Grundreinigung vor Weihnachten

Putzteufel wuseln im Badehaus

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Badehausleiter Claudius Lamprecht geht rustikal zur Sache, sobald er Rückstände im Becken beseitigt.

Rödermark - Kurios, aber wahr: Der Frühjahrsputz fällt im Badehaus traditionell in die Zeit um Weihnachten. Während die Sauna den Betrieb noch aufrecht erhält, polieren das Badehaus-Team und Fremdfirmen die Becken, Umkleiden & Co. gut zwei Wochen lang auf Hochglanz. Von Bernhard Pelka

Badehausmitarbeiter Markus Reents schraubt den Ausgleichsbehälter zu, nachdem ein ihn gereinigt und desinfiziert hat.

Ein Handwerker schneidet im Knien mit einem Spezialmesser Fugen an der Ablaufrinne rings ums Schwimmerbecken heraus. Eintretendes Wasser hat sie mürbe gemacht. Das zeigen die Blasen in der grauen Silikonmasse. „Die müssen raus und neue rein. Die sind nicht mehr dicht“, beschreibt Badehausleiter Claudius Lamprecht den Schaden. Die Knochenarbeit am Boden ist derzeit nicht der einzige Job im Schwimmbad. Alle Jahre wieder vorm Fest werden Becken, Umkleiden und Technik im Zuge einer umfangreichen Grundreinigung auf Vordermann gebracht. Wasser und Chlor setzen der Substanz ungemein zu. Dazu der ganze Schmutz. Man glaubt gar nicht, wie unappetitlich zum Beispiel die Rückstände aussehen, die sich übers Jahr in den Ausgleichsbehältern bilden, die während des Badebetriebs als Zwischenlager das überschwappende Wasser aufnehmen: Sie bilden eine schwarze Pampe.

Kaum zu glauben, wie viel Schmutz sich in den Wasserauffangbehältern übers Jahr sammelt.

Mitarbeiter Markus Reents löst am Sichtfenster eines dieser fünf Behälter die dicken Schrauben. Dann nimmt er die Kunststoffscheibe ab und kriecht in den Tank. Mit viel Wasser löst er die ekligen Rückstände, um später den gereinigten Tank gründlich zu desinfizieren und wieder zu verschließen. Diese harte Arbeit muss er fünfmal erledigen. Bevor die Grundreinigung beginnen kann, müssen Lamprecht und seine Mannschaft die Chlorzufuhr im Badewasser stoppen. Sonst dürfen sie es nicht in die herkömmliche Kanalisation ablassen und damit in die Kläranlage Ober-Roden leiten.

570.000 Liter Wasser laufen während mehrerer Tage ab. Drei Tage dauert es dann, bis das große Becken (25 Meter lang, zehn Meter breit, 3,60 Meter an der tiefsten Stelle) wieder voll ist. Tempo verbietet sich bei dieser Prozedur. Denn der Temperaturunterschied zwischen dem etwa zehn Grad kalten Frischwasser und dem mehr als 20 Grad warmen Beckenkörper würde Fugen und Fliesen beschädigen. „Die fallen im schlimmsten Fall dann einfach von der Wand“, möchte Lamprecht an mögliche Folgen gar nicht denken.

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Vor der Befüllung wird das Becken natürlich gründlich gewienert. Zunächst mit dem Dampfstrahler, dann mit Schrubbern. Alle Unterwasserscheinwerfer kommen aus den Wänden heraus, damit die Buchsen gereinigt werden können. Was ist noch zu tun?

  • Bodeneinläufe herausschrauben, putzen, desinfizieren;
  • Gitterroste der Überlaufrinnen herausnehmen und reinigen;
  • In der Technik Wärmetauscher öffnen, reinigen und wieder zusammenbauen;
  • Zehn Pumpen öffnen, putzen und verschließen;
  • In der Wasseraufbereitungsanlage das Filtermaterial (Sand verschiedener Körnung und Aktivkohle) je nach Bedarf tauschen oder nur ergänzen;
  • Duschen, Armaturen, Umkleiden, Schränke, Lüftungsgitter: alles super gründlich säubern;
  • Eine Fachfirma prüft und wartet Lüftung und Heizung;
  • Ein Elektriker des Betriebshofs prüft die Beleuchtung. Ein straffes Programm also. Am 27. Dezember wird dann fürs kollektive Planschen wieder geöffnet.

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