Auf die Kompetenz des Fachmanns verlassen

Prozess um Gas-Unglück: Hausbesitzer bricht sein Schweigen

Rödermark - Das Amtsgericht Langen hatte vorige Woche einen Heizungsbauer zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Der Mann hatte in der Dockendorffstraße ein Abgasrohr falsch installiert: Kohlenmonoxid drang in zwei Wohnungen, drei Menschen erlitten schwere Gasvergiftungen. Er habe dem Drängen des Kunden nachgegeben, begründete er seinen Fehler. Der Hausbesitzer hatte im Prozess von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Jetzt meldete er sich über seinen Anwalt Michael Gensert zu Wort.
„Für die Arbeiten an der Heizung habe ich eine Fachfirma beauftragt, deren Inhaber auch als Gutachter tätig ist“, schreibt der Hausbesitzer. Auf diese Kompetenz habe er sich verlassen. Der Heizungsbauer sei schon seit mehr als 20 Jahren für ihn tätig - auch in diesem Haus.

Er habe für den Umbau in der Dockendorffstraße keinesfalls einen Auftrag zur Errichtung eines Provisoriums erteilt. Die Firma sollte vielmehr eine Lösung über die gesamte voraussichtliche Dauer der Baumaßnahme darstellen.

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Es ist nach Aussage des Hausbesitzers nicht richtig, dass der Handwerker über drei Monate immer wieder auf den Abbau seiner eigenen Konstruktion gedrängt hat. „Der Heizungsbauermeister hatte bei Auftragserteilung Kenntnis davon, dass die Voraussetzungen für einen neuen Kamin noch nicht vorhanden waren und deshalb nicht nur ein Provisorium dargestellt werden sollte.“

Der Heizungsbaumeister sei von ihm auch nicht kurzfristig oder plötzlich beauftragt worden. Seine Firma hätte genügend Zeit gehabt, sich auf die Durchführung des Auftrages vorzubereiten. Die von Zeugen bemerkte Lagerung von Dämmstoffballen im Hof vor dem Abgasrohr hat der Hausbesitzer weder beauftragt noch angeordnet, weil er im fraglichen Zeitraum verreist war.

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Und warum hat er das nicht im Gericht gesagt? „Bei einer Aussage hätte ich den Heizungsbaumeister belasten müssen. Ich hätte darauf hinweisen müssen, dass kein kurzfristiges Provisorium geplant war. Ich hätte auch darauf hinweisen müssen, dass ich vom Heizungsbaumeister über die Gefahren seiner Konstruktion in keiner Weise aufgeklärt worden bin“, erklärt er und stellt klar: „Ich wurde stets nur als Zeuge vernommen. Ein Ermittlungsverfahren ist gegen mich nicht eingeleitet worden. Der Staatsanwalt hat vielmehr betont, dass sich der Bauherr auch bei Zwischenlösungen auf die Aussagen eines Fachmannes verlassen darf.“ (lö)

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