Pfarrer Klaus Gaebler

Wunden sind vernarbt, nicht verheilt

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Pfarrer Klaus Gaebler hält die Tür des neuen Urberacher Gemeindezentrums, dessen Bau er initiiert hat, einladend offen.  

Urberach - Klaus Gaebler ist ein theologischer Quereinsteiger. Der Pfarrer der St. Gallus-Gemeinde lernte nach der Mittleren Reife Lebensmittelverkäufer und ging erst danach ins Priesterseminar.

Rödermark-Redakteur Michael Löw sprach zum Abschluss unserer Sommerinterview-Reihe mit Klaus Gaebler.
Sommerzeit, ruhige Zeit. Gilt das auch für einen katholischen Pfarrer?
Die Sommerzeit ist tatsächlich eine ruhigere Zeit, da doch viele Menschen im Urlaub sind und von daher Sitzungen und Besprechungen seltener sind. So bleibt etwas mehr Zeit für die Vorbereitung seelsorglicher Angelegenheiten - und auch Zeit, etwas mehr zu lesen.

Wann bleibt denn Gelegenheit, Kraft für Ihre vielfältigen Aufgaben zu tanken?

Die meiste Kraft erlange ich im Gebet, aber auch im Zusammensein mit guten Freunden, bei denen man einfach „Sein“ kann.

Eine der größten Aufgaben in der Gallus-Gemeinde ist – zumindest für mich als Außenstehenden – die Renovierung der Kirche bis zum 200. Weihetag. Bringen Sie unsere Leser doch bitte kurz auf den neuesten Stand der Dinge.

Die Renovierung der Kirche - und damit eines der Wahrzeichen Rödermarks - ist in der Tat eine große Aufgabe, die wir nach dem Bau des neuen Gemeindezentrums und der Sanierung unseres Kindergartens stemmen wollen und auch müssen. Dabei geht es nicht nur um Verschönerung. Gerade sind wir dabei, ein Gutachten zum sehr marode gewordenen Dach einzuholen. Hier haben wir schon einmal eine große und unverzichtbare Aufgabe. Das nächste wird dann die Frage nach der Feuchtigkeit sein. Wir werden sehen, was wir in diesem Punkt tun können.

Mit wem teilen Sie die Entscheidungen?

Es steht immer noch die Gründung eines sogenannten Kuratoriums aus, das aus Menschen bestehen soll, die die Renovierung hilfreich begleiten möchten. Wer Interesse hat mitzuwirken, ist dazu herzlich eingeladen und kann sich gern bei mir melden.

Fließen die Spenden? Oder sind die Urberacher Katholiken nach der Finanzierung des Gemeindezentrums „spendenmüde“?

Wir haben ja die Spendendosenaktion begonnen, und ich bin sehr beeindruckt, wie diese angenommen wird. Vielen Menschen ist die Renovierung der Kirche ebenso ein Anliegen, wie es der Neubau des Gemeindezentrums war; das wird sehr deutlich.

Apropos Gemeindezentrum: Der Neubau neben der Kirche und der Abriss des Gallusheimes haben die Gemeinde seinerzeit in böse Turbulenzen gestürzt. Dieser Streit scheint heute vergessen...

...da bin ich mir nicht so ganz sicher, dass er ganz vergessen ist. Es gab viele Verletzungen auf beiden Seiten, die vielleicht vernarbt, aber nicht geheilt sind. Aber ganz sicher ist auch das neue Gemeindezentrum mitten im Ort wird von sehr vielen Menschen gut angenommen; und das gesamte Ambiente - der schöne Gallusplatz mit dem Gemeindezentrum nahe an der Kirche - ist auch ein guter Ort für gemeinsames Feiern.

Bilder: „Orwischer Woigass“ in Rödermark

Generell: Wo liegen die Stärken der St. Gallus-Gemeinde?

Unsere Stärken liegen wie in jeder christlichen Gemeinde natürlich darin, dass die Menschen sich immer wieder um die Mitte - und das ist Jesus Christus - versammeln und dann versuchen, aus seiner Gegenwart im Alltag zu leben. Daraus entsteht dann das vielfache ehrenamtliche Engagement - in der Jugendarbeit ebenso wir in der Seniorenarbeit, im Besuchsdienst, in der Feier von Kleinkindergottesdiensten, in der Verwaltung und in alltäglichen unverzichtbaren Diensten. Auch unser Kindergarten, der sehr gefragt ist, ist ein Ort, an dem „Frohe Botschaft“ gelebt wird. Und darauf kommt es ja an, dass wir aus der Botschaft der Liebe die Welt ein Stück besser zu machen versuchen. Das gelingt sicherlich nicht immer, weil wir Menschen ja auch schwach sind und umkehren müssen. Aber wir sind auf dem Weg.

Schauen wir doch mal gemeinsam vom Gallus-Kirchturm in die weite Welt: Wie kann die katholische Kirche die Leute besser erreichen? Oder muss man bei manchen Personengruppen am Ende gar fragen: Kommt die Botschaft der Bibel überhaupt noch an?

Wenn ein Mensch zu einem anderen sagt: „Du, ich habe dich lieb!“ - und er oder sie es ernst meint, dann kann ich diesem Menschen glauben - oder auch nicht. Ähnlich ist es mit der frohen Botschaft. Gott sagt uns: „Du, ich hab dich lieb!“ - dann kann ich mich darauf einlassen und mir diese Botschaft zu Herzen gehen lassen - oder nicht. Im Evangelium beschreibt Jesus im Gleichnis des Sämanns, wie die Frohe Botschaft bei den Menschen unterschiedlich ankommt. Das ist heute nicht anders als vor 2000 Jahren. Entscheidend aber bleibt, dass die Frohe Botschaft weiter gesagt wird, durch Wort aber auch durch Tat. „Gebt Zeugnis von eurer Hoffnung!“ Dazu lädt uns der Heilige Paulus auch heute - und erst recht heute ein.

Kann die katholische Kirche in Deutschland von anderen Ländern lernen? Ich denke da am Pfarrer Dr. Jude Njoku aus Nigeria, der ja schon viele Jahre als Sommerseelsorger in Rödermark wirkt?

Dass Herr Pfarrer Njoku uns in jedem Jahr besucht, ist eine schöne Erfahrung; denn sie zeigt, dass wir Weltkirche sind. Wenn er von seinen Glaubenserfahrungen in Nigeria erzählt, beeindruckt uns das immer wieder sehr. Besonders seine Berichte darüber, was die Menschen auf sich nehmen, wie angefochten sie sind, wenn sie sich zu Christus bekennen, gehen uns alle immer sehr nahe. Das macht uns Mut, uns auch im Alltag hier als Christen zu erweisen und zu bekennen.

Beenden Sie doch bitte zum Schluss folgenden Satz: Gott ist für mich...

...die Quelle, aus der ich immer neu schöpfen kann, wenn ich Durst habe und die nie versiegt.

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