Abriss blank gekratzter Wände

Renovierung der Feuerwache Urberach beginnt

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Mit den Händen oder in Eimern schleppten die Helfer den gesamten Bauschutt zur Rutsche oder warfen ihn in den Container.

Urberach - Die Stadt muss - und will - ihre Feuerwehrhäuser modernisieren. Dort gibt"s noch nicht genug Extra-Umkleiden für Frauen und noch keine Schwarz-Weiß-Trennung - also Räume, um verschmutzte oder gar kontaminierte Einsatzkleidung zu isolieren. In Urberach ist zudem die Elektrik schwer in die Jahre gekommen. Hier haben die Feuerwehrleute in eigener Regie mit den Arbeiten begonnen.  Von Christine Ziesecke

Großes fängt mitunter klein an, die Renovierung des Urberacher Feuerwehrhauses macht da keine Ausnahme. Sie begann mit dem Ablösen der Tapeten in der früheren Hausmeisterwohnung. Mitglieder der Einsatzabteilung haben gewaschen und gekratzt, denn nur dann konnten sie die Zwischenwände sozusagen rückstandsfrei einreißen und die Steine im Bauschuttcontainer vergleichsweise billig entsorgen. Der Großeinsatz im eigenen Haus bringt die 56 freiwilligen Brandschützer ganz schön ins Schwitzen.

Das Ziel: in der Feuerwache für diese Mannschaftsgröße einigermaßen adäquate Räume schaffen, um wieder sinnvoll arbeiten zu können. Wenn möglich für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre. Mit der notwendigen Erweiterung wollen Stadt und Wehrführung getrennte Umkleiden für Männer und Frauen, Jungen und Mädchen im Parterre unterbringen. Zudem war es dringend geboten, den Bereitschaftsraum zu erweitern. „Mit 15 Wehrleuten ist der voll, aber wir sind im Schnitt 30 bis 35 pro Abend“, schildert der stellvertretende Wehrführer Karsten Klünder das drängende Problem.

Da Hausmeister Rainer Allhoff in Rente ging, stand seine Wohnung im ersten Stock leer und wird nun in Eigenleistung für den Ausbau zum neuen Jugendraum und zur Erweiterung des Büros vorbereitet. So wiederum entsteht eine Etage tiefer Platz für weitere Umkleiden. Weiterhin entstehen mehrere Lagerflächen, unter anderem für ein Notstromaggregat. Bislang stände die Feuerwehr im Dunkeln, wenn in Urberach der Strom ausfällt.

Dass sich der Umbaubeginn aus unterschiedlichen von außen bedingten Gründen schon seit September verzögert, bedauern die Wehrleute sehr. Doch jetzt sind sie froh, dass es endlich losgeht. 350.000 bis 400.000 Euro sind für die Renovierung vorgesehen, worin die vielfältige Eigenleistung der Wehr schon eingerechnet ist. In ersten Kalkulationen ging die Stadt vor einem Jahr noch von rund 250.000 Euro aus, doch Bürgermeister Roland Kern warnte schon damals, dass die Kosten kräftig steigen können. Denn ein Altbau wie das 1966 eingeweihte Feuerwehrhaus birgt immer unliebsame Überraschungen. Das notwendige Geld ist im Wirtschaftsplan der Kommunalen Betriebe eingestellt und wurde vom 2017er in den 2018er Etat umgeschichtet.

„Wir selbst können nur die Vorarbeiten machen, danach müssen Fachfirmen ran aus Versicherungsgründen“, erläutert Wehrführer Dieter Rumpf. Angesichts übervoller Auftragsbücher vieler Handwerker ist auch die Zeitfrage offen. Eigentlich wollte die Wehr jetzt bereits fertig sein, aber nun wird es wohl Jahresende werden, bis alles wieder glänzt, was im Moment unter zentimeterdicken Staubschichten liegt. „Auf alle Fälle sind wir dankbar, dass die Zusammenarbeit mit den städtischen Gremien absolut unkompliziert ist und dass der ganze Umbau auch nie in Frage stand“, fasst Dieter Rumpf zusammen und ist seinem Team dankbar, dass es so mitzieht: „Das war nie ein Problem. Eine Frage in die Runde und die Leute waren da!“

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Obwohl selbst die Vorarbeit wirklich kein Zuckerschlecken war. Beim ersten Einsatz zum Tapetenablösen ging"s ja noch, doch was den Männern und Frauen wie Johanna Koch beim Einreißen der Mauern – natürlich vorher statisch freigegeben vom Architekturbüro Siegbert Huther – zugemutet wurde, war schon heftig, schmutzig und schwer. Doch der Elan war groß, und die Arbeiten waren früher fertig als sie es erwartet hatten.

„Das Ganze ist aber immer noch eine Notmaßnahme. Die endgültige Lösung wäre ein Neubau, an dem über kurz oder lang auch kein Weg vorbeiführen“, grenzt Karsten Klünder die Euphorie ein.

Wer neugierig geworden ist, kann am Tag der Feuerwehr an 12. und 13 Mai (Muttertag), an dem die Urberacher Wehr seit Jahren ihre Arbeit präsentiert, einen Blick auf die Umbauarbeiten werfen.

Mehr Infos unter www.ff-urberach.org.

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