Eine Schiffsladung Kies aus dem Homeoffice

Rödermark: Onlinehandel im großen Stil

„Wir sind für die Großen da!“ Wenn Agnieszka Fudala und Timo Paul Gasgrills anbieten, tun sie's nicht stück-, sondern palettenweise. Ihr Start-up „Danagi“ verstehen sie als Online-Handelsplattform für Geschäftsleute.
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„Wir sind für die Großen da!“ Wenn Agnieszka Fudala und Timo Paul Gasgrills anbieten, tun sie"s nicht stück-, sondern palettenweise. Ihr Start-up „Danagi“ verstehen sie als Online-Handelsplattform für Geschäftsleute.

Ein im März gegründetes Unternehmen aus Rödermark zählt für Branchenkenner zu den zehn deutschen Start-ups, „die jeder kennenlernen sollte“. Agnieszka Fudala und Timo Paul wollen mit ihrer Online-Handelsplattform „Danagi“ Großkunden in aller Welt erreichen.

Rödermark – Ein Flussdampfer Kies oder zwei Tanklaster mit Lauge? Kein Problem – aus einem stylishen Homeoffice mit Blick auf die „Grüne Mitte“ in Rödermark wird beides prompt geliefert. Wer seine Geschäfte gern ein paar Nummern kleiner macht, wird über dieses Büro aber auch einzelne Schrauben los.

Agnieszka Fudala und Timo Paul wollen mit einer Online-Handelsplattform B2B groß ins E-Commerce einsteigen. Ende März ging das Start-up „Danagi“ online. Das Modell ist eigentlich ganz einfach erklärt: Was E-Bay für den Privatkunden ist, will „Danagi“ für Geschäftskunden sein. „Der Gewerbeschein ist die einzige Voraussetzung, um sich bei uns als Verkäufer zu registrieren“, sagt Agnieszka Fudala. Die 31-Jährige arbeitet seit 2011 als Angestellte im Onlinemarketing und beschreibt sich als „begeisterte Verkäuferin“. Doch als sie voriges Jahr ausgesonderte Produkte in größeren Mengen auf einen Schlag verkaufen sollte, stieß sie an ihre Grenzen. Niemand konnte 100 Sets Gartenmöbel gebrauchen.

Agnieszka Fudala fand kaum Online-Marktplätze, und die wenigen verlangten sofort Gebühren. „Bevor man überhaupt weiß, ob das Produkt für diese Plattform geeignet ist und von potenziellen Kunden gefunden wird, muss man in Vorkasse gehen“, kritisiert sie die üblichen Praktiken. Zusammen mit Timo Paul (35) gründete sie in der Dachgeschosswohnung „Danagi“.

Hersteller oder Händler können über diese Plattform nicht nur eingangs erwähnten Kies anbieten. Beim ersten Klick auf die Homepage stößt man auf Grills – kein Wunder: Timo Paul ist leidenschaftlicher Hobbykoch.

20 Geräte sind in diesem Fall das Minimum, mit dem man auf „Danagi“ handeln kann. Alles, was darüber hinausgeht, kann der Anbieter auch in kleineren Chargen verkaufen.

Zusätzliches Potenzial sehen die Start-up-Unternehmer bei größeren Bauern in der Region. Die wollen sie mit (Super)-Märkten zusammenbringen, die auf kurze Lieferwege setzen.

Agnieszka Fudala und Timo Paul sind mit viel Schwung gestartet. Doch wenig später kam Corona. „Gerade dann, wenn man das am wenigstens erwartet, kommt die Krise. Es wird plötzlich still. Es bewegt sich nichts mehr. Man darf nicht aus dem Haus. Die Geschäfte sind geschlossen. Unternehmen steuern Richtung Pleite. Arbeitnehmer werden gekündigt, andere in Zwangsurlaub geschickt, danach erwartet sie Zeitarbeit“, sah Agnieszka im Frühjahr schon alle Felle davon schwimmen.

Die „Danagi“-Gründer kamen ihren Kunden entgegen und verzichten vorläufig auf die Grundgebühr. Für erfolgreiche Geschäfte nehmen sie vier Prozent Provision. Der Branchenschnitt, so Agnieszka Fudala, liegt bei acht Prozent. In der Spitze könne das bei den Großen auf bis zu 15 Prozent schießen.

Corona hat das Jungunternehmen, das Branchenkenner zu den zehn deutschen Start-ups, „die jeder kennenlernen sollte“, zählen, zwar ausgebremst. Aber das Duo Fudala/Paul will angreifen. Noch arbeiten beide in ihren Jobs. Aber spätestens in zwölf Monaten soll ihre Plattform soweit sein, dass sie für einen zum Hauptberuf wird.

Der Firmenname kommt übrigens nicht aus der Welt des Onlinehandels, sondern ist ein Wortspiel aus der Familie: Die Oma heißt Dana, und Agnieszka Fudalas Spitzname lautete einst Agi. (Michael Löw)

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