Kleinster gemeinsamer Nenner

Unterführungs-Antrag der SPD wird zur interfraktionellen Verkehrszählung

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Auf und nieder: Wie könnte der Verkehr fließen, wenn die Schranken in der Dieburger Straße verschwinden würden? Ein Verkehrsgutachten soll die Antwort liefern.

Zweifelhafter Erfolg für die SPD: Im Alleingang wollten die Genossen zunächst die Chancen – und Kosten – für eine Unterführung des Bahnübergangs Dieburger Straße prüfen lassen. Auf diesen Zug sprangen zunächst alle anderen Parteien auf. 

Ober-Roden – In einem gemeinsamen Antrag forderten sie vom Magistrat „universitäre Konzepte für eine Unter-/Überführung“ sowie ein Verkehrsgutachten. Das sollte ausloten, welche Wege Autos nehmen, wenn die Schranken verschwinden sollten. Kurz vor der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend ließ die schwarz-grüne Koalition die studentischen Ideen aus dem Antrag streichen.

Und das letztlich beschlossene Verkehrsgutachten, dessen Kosten kein Redner auch nur ansatzweise bezifferte, diente Unterführungsgegnern wie -befürwortern vorab schon mal zur Untermauerung der eigenen Position.

„Es ist unsere Pflicht, eine bessere Lösung zu finden, als dies vor 25 Jahren geschehen ist“, begründete der SPD-Fraktionsvorsitzende Norbert Schultheis den Vorstoß seiner Partei. Am 8. Mai 1995 hatte das Parlament mit 23 Stimmen von CDU und AL den Bau einer Unterführung abgelehnt und die Schranken quasi an der Ortsdurchfahrt einzementiert. Eine Fehlentscheidung, die nach Ansicht der SPD korrigiert werden muss. Denn das, was damals Theorie war – „Durch Staus Verkehrspolitik machen.“ –, sei heute traurige Realität. Die Bahn soll die Unterführung bezahlen, forderte Schultheis.

Stefan Gerl, Fraktionsvorsitzender der Anderen Liste, lehnt wie schon 1995 jedes Bauwerk ab. Bei einer Neigung von heute sieben (damals: zwölf) Prozent würde die Rampe schon an der Volksbank beginnen und hätte erst am Haus Dieburger Straße 47 wieder normales Niveau erreicht. Ober-Roden wäre zerschnitten und für den Durchgangsverkehr attraktiver als der Weg über den Rödermarkring. Gerl verwies auf das Negativbeispiel Dieburg: Dort hätte eine Bahnunterführung so viel zusätzliche Autos in die Stadt gelockt, dass die Straße für Millionensummen beruhigt werden musste.

Während Gerl den städtebaulichen Aspekt betonte, hob der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert die Verkehrsproblematik hervor. Diese Konsequenz der Schranken sei Mitte der Neunziger nicht ausreichend diskutiert und schon gar nicht analysiert worden. Die Stadtverordneten hätten sich auf die Aussage der Bahn verlassen, Autos würden am Übergang „nicht länger als vor jeder Ampel“ stehen. Von 26 Minuten Schranken-Schließzeit pro Stunde während des 15-Minuten-Taktes sei seinerzeit ebenso wenig die Rede gewesen wie vom Rollwald-Problem. Bekanntlich gehen die Schranken in Ober-Roden schon runter, bevor die S-Bahn dort einrollt.

Gensert will das Verkehrsgutachten zwar ebenfalls abwarten. Doch die Ergebnisse sollen helfen, die Staus in der Dieburger Straße nach einer Optimierung der Schließzeiten zu verkürzen. Gensert warnte aber vorsorglich: Selbst diese Lösung kann sich am Ende als unbefriedigend herausstellen.

Die Begeisterung für eine Unterführung hielt sich auch bei den F-Parteien in Grenzen. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger bezweifelt, dass Rödermark ein solches Bauwerk bei laufendem Bahnbetrieb stemmen kann. Und Peter Schröder (Freie Wähler) orakelte über ganz andere Konzepte: „Die Anwohner freuen sich vielleicht, wenn die Schranken für immer unten bleiben!“

Von Michael Löw

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