Dem Nazi-Regime die Stirn geboten

Gewerkschafter Wilhelm Weber soll Namensgeber einer Straße werden

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Seinen Widerstand gegen die Nazi-Herrschaft musste der Gewerkschafter Wilhelm Weber mit KZ-Haft bezahlen. Diesen Mut würdigt Rödermark jetzt und benennt eine Straße oder Platz in seinem Heimatort Ober-Roden nach ihm.

Späte Ehre für den Gewerkschafter und Sozialdemokraten Wilhelm Weber aus Ober-Roden, der sich unter Einsatz seines Lebens dem Nazi-Regime entgegengestellt hat.

Ober-Roden – Die Stadt benennt eine Straße oder einen Platz nach dem Ober-Röder Wilhelm Weber (1876-1959).Bürgermeister Jörg Rotter hatte diese Würdigung vorgeschlagen.

Den Anstoß für die Initiative gab die Ausstellung „Gewerkschafter im KZ Osthofen“, die am Holocaust-Gedenktag im Ober-Rodener Bücherturm eröffnet wurde. Diese Wanderausstellung der Gedenkstätte KZ Osthofen beruht auf 58 Biografien verfolgter Gewerkschaftsfunktionäre und betrieblicher Interessenvertreter, die 1933/34 in Osthofen bei Worms inhaftiert waren. Exemplarisch werden einige der drangsalierten Gewerkschafter vorgestellt. Acht dieser Porträts waren in Rödermark zu sehen, darunter das von Wilhelm Weber.

Wilhelm Weber wurde am 4. Februar 1876 als Sohn des Fabrikarbeiters Wilhelm Weber und dessen Frau Barbara in Ober-Roden geboren. Weber besuchte von 1882 bis 1890 die Volksschule. Im Anschluss machte er bis 1892 eine Lehre zum Metallschleifer und ging danach auf Wanderschaft. 1896 trat er der SPD bei und musste im selben Jahr seinen Militärdienst ableisten.

Ober-Roden würdigt Webers Einsatz gegen das Nazi-Regime

Nach dessen Ende 1898 arbeitete er bis 1907. Von November 1907 bis 1920 war er Geschäftsführer des Metallarbeiterverbands in Offenbach. Wilhelm Weber kämpfte von 1914 bis 1917 im Ersten Weltkrieg. Bevor er an die Front musste, war er Vorstandsmitglied der SPD und zugleich Vorsitzender der Verwaltungskommission der Volksfürsorge geworden. Von 1913 bis 1919 war er Stadtverordneter in Offenbach.

Wilhelm Weber leitete ab November 1918 im Arbeiter- und Soldatenrat Offenbachs den Militärrat. Gegen den rechtsextremen Kapp-Putsch 1920 bildete er einen Aktionsausschuss, der eine Kundgebung in Offenbach mit 20 000 Teilnehmern organisierte. Von 1920 bis 1924 war Weber Revisor des Metallarbeiterverbands für das Reichsgebiet und danach bis 1933 Gewerkschaftssekretär des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und Vorsitzender des Gewerkschaftskartells in Offenbach. Auch während dieser Zeit war er von 1926 bis 1930 erneut Stadtverordneter in Offenbach und von 1927 bis 1933 Vorsitzender des SPD-Landesvorstands in Hessen. 1924 bis zu seiner Wahl in den Reichstag 1931 gehörte er dem Landtag des Volksstaates Hessen an. Vom 2. Januar 1931 bis zum 22. Juni 1933 war er für den Wahlkreis 33 (Hessen-Darmstadt) Abgeordneter im Deutschen Reichstag.

Wilhelm Weber war einer der „frühen“ Verfolgten des Nazi-Regimes. Nach Hitlers Machtergreifung begann die NSDAP im Frühjahr 1933 die Zerschlagung der freien Gewerkschaften. Zahlreiche Funktionäre wurden in den neugeschaffenen Konzentrationslagern wie in Osthofen in angebliche „Schutzhaft“ genommen, darunter auch Weber. Nach seiner Entlassung war er sieben Jahre lang arbeitslos. Erst 1941 fand er wieder Arbeit als Registrator im Bankhaus Friedrich Hengst & Co. Im zivilen Widerstandsnetz, das sein Freund Wilhelm Leuschner insgeheim knüpfte, gehörte Weber zu dem Kreis, der nach einem Erfolg des militärischen Widerstandes für den Aufbau demokratischer Strukturen vorgesehen war. Bei der „Aktion Gitter“ wurde er erneut verhaftet und von September bis Oktober 1944 im KZ Dachau gefangen gehalten.

Ober-Roden: Weber war am Wiederaufbau beteiligt

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs war Wilhelm Weber am Wiederaufbau der Gewerkschaften in Offenbach und in Hessen beteiligt. Von 1945 bis 1949 war er Vorsitzender der Gewerkschaft des Metallgewerbes in Offenbach sowie des Gewerkschaftsbundes im Landkreis Offenbach. Mit der Gründung des DGB auf Bundesebene wurde er 1949 Vorsitzender im DGB-Kreisausschuss – eine Funktion, die er bis 1952 innehatte.

Wilhelm Weber starb am 5. Oktober 1959 nach einem Schlaganfall. An seinem Grab würdigte der damalige Offenbacher Oberbürgermeister Georg Dietrich sein Leben: Er sei ganz in Arbeit erfüllt gewesen. Nimmermüde habe Weber den Kampf für alle geführt, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. In Offenbach wurde ein Platz nach ihm benannt.

Diesem Beispiel will seine Heimatstadt nun folgen. Die Ehrung für Wilhelm Weber ist Bürgermeister Rotter Teil einer „für Rödermark typischen intensiven Erinnerungskultur“, die gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, den Kirchen, dem Heimat- und Geschichtsverein und der Nell-Breuning-Schule ein gutes Fundament gegen das Vergessen und für aktive Beschäftigung mit demokratischen Grundwerten geschaffen habe.  

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