Malermeister Gotta kennt Meister und Abbrecher

Rödermark: Ausbildung ist ein kompliziertes Geschäft

Gut Lachen haben Boris (links) und Karl-Heinz Gotta, wenn’s um die Auswahl für ihre Kunden und die Auftragsbücher geht. Die Ausbildungssituation im Malerhandwerk treibt ihnen aber gelegentlich Sorgenfalten auf die Stirn.
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Rödermark: Gut Lachen haben Boris (links) und Karl-Heinz Gotta, wenn’s um die Auswahl für ihre Kunden und die Auftragsbücher geht. Die Ausbildungssituation im Malerhandwerk treibt ihnen aber gelegentlich Sorgenfalten auf die Stirn.

Karl-Heinz Gotta aus Rödermark bildet seit 1964 aus. 57 junge Leute haben bei ihm den Malerberuf gelernt. Meister waren ebenso darunter die Abbrecher. Karl-Heinz Gotta und sein Sohn Boris, der neue Chef, haben vieles an Handwerker-Freud’, aber auch einiges an Handwerker-Frust erlebt.

Rödermark – Sechs Meister, ein Fachberater bei einem großen Farbenhersteller, in grauer Vorzeit sogar zwei Innungsbeste. Das sind die herausragenden Aktivposten in der Ausbilderkarriere von Karl-Heinz Gotta. Auf der anderen Seite stehen 16 junge Leute, die ihre Lehre geschmissen haben. Der Ober-Röder Malermeister, der die Geschäftsführung längst an seinen Sohn Boris übergeben hat, kennt alle Licht- und Schattenseiten in Sachen Handwerker-Nachwuchs.

Die beiden Gottas sind Männer klarer Worte. Sie jubeln weder die eigenen geschäftlichen Erfolge hoch, noch verdammen sie Abbrecher in Bausch und Boden. Sie nennen die Ursachen einfach beim Namen.

Seinen ersten Lehrling hat Karl-Heinz Gotta 1964 eingestellt; 57 – darunter vier junge Frauen – waren’s insgesamt. In manchen Jahren hatte der Ober-Röder Malermeister drei Lehrlinge, manchmal auch zwei oder drei Jahre keinen. Derzeit sind’s wieder drei – eine ordentliche Zahl für einen mittelständischen Betrieb mit 13 weiteren Mitarbeitern.

Besonders stolz ist Karl-Heinz Gotta auf die sechs Ex-Azubis, die inzwischen selbst Meister sind, und einen, der Karriere bei einem Farbenhersteller gemacht hat.

„Ich hatte auch jede Menge Abbrecher, 16 in all den Jahren“, stellt Karl-Heinz Gotta fest. Die meisten davon waren Männer aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, die Anfang der Neunzigerjahre in Deutschland einen Neuanfang versuchten. Handwerklich top, Sprachkenntnisse schwach. Nur wenige schafften die Gesellenprüfung.

Boris Gotta sorgt sich um eine andere Generation: Quereinsteiger, die sich um Juni oder Juli bewerben. Eigentlich wollten sie Mechatroniker werden: „Aber Maler finde ich auch schön.“ Wenn Boris Gotta Sätze wie diesen hört, weiß er, dass er nur ein Notnagel ist und diese Ausbildung nicht immer, aber oft nach einem Jahr zu Ende ist.

Vater und Sohn Gotta wissen natürlich um das Image des Malerberufs: dreckig, körperlich anstrengend, arbeiten am Wochenende. In manchen Jahren können sie ihre Azubis nicht auswählen, sondern „nach jedem greifen, der sich anbietet“. „Gerüst, Wärmedämmung, Fassade streichen – das hat seinen Ruf weg“, sagt der Seniorchef und hält dagegen: „Wer dabei bleibt, sieht, dass wir nicht jeden Kuhstall kalken!“ Die Gottas haben zudem anspruchsvolle Privatkunden und gewerbliche Kunden, die sauberes Arbeiten verlangen. Auch die sind ihrer Meinung nach gute Argumente für eine Malerausbildung.

Der Ober-Röder Mittelständler ist Mitglied der „Gütegemeinschaft ausgezeichneter Ausbildungsbetriebe“ und schickt seine Leute zu externen Schulungen. Dort lernen sie sogar alte Techniken, die sie meist nur für die Gesellenprüfung und in seltenen Fällen für komplizierte Renovierungen brauchen. Dann aber können sie sagen: „Gelernt ist gelernt.“ Für die Prüflinge haben Karl-Heinz und Boris Gotta auch schon Mini-Wohnungen in der Werkstatt aufgebaut: Kabinen, an deren Wände die Auszubildenden Verputzen, Tapezieren und Streichen üben können.

Die Firma Gotta bietet ein- oder zweiwöchige Praktika an. Wer wirklich Interesse hat, findet dann seine passende Ausbildungsstelle. Und wer merkt „Die Malerei ist nichts für mich!“, spart nicht nur sich selbst Enttäuschungen. (Michael Löw)

Kontakt: Malermeister Gotta GmbH, Albert-Einstein-Straße 42, 63322 Rödermark, Telefon: 06074 886940, E-Mail: info@maler-gotta.de

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