Orchester des Musikvereins 06 Urberach

Musikalischer Frühlingsgruß

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Laszlo Szabo dirigiert seit mehreren Jahren mit viel übergreifender Freude und Engagement das große Blasorchester des Musikvereins.

Rödermark - Das Frühjahrskonzert des Musikvereins 06 Urberach passte auf den fast hochsommerlichen Samstag wie die grüne Soße zum Ei: farbenfroh, appetitanregend und ausgesprochen lecker.

Frühlingsfrisch und voller Spielfreude: so präsentierte sich der Musikverein 06 Urberach zum Frühjahrskonzert. Es war eine bunt gemischte Reise durch die Welt, die zudem viel von der Spielfreude der überwiegend jungen Musikerinnen und Musiker vermittelte. Der Verein ist dank guter Jugendarbeit, die schon in der Schule und bei den Tuttifanten etwa beginnt, von unten breit aufgestellt und hat deshalb oben, im großen Blasorchester, viele junge aktive Mitglieder, und die drei Dirigenten schaffen es, Junior-, Jugend- und großem Blasorchester ihre eigene Freude an der Musik zu vermitteln. Das wiederum überträgt sich bei Konzertabenden wie diesem spürbar aufs Publikum. Ein weiteres Plus: Die Orchester haben durchweg viele Solisten in ihren Reihen, die auch dank einem gut gemischten Programm alle zum Zuge kommen, aber niemanden besonders betonen. Die Orchester als Ganzes sind der Mittelpunkt des Abends.

Dieter Steuer bei einem Saxophonsolo.

Neu im Frühjahrskonzert in der Kulturhalle war allein der Moderator. Mit Hans Sterkel stand jemand auf der Bühne, der nicht nur Witze in seine Hintergrundinformationen einfließen ließ, sondern der vielen im Saal bekannt war – die meisten Zuhörer hatten ihn wohl schon als Musiklehrer erlebt. Gleich im ersten Block konnte er nicht nur das Juniororchester unter der bewährten Leitung von Melanie Pranieß vorstellen, sondern auch die Gruppe der Tuttifanten, die nach zwei Jahren eigener Ausbildung nun im jüngsten der Orchester mit aufgehen und bald durch neue Anfänger ersetzt werden.

Mit dem Reggae-Rock, den ein Komponistenvater seinen Kindern zuliebe geschrieben hat, wie auch mit dem „Driving Test“, einem schlagzeugbetonten Stück, das von Leon Sulzmann mutig und selbstbewusst gespielt wurde, präsentierten sich die Junioren. Nach einigen eigenen Stücken der Tuttifanten beendeten sie ihren Part alle zusammen mit dem Queen-Hit „We Will Rock You“.

Diesmal wieder gut zu Fuß, konnte Thomas Martin anschließend seine Jugend wieder im Stehen dirigieren. Ohne viel äußeren Klamauk folgen ihm die jungen Musiker und Musikerinnen voll Spielfreude – beim Scorpions-Special ebenso wie bei der Filmmusik zu „Herr der Ringe“. Ein besonderes Bonbon: das orchesterunterstützte Posaunensolo „Kwaki Kwak“, das Liebeslied eines Frosches, von Janko Wilzbach mit seiner Posaune und seinem Posaunendämpfer bestens interpretiert, wenn auch mit hochrotem Kopf zuletzt. Und wer Thomas Martin kennt, weiß auch, dass man sich auf ein bisschen Theater bei jedem Konzert freuen darf – das wird längst von ihm erwartet. Diesmal war’s die Zugabe rund um die Biene Maja, zu der attraktive kleine (Orchester-)Bienchen auf der Bühne tanzten und ins Publikum ausschwirrten ebenso wie Flip und Willi und zu guter Letzt der Dirigent selbst.

Teil 2 der Frühlings- und Osterbilder unserer Leser

Ganz ohne äußere Highlights, dafür mit vielen musikalischen Überraschungen wartet auch Laszlo Szabo, der Leiter des großen Blasorchesters, bei jedem Konzert auf. Mit seinem Programm reiste er von Böhmen und Mähren – denn was wäre ein Blasorchester ohne Polkas – über Österreich, wo im weißen Rössl am Wolfgangsee Station gemacht wurde, und die Schweiz mit ihrer Polka-Hymne der „Rigispatzen“ bis nach Amerika, zum Glenn-Miller-Medley wie auch zum Wizard of Oz mit Julian Fischer als Solist an der Tuba. Auch hier merkt man den Orchestermitgliedern auf der Bühne an, wie viel Spaß ihnen – nicht zuletzt dank ihres Dirigenten – das Musizieren in der Gemeinschaft macht. Gerade beim Swing-Mix wünschte man sich, die 06er würden öfter in der Swing-Szene fündig werden – sie klingen ungewöhnlich authentisch und lustvoll dabei.

Konzentriertes Solo am Schlagzeug im Juniororchester: Leo Sulzmann vom Musikverein.

Diesmal als kleiner Gag für die rund 200 Zuhörer eingebaut: kurze Gesangseinlagen, zwar nicht in Konkurrenz zum präsentierten kanadischen Ohrwurm Michael Bublé, wohl aber in der Zugabe, die sich in rasantem Tempo und unter klatschender Begleitung den österreichischen Nachbarn widmete: drei volle Strophen vom Alpenmarsch „Dem Land Tirol die Treue“ – ein herzerfrischender Gag, der allerdings präsentierte, dass die Musikerinnen und Musiker langfristig doch lieber bei ihren sehr gut beherrschten Instrumenten bleiben sollten. (chz)

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