Aufregung um Postagentur

Das (Park)-Chaos ist ausgeblieben

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Die Markierungen auf dem Bürgersteig der Traminer Straße und das Parkzonen-Schild erwecken einen falschen Eindruck: Vor der Postagentur dürfen laut Ordnungsamt Autos abgestellt werden - aber eigentlich nicht auf dem Gehweg.  

Urberach - Die Aufregung war groß, als die Post Ende April ihre Filiale am Festplatz schloss und ihre – allerdings eingeschränkten – Dienstleistungen in einer Agentur auf der Traminer Straße anbot. Von Michael Löw 

Autos stauen sich massenhaft, Behinderte und Senioren werden ausgegrenzt, lauteten die schlimmsten Befürchtungen. Nach gut vier Monaten stellt sich heraus: Das große Chaos blieb aus.
Die Post ist seit Mai im Geschenke-Lädchen in der Traminer Straße 12 daheim. Das Ende der großen Filiale am Festplatz wurde mit viel Kritik bedacht. Wir haben uns umgehört, ob am „Dalles“ tatsächlich Parkchaos herrscht oder Behinderte und Senioren vor den Treppenstufen kapitulieren.

Die Deutsche Post sieht erwartungsgemäß (fast) nur Positives am Umzug. „Die Zahl der Kunden steigt seit der Eröffnung kontinuierlich, was wiederum ein deutliches Indiz dafür ist, dass die Akzeptanz des Standorts stetig zunimmt“, sagte Pressesprecher Stefan Heß auf Anfrage unserer Zeitung. Die Kunden würden insbesondere die langen Öffnungszeiten und die freundliche Bedienung loben.

Während es vor der Eröffnung der Agentur kritische Stimmen gegeben hat, hat sich die Situation laut Heß mittlerweile beruhigt. Unter anderem dürfte das der Tatsache geschuldet sein, dass die Partnerin an der Treppe eine Klingel angebracht hat, mit der sich Kunden bemerkbar machen können, die Hilfe benötigen. „Bislang hat es diesbezüglich übrigens keinerlei Probleme gegeben“, versichert der Postsprecher.

Die Kunden bedauern allerdings, dass keine Postbankleistungen mehr angeboten werden. Das sei aus Kundensicht nachvollziehbar, aus Sicht des Unternehmens jedoch wirtschaftlich notwendig. Ihr wichtigstes Ziel – weiter mit originär postalischen Dienstleistungen (Brief und Paket) – vor Ort präsent zu bleiben, habe die Post mit der Eröffnung der Agentur erreicht.

Parkplatzkampf im Großstadtdschungel

Protest gegen den Umzug kam im Frühjahr vor allem vom städtischen Seniorenbeirat, dem VdK und der Lebenshilfe. Briefe voller Sorgen und Wut wurden geschrieben – wie erwartbar ohne Folgen. „Wir haben das abgeschrieben“, meinte Bernd Koop, Vorsitzender des Seniorenbeirats und des VdK Ober-Roden, gestern einerseits frustriert, stellte aber auch fest: „Die Leute haben gelassen reagiert und sind in barrierefreie Agenturen ausgewichen.“

Klaus-Joachim Rink, dessen Familie das Gebäude an der Traminer Straße vermietet, erläuterte, dass die Agentur mangels Alternativen in sein Elternhaus kam: „Die Post kam 2017 auf die Ladenmieter an den Hauptstraßen zu und fragte, ob sie Interesse an einer Agentur haben. Unsere Mieterin war die einzige, die Interesse hatte.“

Diese Art der Standortsuche hatte Rödermarks Ersten Stadtrat Jörg Rotter schon Ende April gestört: „Es gab keine Kontakte zu uns, wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt!“ Er kündigte intensive Kontrollen des Ordnungsamtes an, um das befürchtete Parkchaos zu verhindern.

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Das hielt sich während der vergangenen Monate aber auch in Grenzen. Nachmittags liefert ein „Sprinter“ jene Pakete ab, die der Fahrer bei seiner Tour durch Urberach nicht loswurde. Ein Lastwagen bringt ab und an Postbedarf. Diese Fahrzeuge bremsen den Verkehr Richtung Norden schon mal aus, aber Staus blieben die Ausnahme.

Nach Auskunft des Ordnungsamtes ist das Parken vor der Postagentur auch nicht verboten. Das nämlich glauben viele Urberacher, weil das Zonenparken auf dem Bürgersteig wenige Meter vor der Post endet und an der Mauer des Pfarrhauses ein Halteverbotsschild steht. Aber das Parkverbot gilt nur zur Einmündung der Robert-Bloch-Straße hin. Bleibt auf der Traminer Straße eine ausreichend breite Fahrbahn, dürfen Postkunden und -zulieferer sowie alle anderen Autofahrer auch vor der Agentur sogar ohne Zeitlimit parken. Sofern sie"s nicht auf dem Bürgersteig tun. Doch solche Verstöße werden fast überall nur geahndet, wenn der Gehweg blockiert wird und die Ordnungspolizei zur Stelle ist.

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