Der Regen kommt zu spät

Waldtag am Braaret Bernsche zeigt bedrückenden Zustand des Waldes

Anhand mehrerer Beispiele erläuterte NABU-Vorsitzender Dr. Rüdiger Werner (links) die verschiedenen Strukturen der unendlich vielen Pilzarten. 
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Anhand mehrerer Beispiele erläuterte NABU-Vorsitzender Dr. Rüdiger Werner (links) die verschiedenen Strukturen der unendlich vielen Pilzarten.

Nachdem der Wald rund ums Braaret-Bernsche nun von bedrohlich unsicher stehenden Bäumen befreit und erst einmal für Waldbesucher wieder freigegeben ist, stand auch dem Waldtag nichts mehr im Wege.

Ober-Roden – Die Idee zu dieser Veranstaltung war aus der Zusammenarbeit von Quartiersgruppe „Wir sind Breidert“, den Kindergärten in diesem Wohngebiet und dem NABU entstanden.

Dank des breiten Wissens vor allem von NABU-Chef Dr. Rüdiger Werner wird den Besuchern alljährlich ein neuer Schwerpunkt der heimischen Wälder nahegebracht. Diesmal ging"s situationsbedingt um die Trockenheit der letzten Sommer, um die Auswirkungen und die in diesem Jahr extreme Pilzvielfalt.

Zunächst wurden die von den Kindergartenkindern mit den NABU-Mitarbeitern aufgehängten Nistkästen geöffnet, gereinigt und die Ergebnisse in Tabellen festgehalten. Welches Kind steigt nicht gerne auf eine Leiter und holt alte Gelege und dicke Reisig- und Moosnester aus den aufgeklappten Nistkästen heraus, um sie dann auszufegen? Der Inhalt war allerdings öfter als früher enttäuschend. Mehrere Nistkästen blieben unbewohnt. Im Schnitt waren sechs von neun zumeist von Meisen besetzt gewesen, wobei nicht überall die Brut gelang. „Ich bin aber guter Hoffnung, dass die rund 90 Nistkästen hier im Breidertwald vielen Vögeln geholfen haben“, sagte Dr. Werner.

Ober-Roden: Pilze freut nasser Herbst

Was Trockenheit und Stürme der letzten zwei Jahre vor allem im Wald angerichtet haben, ließ sich auch ohne große Vorträge erkennen. Gerade die Ecke zwischen dem besiedelten Ortsrand und der Quelle ist für viele Besucher kaum mehr wiederzuerkennen. Der in diesem Jahr eher nasse Herbst wird daran nichts mehr ändern können. Wohl aber tat er dem nächsten Thema des Waldtages sehr gut: dem Pilzwuchs.

Das Räumen der Nistkästen - unterstützt durch die Kinder - hilft dem NABU, eine Tabelle der nistenden Vögel aufzulisten.

„Ich kann Ihnen nicht jeden Pilz benennen“, erklärte Dr. Werner, „es gibt einfach unermesslich viele Arten.“ Gibt’s derzeit rund 12 000 Vogelarten weltweit und hierzulande rund 250 bis 400, gibt’s allein in Deutschland rund 4000 bekannte Pilzarten. „Allein hier in den Wäldern finden sich rund 450 Gattungen.“ Diese Pracht ist aber auch gut zu entdecken: „Ich habe heute morgen nur eine halbe Stunde hier gesucht und diese unterschiedliche Vielfalt gefunden“, bewies er mit einem Korb voll der unterschiedlichsten Pilze. „Und vor zwei Wochen wäre es noch viel mehr gewesen.“

Ober-Roden: Pilze sind den Tieren näher als Pflanzen

Pilze vermehren sich über Sporen, die durch die Luft gewirbelt werden; was wir als Pilze finden, sind eigentlich nur die Früchte – die wahren Pilze sind weiße Fäden, sogenannte Myzele, die sich zumeist unterirdisch verbreiten und fast „unsterblich“ sind. So kommen auch etwa Hexenringe, wie sie häufig mal in Gärten auftauchen, immer wieder – und jedes Jahr etwas weiter ausgebreitet.

„Die meisten Pilze zerlegen organisches Material“, darum sind sie für die Verwertung von Totholz so wichtig. Viele Pilze leben parasitär.“ Viele Pflanzen können von allein nicht genug Wasser und Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen – dafür sind die Pilze als Symbiose-Partner optimal, zumal sie sich daraus auch selbst ihre Nährstoffe entziehen. Wie unerschöpflich dieses Thema „Pilze“ bei Dr. Rüdiger Werner ist, ließ sich aus vielen Einzelinformationen entnehmen – über „Spezialisten“ oder „Generalisten“ etwa (wie die Marone). Generell gilt: Pilze sind in vielen ihrer Eigenschaften den Tieren näher als den Pflanzen. Und es gibt derzeit im Wald so viele Pilze, weil es ihm so schlecht geht. Bedeutet quasi: Eine Fichte denkt sich: ‚Bevor ich sterbe, muss ich noch mal Kinder kriegen!‘ Mit aller Restkraft versucht sie Nachwuchs zu produzieren, und bei gutem Wetter wie in diesem Herbst „schießt“ dann auch der Pilz in seiner Symbiose zum Baum. Dr. Werners Prognose: „Wenn wir hier keine Fichtenwälder mehr haben, wird es auch weniger dieser Pilze geben, die mit den Bäumen verbunden sind!“ So gesehen sind die Pilze ebenso vom Klimawandel betroffen. Aber: „Pilze wird es flächendeckend in unserem Wald weiter geben!“  

chz

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