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Rödermark: Partner von außerhalb gesucht

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Mit „Kirchennudeln“ dankte Pfarrer Oliver Mattes den Kirchenvorsteherinnen und -vorstehern, die sehr viel Zeit und Arbeit in die bevorstehende Umstrukturierung der Gemeindegebiete gesteckt haben.
Mit „Kirchennudeln“ dankte Pfarrer Oliver Mattes den Kirchenvorsteherinnen und -vorstehern, die sehr viel Zeit und Arbeit in die bevorstehende Umstrukturierung der Gemeindegebiete gesteckt haben. © Ziesecke

Die evangelischen Kirchengemeinden müssen noch enger zusammenrücken als gedacht. Zum „Nachbarschaftsraum Rödermark“ kommt wohl noch eine dritte Gemeinde aus dem Dekanat hinzu.

Rödermark – Kirchenaustritte, verringerte Steuern und weniger Pfarrernachwuchs zwingen nicht nur die katholischen Gemeinden zur Zusammenlegung. Unter dem Titel „ekhn 2030“ sind diese Probleme auch die beherrschenden Themen in den Gemeinden der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) – so kürzlich in Urberach und am Sonntag in Ober-Roden.

Bis 2030 rechnet die Landessynode mit einem Mitgliederrückgang um rund 20 Prozent. Konsequenz: Die Kirchensteuereinnahmen werden sich um rund 140 Millionen Euro verringern. Aufgrund des Generationenwandels wird auch die Zahl der Pfarrstellen um ein Drittel abnehmen. „Im Jahr 2030 werden mehr als drei Viertel der Gemeinden der EKHN weniger als 1600 bis 1800 Mitglieder haben, die derzeit für eine ganze Pfarrstelle nötig sind“, heißt es in dem Papier. Der logische Schluss aus den Zahlen: Gemeinden sollen sich in sogenannten Nachbarschaftsräumen zusammenschließen, ähnlich dem pastoralen Weg in den katholischen Gemeinden.

Neue Mindestgröße für „vollwertige“ Kirchengemeinden

In Rödermark läuft eine engere Zusammenarbeit seit 2005 harmonisch und in immer stärkerem Maße bis hin zum derzeitigen vertraglich festgehaltenen „Evangelischen Kooperationsraum“. In diesem Sinne arbeiteten Pfarrer und Kirchenvorstände beider Gemeinden bisher unbesorgt auf die Erstellung des Regionalplanes Ende dieses Jahres hin – bis zur letzten Landessynode, wo doch recht überraschend neue Richtzahlen vorgegeben wurden: So sollen sich diese Nachbarschaftsräume in Größen zwischen 4 500 und 7 500 Gemeindegliedern bewegen. Was bedeutet, dass Ober-Roden mit derzeit 2 580 und Urberach mit 2 039 (und den bis 2030 zu erwartenden Reduzierungen auf 2 064 und 1 623) Gemeindegliedern gemeinsam nicht ausreichen. Die Rödermärker Gemeinden müssen sich also mit einem weiteren Partner arrangieren. Vorgeschlagen sind dabei Partnerschaften mit Rodgau einerseits oder mit Dietzenbach und dem noch weiter entfernten Heusenstamm, mit denen mittlerweile auch schon getrennte Gespräche geführt wurden.

Dabei wurde klar, dass alle nun mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind: lang gewachsene Verbindungen, Sorgen vorm Verlust von Hauptamtlichenstellen – also Pfarrerinnen und Pfarrer, gemeindepädagogische Mitarbeiter oder Kirchenmusikern. Die derzeit 40 Pfarrstellen im Dekanat werden sich bis 2030 auf 29 reduzieren.

Urberachs Pfarrer Oliver Mattes und die Kirchenvorstände gaben auch zunächst gar nicht so offenkundige Probleme zu bedenken: Wie ist der Weg zu gemeinsamen Gottesdiensten und Veranstaltungen am einfachsten zu bewältigen? Ober-Röder Protestanten kommen leichter nach Rodgau, Urberacher eher nach Offenthal, das aber wiederum in die westliche Richtung orientiert ist.

Was passiert mit den Gebäuden?

Das nächste große Problem ist die gemeinsame Nutzung von Gebäuden und die Neuorganisation der Verwaltungsarbeit, die automatisch eine Reduzierung der Bauten ebenso wie der Sekretariatskräfte zur Folge haben muss.

Dekan Steffen Held betonte in der Versammlung der Petrusgemeinde, dass die Zahlen hessenweit schlimmer als gedacht sind. Hier in der Region liege der Mitgliederrückgang allerdings nur bei 4,1 Prozent. „Sie haben alle viele Jahre lang tolle Arbeit geleistet, und doch werden es immer weniger Menschen, auch bei den Anfängern zum Pfarrerstudium“, lautete Helds zwiespältiges Fazit.

Ein neuer Nachbarschaftsraum sei jedoch nicht gleichbedeutend mit einer neuen Gemeinde. Vielmehr gebe es verschiedene Möglichkeiten, diese Nähe zu praktizieren - das bleibt jeden Gruppierung selbst überlassen. Zusammenarbeit praktizieren im Regionalen, im Inhaltlichen und im Rahmen von Sozialräumen: „Und das ist eines der großen Fragezeichen: Sie enden für mich persönlich stets an der Ortsgrenze“, zweifelt Pfarrer Oliver Mattes am Sinn dieser Regelung. Der derzeitige Stand der Gespräche: Die Kirchenvorstände von Ober-Roden und von Urberach beraten und stimmen sich weiter ab.

Kirchenvorstände unter Zeitdruck

In der Urberacher Diskussionsrunde blieb es nach den Ausführungen von Moderator Daniel Archinal und Pfarrer Mattes sehr ruhig. Die Menge der Zahlen und die Verarbeitung der Fakten wird wohl noch einige Zeit zum „Verdauen“ in Anspruch nehmen. Zudem wirkt der Zeitplan bis 2030 noch recht weit weg. „Wenn man jedoch bedenkt, dass wir bei der nächsten Dekanatssynode Mitte Oktober einen Regionalplan vorlegen und beschließen müssen, sind wir sehr unter Druck“, rundete Archinal die Versammlung ab. Nach endgültigem Beschluss durch die Synodalen Ende 2023 „organisieren sich die Kirchengemeinden eines Nachbarschaftsraumes innerhalb von drei Jahren (bis 31.12.2026) und regeln ihre Form der Zusammenarbeit“, heißt es dazu in der Präsentation der EKHN.

Mit greifbareren Punkten endete die Gemeindeversammlung: Das für den Gemeindebus als Ersatz georderte Elektroauto samt Wallbox wird voraussichtlich im Dezember geliefert. Beschlossen – notfalls auch ohne Zuschüsse – ist eine Fotovoltaikanlage auf der zweiten Seite des Gemeindehausdaches. „Das ist unser Zeichen in die Zukunft! Ich finde das toll, dass der Kirchenvorstand so entschieden hat“, freute sich Pfarrer Oliver Mattes. (Christine Ziesecke)

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