die Hamburger hätten mehrere Fristen ignoriert, eine letzte lief am 15. Juni um Mitternacht aus.

Jetzt wuchert das alte Gaswerk weiter zu, während der einstige Hundesportplatz und mehrere Flächen nördlich davon zügig entwickelt werden können. Die Stadt will dort möglichst bald Bauland ausweisen, auch Sozialwohnungen sind geplant. Hier ist die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot am größten.

Doch es gibt auch sichtbare Fortschritte: Am anderen Ende von Ober-Roden ist der ehemalige Festplatz fast vollständig bebaut, und der Verkauf der leer stehenden Citroen-Handlung an die Früchtenicht & Riel GbR (Dieburg) ging reibungslos über die Bühne.

Zum zweiten Mal will der Projektentwickler ein belastetes Gewerbegrundstück in Rödermark sanieren und darauf Wohnungen bauen: zwei dreigeschossige Häuser und eine verbindende Tiefgarage. Im nördlichen Gebäude sind zehn Wohnung und eine Gewerbeeinheit (Laden, Praxis oder Büro) vorgesehen, im südlichen 14 Wohnungen. Der Investor verpflichtet sich, fünf Wohnungen als Sozialwohnungen dauerhaft zu entsprechenden Konditionen zu vermieten. Beide Häuser sind barrierefrei geplant.

„Wir können aber nicht nur Wohngebiete mit zwei, drei oder zwölf Häusern ausweisen“, rückt CDU-Mann Rotter vorsichtig von der kleinräumigen Nachverdichtung ab. Die wiederum ist beim Koalitionspartner AL/Grüne wichtigstes Instrument der Stadtentwicklung. Bürgermeister Rotter gibt zu bedenken: „Auch diese Innenentwicklung belastet.“ Zum Beispiel in Form zusätzlicher Autos, die durch die alten Wohngebiete fahren.

Nach Ansicht Rotters gibt es mehrere Ortsrandlagen, die sich für qualitativ hochwertige Wohngebiete eignen, ohne bestehende Strukturen zu belasten. Welche er im Auge hat, will Rödermarks Baudezernent derzeit nicht sagen. Sonst, so seine Befürchtungen, treiben Spekulationen die Grundstückspreise weiter nach oben. (Von Michael Löw)

Von Michael Löw

Weiter dicht: Die Stadt klammert das alte Ober-Röder Gaswerk aus dem Bebauungsplan aus.

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