Interview mit Pastor Jens Bertram

Freie Gemeinde in Rödermark kommt ohne Kirchensteuer aus

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Jens Bertram, der Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Rödermark, ist mit Leib und Seele Pfadfinder. Sogar Familienhund „Nabou“ trägt das blau-weiße Halsband des Stammes.

Ober-Roden - Die Freie evangelische Gemeinde (FeG) ist die einzige der fünf großen Rödermärker Kirchengemeinden, die keine Kirche, sondern „nur“ einen Gottesdienstsaal hat. Und der liegt auch noch im Ober-Röder Industriegebiet.

Doch das ist nicht die einzige Besonderheit: Die FeG finanziert sich nur durch Spenden. Das „Frei“ im Namen bedeutet auch frei von Kirchensteuereinnahmen.

Rödermark-Redakteur Michael Löw sprach mit Pastor Jens Bertram über Seelsorge, Pfadfinder und Zukunftsaussichten.

Die Freie evangelische Gemeinde ist Rödermarks mit Abstand kleinste Kirchengemeinde, wird in der Öffentlichkeit aber stark wahrgenommen. Was sind die Gründe dafür?

Menschen, die Jesus lieben und deswegen ihr Bestes geben. Und daraus entstehen dann gute Aktionen, die es in die Zeitung schaffen.

Wie „funktioniert“ eine kleine Gemeinde überhaupt?

Sie funktioniert nur dadurch, dass sich viele einbringen und ihre Zeit, ihre Gaben und ihr Geld für Gott und die Gemeinde investieren.

Rückt eine Gemeinde, die sich nicht durch Kirchensteuer finanziert, automatisch enger zusammen? Oder andersrum gefragt: Hätten Sie gerne die Sicherheit dieser regelmäßigen Einnahmen?

Manchmal schon, auf der anderen Seite entdeckt man so Gottes versorgendes Handeln, wenn es dann trotz schlechter Prognosen am Ende des Jahres kein großes Minus gibt.

Ich will Kirche aber keinesfalls nur aufs Geld reduzieren. Wo sehen Sie persönlich die Schwerpunkte Ihrer seelsorgerischen Arbeit?

Die sind vielfältig, aber Schwerpunkte sind sicherlich die Gottesdienste und die Jugendarbeit – bei uns in Form der Pfadfinder. Dabei geht es immer auch darum, selbst im Gespräch mit Gott zu bleiben. Darüber hinaus aber auch Besuche, Seelsorgegespräche, Seniorenarbeit, Sonderveranstaltungen, viele Sitzungen, um miteinander zu beraten und zu planen, was dran ist.

Welche Rolle spielt dabei das Pfadfindertum?

Es ist der Zweig der Gemeindearbeit, mit dem wir die meisten „Nicht-Gemeinde“-Leute ansprechen. Von daher ein wichtiger Zweig der Gemeindearbeit.

Schauen wir doch mal gemeinsam vom nicht vorhandenen FeG-Kirchturm in die weite Welt: Wie kann Kirche die Leute besser erreichen? Oder muss man bei manchen Personengruppen am Ende gar fragen: Kommt die Botschaft der Bibel überhaupt noch an?

Die biblische Botschaft ist ja, dass Gott die Menschen so sehr liebt, dass er in Jesus Christus in diese Welt kommt, für dich und mich am Kreuz stirbt und damit alles Trennende zwischen Gott und den Menschen hinwegnimmt. Das ist heute noch so aktuell wie vor 2000 Jahren und wird es immer sein. Wenn wir Menschen nicht mehr erreichen, dann müssen wir uns heute als Kirchen fragen lassen, ob wir es verlernt haben, als Christen davon zu reden. Und damit meine ich nicht nur die Pastoren, sondern auch und vor allen Dingen alle Christen.

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Wo steht die FeG Rödermark in 20 Jahren?

Im Anbau unseres Gottesdienstsaales (Pastor Bertram lacht herzlich). Denn das hieße, dass wir gewachsen sind und einen größeren Gottesdienstsaal bräuchten.

Haben Sie eine biblische Lieblingsperson?

Viele. Im Moment ist es gerade Paulus. Mich begeistert, mit welcher Energie er sich einsetzte. Er war erst gegen den christlichen Glauben, aber nachdem ihm Jesus begegnet ist, für ihn. Paulus konnten auch Gefangenschaft und Steinigung nicht aufhalten.

Und einen Lieblingsort in Rödermark?

Die Weidenkirche liegt mir nicht nur wegen der Ökumene am Herzen. Sie ist beliebter „Pausenort“ für meine Kids, wenn wir mal an der Rodau entlang laufen, Fahrrad oder Roller fahren. Und sie ist vor allem der Ort, an dem ich meine Frau 2010 zum ersten Mal in ihrem Hochzeitskleid gesehen habe. Wir haben dort vor der Trauung Bilder gemacht und sind an der Rodau entlang gelaufen. Von daher ist dieser Ort mit vielen guten und schönen Erinnerungen verbunden.

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