SPD steht mit Plänen für Baugebiete allein da

Wo ist Platz für mehr als 1000 neue Bürger?

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In etlichen Baulücken und auf ehemaligen Industriegrundstücken wie dem Hitzel & Beck-Gelände entstehen Wohnungen. Doch nach Ansicht der SPD ist das zuwenig. Die will neue Baugebiete ausweisen und dabei keine Flächen von vornherein ausschließen - also auch nicht Teile der „Grünen Mitte“.

Rödermark - 2020 leben in Rödermark rund 1 100 Menschen mehr als heute, langfristig steigt die Einwohnerzahl sogar um fast 1 900. Das prognostiziert der Planungsverband Rhein-Main und bringt die Politik in Zugzwang.

Die schwarz-grüne Koalition will beiderseits der Odenwaldstraße ein „Urbanes Gebiet“ (rot umrandet) ausweisen. Dieses Anfang 2017 vom Bundestag beschlossene Instrument der Bauleitplanung erleichtert die Umwandlung nicht mehr genutzter Gewerbegrundstücke in Wohnraum.

Die Stadtverordnetenversammlung diskutierte mehrere Anträge gegen den Wohnungsmangel - mit unterschiedlichen Zielen: Die SPD will Baugebiete ausweisen, die Koalition aus CDU und AL setzt auf Innenentwicklung. Einer der schwarz-grünen Vorschläge ist ein „Urbanes Gebiet“ östlich und westlich der Odenwaldstraße, im Norden von der Elisabethen- und im Süden von der Max-Planck-Straße begrenzt. Dort soll"s noch stärker als bisher ein Nebeneinander von Wohnen, Gewerbe und sozialen Einrichtungen geben. Lange Jahre überwog die gewerbliche Nutzung. Doch immer mehr Werkstätten, Büros oder Lagerräume wurden zu Wohnungen. Teils wurden sie genehmigt, teils geduldet. Wie viele das sind, merkte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert, als er dieser Tage Flugblätter für die Bundestagswahl verteilte. Sein AL-Kollege Stefan Gerl sieht den Wandel aus anderer Sicht: Früher fuhren auf der Rodgaubahn Güterzüge, also brauchte man in Schienennähe Gewerbegebiete. Heute transportiert die S-Bahn nur Personen, also gehören in einstige Firmengebäude Wohnungen.

Für ein „Urbanes Gebiet“ gelten weniger strenge Lärmschutzvorschriften als bei Misch- oder Wohngebieten. Das erleichtert die Umwandlung von Gewerbegrundstücken. Die Koalitionsparteien versicherten aber, dass bestehende Firmen nicht nur bleiben, sondern sich sogar erweitern dürfen. Gensert: „Da darf es keine Klagen, Beschwerden oder Beeinträchtigungen wegen der neuen Wohnungen geben!“

Die SPD sieht ein „Urbanes Gebiet“ als geeignetes Instrument, illegale Wohnungen zu legalisieren, aber nicht als „Patentrezept gegen den Wohnungsmangel“. Fraktionsvorsitzender Samuel Diekmann forderte die Möglichkeit einer Wertabschöpfung, wenn aus leeren Werkstätten teure Wohnungen werden. Auch die Freien Wähler konnten sich mit dem „Urbanen Gebiet“ arrangieren. „Wenn nicht noch mehr Gewerbeflächen vernichtet werden“, schränkte Fraktionsvorsitzender Peter Schröder ein. FWR und SPD stimmten dem Koalitionsantrag zu. Die FDP enthielt sich: Die Verkehrsfrage ist noch ungelöst, kritisierte ihr Vorsitzender Tobias Kruger.

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Abgelehnt wurden zwei Anträge der SPD, die den Bevölkerungszuwachs mit Neubaugebieten auffangen will, in denen es auch einen großen Anteil an Sozialwohnungen gibt. Der Magistrat sollte zum einen zeigen, wo im Stadtgebiet Platz für mindestens 1 500 Neu-Rödermärker ist. Für sie wären etwa 680 Wohnungen nötig. Die SPD will sogar die „Grüne Mitte“ in die Planungen mit einbeziehen. „Der Erhalt von Maisäckern zwischen Ober-Roden und Urberach gehört nicht zu unseren politischen Zielen“, grenzte sich Norbert Schultheis deutlich von CDU, AL und FDP ab.

Ein potenzielles Neubaugebiet hatte die SPD schon ausgeguckt: das mittlerweile viele Begehrlichkeiten weckende Dreieck zwischen Rödermarkring, Kapellen- und Frankfurter Straße. Wo CDU und AL Gewerbe ansiedeln wollen, möchte die SPD ein zukunftsträchtiges Wohnquartier. Das würde viel besser in die Nachbarschaft von Friedhof und dem „Quartiershof Kapellenstraße“ mit fast 9 000 Quadratmeter Wohnungen sowie einigen Praxen oder Büros passen, argumentierte Norbert Schultheis. Zukunftsträchtig heißt für ihn: ein Drittel Sozialwohnungen, klimafreundliche Wohnblocks, eine Ladestation für Elektroautos und Glasfaserkabel in jedes Haus. Aber auch dieser Antrag hatte keine Chance auf eine Mehrheit. Das Parlament beschloss das von der Koalition geforderte Gewerbegebiet im Norden von Ober-Roden. (lö)

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