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Rödermark: Politischer Kraftakt nötig

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Von: Michael Löw

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Nichts für Untrainierte: Hinterm Urberacher Badehaus soll ein Calisthenics-Park entstehen. Wer die Geräte, deren Übungen ein Stück weit dem Barren- oder Reckturnen entliehen sind, testen will, hat im Hessentagspark am Rand von Dietzenbach Gelegenheit dazu.
Nichts für Untrainierte: Hinterm Urberacher Badehaus soll ein Calisthenics-Park entstehen. Wer die Geräte, deren Übungen ein Stück weit dem Barren- oder Reckturnen entliehen sind, testen will, hat im Hessentagspark am Rand von Dietzenbach Gelegenheit dazu. © Burkhard Wittekopf

Kann – oder muss sogar – Gesundheitsvorsorge eine kommunale Aufgabe sein? Darüber wird nach einem dicken Antragspaket der schwarz-grünen Koalition in Rödermark heftig diskutiert.

Rödermark – CDU und Andere Liste wollen Rödermark zu einer gesunden Stadt machen. Vier Anträge – teils mit sehr allgemeinen Forderungen, teils mit konkreten Vorschlägen – hatten sie in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung gestellt. Im Prinzip waren sich alle Fraktionen und Bürgermeister Jörg Rotter einig, dass die Gesundheitsvorsorge in Rödermark verbesserungswürdig ist. Die Details wurden jedoch kontrovers diskutiert.

Mitgliedschaft in Netzwerk „Gesunde Städte“, Bekenntnis zu einer gesundheitsfördernden Politik, Einstellung eines Gesundheitskoordinators: Das waren die zentralen Punkte eines Koalitionsantrags, den Jan Grünberg (CDU) begründete. Er verwies auf die weltweite Zunahme chronischer Krankheiten, auf die Krise des Gesundheitssystems und den Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit. Daher müssten gesunde Ernährung, die Förderung von Sport und Bewegung sowie Prävention und Information in den Fokus kommunaler Gesundheitspolitik rücken.

Ähnlich, allerdings mit mehr Lokalbezug argumentierte Sandra Jäger (AL): „Rödermark ist schon sehr gut aufgestellt mit vielen Sportvereinen und Naherholungsgebieten. Dennoch ist es wichtig, sich mit anderen Städten und Landkreisen zu vernetzen, ein eigenes Netzwerk aufzubauen mit unseren Vereinen, Verbänden und Einrichtungen, um eine ressortübergreifende und gesundheitsfördernde Struktur zu entwickeln.“

Eine Möglichkeit sieht die AL in gesünderer Ernährung in Kitas und Schulen. Familien allein könnten nämlich „dem massiven Sturmlauf von Lobbyisten wie Coca-Cola, Ferrero, Mars, Unilever, Kraft und vieler anderer nicht viel entgegensetzen.“

Kritik hagelte es von Freien Wählern und FDP. Björn Beicken (FWR) fand die ersten beiden Punkte – Netzwerk-Mitgliedschaft und – Bekenntnis zur Gesundheitsförderung – nichtssagend, kündigte aber die Zustimmung seiner Fraktion an. Den Koordinator lehnten die FWR rundweg ab.

Gewohnt bissig setzte sich der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger mit dem Antragspaket auseinander: „Man denkt, da kommt die große Gesundheitswelle. Und übrig bleibt ein Rinnsal!“ Ihm fehlten gerade im Hauptantrag umsetzbare Aufträge an den Magistrat, Rödermark gesünder zu machen. Stattdessen habe CDU-Redner Grünberg jede Menge Allgemeingut von der Bundeszentrale für politische Aufklärung zitiert.

Kruger stellte zwei Dinge infrage: Welche Netzwerk-Beitritte der vergangenen Jahre hätten der Stadt etwas gebracht, und was haben sie gekostet? Völlig nebulös ist seiner Ansicht die Stelle des Gesundheitskoordinators. Im Antrag vermisste er sowohl eine Aufgabenbeschreibung als auch die Kosten. Folglich lehnte die FDP den Antrag ab, dem außer der Koalition auch die SPD zustimmte.

Einstimmig hat das Stadtparlament einen Calisthenics-Park auf der aufgewerteten Freizeitfläche am Badehaus beschlossen. Zurückgezogen haben CDU und AL ihre Anträge, gesunde Ernährung stärker zu fördern und eine Gesundheitsmesse zu etablieren. (Michael Löw)

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