Mick Jagger durch die Saalburg geführt

Rödermärker Edelfans der „Stones“

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Verwechslung ausgeschlossen: Die Redaktion des Hochtaunus-Jahrbuchs 1996 hatte sicherheitshalber kenntlich gemacht, wer ein weltberühmter Sänger und wer ein regional bedeutender Wissenschaftler ist.

Rödermark - Was verbindet den pensionierten Landesarchäologen Professor Egon Schallmayer mit „Rolling Stones“-Sänger Mick Jagger? Nein – nicht das Interesse an alten Knochen. Von Christine Ziesecke 

Und der Ur-Ober-Röder ist längst nicht der einzige Rödermärker mit persönlichen Beziehungen zu der legendären Band. Rödermark und die „Rolling Stones“ haben mehr als das R am Anfang des Namens gemein. In Ober-Roden, Urberach – und weiträumig betrachtet – Dreieich sind mehrere Edelfans daheim, die ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der Band haben.

Die Fotografen Gerd Coordes aus Ober-Roden und Helmut Hennig aus Dreieich haben die „Stones“-Touren begleitet und viele Bilder geschossen, die sogar die Bandmitglieder selbst gerne gehabt hätten.

Gerd Coordes, der erst 2012 durch seine Frau aus Norddeutschland nach Ober-Roden kam, hat zudem einen eher unerwarteten „Rolling Stones“-Fan aufgetan: den aus Ober-Roden stammenden Archäologen und Historiker Prof. Dr. Egon Schallmayer, der vor mehr als 20 Jahren Sänger Mick Jagger unversehens gegenüber stand.

1995, damals noch recht neu als Leiter des Römerkastells Saalburg, hatte er die Rocklegende, die ganz privat mit Lebensgefährtin Jerry Hall und den Kindern nach Hessen gekommen war, kennengelernt.

Klar, dass ein Exzentriker wie Mick Jagger einiges durcheinander bringt. Im Garten von Gerd Coordes erzählte Schallmayer: „Es hatte sich so eingebürgert, dass die Burg pünktlich öffnete und um 17 Uhr ebenso pünktlich schloss. Ich hatte noch eine Führung für den Bundesverband deutscher Lebensversicherer vor mir, als es draußen unruhig wurde, weil jemand nicht mehr hereingelassen werden sollte. Zwei kräftige Herren schoben sich an mir vorbei, während ich dachte: ‚Den kennste doch, das ist der Jagger!’“

Egon Schallmayer schickte das Personal in den Feierabend und bat seine Kollegin Elke Löhnig, die wenig später auch das einzige Bild von diesem Ereignis gemacht hat, die Lebensversicherer zu übernehmen. „Tatsächlich bin ich dann mit Mick Jagger als Privatmann, mit einer ungeschminkten Jerry Hall und den Kindern fast zwei Stunden durch die Saalburg gelaufen. Er erzählte mir, dass er sich für Geschichte interessiert und in England schon von der Saalburg gehört hatte, die tatsächlich im Ausland recht bekannt ist, wie ich aus Fachkreisen wusste. Er kannte bestimmte Einzelheiten, fragte nach dem ‚White Bull’, und ich führte ihn dahin“, ist Historiker Schallmayer auch nach Jahren noch begeistert.

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Mick Jagger hatte an diesem 24. August 1995, einem Donnerstag, frei, nachdem er Konzerte in Hockenheim und Mannheim gegeben hatte. Die „Stones“ waren auf dem Weg nach Wolfsburg zum nächsten Auftritt und die Jaggers übernachteten in Frankfurt.

Einen Beitrag über dieses historische Zusammentreffen hat Schallmayer im „Jahrbuch IV/1996“ des Hochtaunuskreises geschrieben. Die Bildunterschrift ist einen Lacher wert: „Rock-Idol Mick Jagger (links) mit Dr. Egon Schallmayer auf der Saalburg“ – damit man sie nicht etwa vertauscht!

Dieser Bericht hatte sogar ein Nachspiel im hessischen Landtag. Die Abgeordnete Ruth Wagner (FDP) schlachtete den Besuch gegen die damalige Regierungspartei SPD aus, die bei der Vergabe der Fördergelder ihrer Meinung nach zu knauserig war: „Selbst Mick Jagger kommt auf die Saalburg, aber ihr habt dafür nichts übrig!“

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