Diskussion

Bahnübergang entzweit Parlamentsfraktionen in Ober-Roden

Nach dem Vorstoß von Bürgermeister Jörg Rotter (CDU) in Sachen Bahnübergang Dieburger Straße beziehen die im Parlament vertretenen Fraktionen in Pressemitteilungen Stellung. (Symbolbild)
+
Nach dem Vorstoß von Bürgermeister Jörg Rotter (CDU) in Sachen Bahnübergang Dieburger Straße beziehen die im Parlament vertretenen Fraktionen in Pressemitteilungen Stellung. (Symbolbild)

Nach dem Vorstoß von Bürgermeister Jörg Rotter (CDU) in Sachen Bahnübergang Dieburger Straße beziehen die im Parlament vertretenen Fraktionen in Pressemitteilungen Stellung.

Ober-Roden – Ausgerechnet der CDU-Koalitionspartner Andere Liste (AL) signalisiert Ablehnung: Eine Bahnunterführung statt des Übergangs würde „den Ortskern nicht beleben, sondern zerstören“.

Die Bürgermeisterpartei CDU hingegen begrüßt Rotters Idee, die ganze Sache noch einmal prüfen zu lassen und einen Anlauf zu nehmen für eine Unterführung. Den Rathaus-Chef hatte dazu eine Gesetzesinitiative des Verkehrsministeriums ermuntert. Demnach werden Städte und Gemeinden bei der Beseitigung von Bahnübergängen und beim Bau von Brücken und Unterführungen künftig finanziell unterstützt. Ziel dessen ist es, den Zugverkehr zu beschleunigen und Engpässe zu beseitigen. Laut CDU soll der Bund künftig die Hälfte der Kosten tragen, die Bahn ein Drittel und das Land ein Sechstel. Bisher tragen der Straßenbaulastträger, die Bahn und die Kommunen jeweils ein Drittel.

"Verkehrssituation im Ortskern ist höchst unbefriedigend"

Bisher seien Überlegungen, eine Alternative zum schienengleichen Bahnübergang zu realisieren, an der Finanzierungsproblematik gescheitert, schreibt die CDU. Es sei jetzt zu prüfen, ob und inwieweit die Neuregelung für den Bahnübergang in Ober-Roden zutrifft und welche Realisierungsmöglichkeiten denkbar wären. Sollte die Neuregelung anwendbar sein, sei der Bau einer Unterführung für Bahn oder Straße ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Parteivorsitzender Ralph Hartung: „Die Verkehrssituation im Ortskern ist höchst unbefriedigend. Die Verhältnisse stellen eine Gefahr für Fußgänger und Fahrradfahrer dar. Der Bahnübergang führt zu extrem langen Schließzeiten und Rückstaus. Eine Ausweitung der Zugverbindungen ist aus unserer Sicht mit diesem Bahnübergang nicht möglich. Eine Verbesserung des ÖPNV- Angebotes ist aber unumgänglich.“

Fraktionsvorsitzender Michael Gensert betont, dass sich die Union noch nicht auf eine mögliche Neubauvariante festgelegt habe: „Möglich ist sowohl eine Führung der Straße unter der Bahn als auch eine Absenkung des S-Bahn-Verkehrs. Die Verkürzung der Schließzeiten bei Beibehaltung des schienengleichen Bahnübergangs ist in eine Prüfung einzubeziehen.“ Das Stadtparlament hatte 1995 mit den Stimmen von AL und CDU den Bau einer Unterführung abgelehnt. Damals regierte eine CDU/FDP-Koalition, die in dieser Frage aber gespalten war.

„Aus technischen Gründen müsste eine Unterführung praktisch am – dann zumindest gefährdeten – Wochenmarkt beginnen und würde ungefähr an der Einfahrt Borngartenstraße enden. Auf dieser Strecke könnte die Straße nicht mehr von Fußgängern oder Radfahrern überquert werden. Die Straße Am Rosengarten und die Hermann-Ehlers-Straße wären von der Ortsdurchfahrt völlig abgeschnitten“, warnt AL in ihrer Stellungnahme.

Mehr Autoverkehr im Ortskern durch Bahnunterführung?

Mit einer Bahnunterführung werde man sich weit mehr Autoverkehr als bisher in den Ortskern holen. Ziel der Neuregelung sei es aber, nicht den Individualverkehr zu beschleunigen, sondern die Züge. AL rät deshalb allen Verantwortlichen in der Stadtpolitik, bei der Bürgerschaft „keine falschen Erwartungen“ zu wecken. Aus all diesen Gründen habe es bisher auch noch nie einen Anlauf für eine Unterführung gegeben, sondern stets die berechtigte Forderung nach einer Verkürzung der Schließzeiten. Die sei auch in Ober-Roden technisch machbar, würde allerdings etwa 500 000 Euro kosten. „Dies ist allen Beteiligten bekannt.“

SPD und Freie Wähler wiederum stehen voll hinter den Plänen des Bürgermeisters. Der SPD Fraktionsvorsitzende Norbert Schultheis fordert alle Fraktionen auf, sich gemeinsam für die Verwirklichung einer Bahnunterführung in Ober-Roden einzusetzen und durch Einmütigkeit den politischen Druck zu erhöhen. Seit den Planungen für den S-Bahn-Bau vor 30 Jahren forderten die Genossen diese Unterführung.

Der jahrzehntelange Versuch von Grünen und CDU, durch den Einsatz von Bahnschranken den Verkehr in Ober-Roden zu verringern und die Geschäftswelt zu fördern, sei schon lange gescheitert. „Die großen Geschäfte, um deren Erhalt es bei dem Beschluss gegen die Bahnunterunterführung vorrangig ging, gibt es schon seit Jahren nicht mehr.“ Man könne sich natürlich immer vermeintlich bessere Lösungen für das Verkehrsproblem mit seinen Gesundheitsbelastungen durch den Stau vorstellen. Aber man müsse nach zwanzigjährigem Scheitern die Realitäten anerkennen und „das sich öffnende Fenster für eine machbare Verbesserung nutzen.“  

bp

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare