Im 19. Jahrhundert

Chaussee über alten Gräbern: Frühe Wut auf Straßenbauer in Urberach

Aus der Chaussee wird eine Straße: Die heutige Urberacher Ortsdurchfahrt bekommt 1938 eine Teerdecke. 
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Aus der Chaussee wird eine Straße: Die heutige Urberacher Ortsdurchfahrt bekommt 1938 eine Teerdecke. 

Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) dokumentiert in seinem Kalender 2020 die Anfänge der Mobilität in Ober-Roden und Urberach.

Urberach – Die Vorsitzende Patricia Lips und ihre Mitstreiter haben Fotos stolzer Autobesitzer, rasender Reporter auf dem Motorrad oder der Flotten jener fünf Busunternehmen, die es einst gab, zusammengetragen. Aber der Kalender erzählt auch die Geschichte des Straßenbaus ab dem 19. Jahrhundert – mit einigen Parallelen zu unserer Zeit.

Die heutige Konrad-Adenauer- beziehungsweise Traminer Straße in Urberach wurde 1839 bis 1843 unter Großherzog Ludwig II. als Chaussee kerzengerade durch das Töpfer- und Bauerndorf angelegt. Doch ihr Bau durchschnitt bis dahin gewachsene Strukturen im Ortskern: So stand der 1816 abgerissene Vorgängerbau der St. Gallus-Kirche auf dem Gebiet des heutigen Rathauses. Zur Kirche gehörte auch der alte Friedhof, der bis in die spätere Straße hinein ragte. Überliefert ist der große Ärger vieler Urberacher jener Zeit, weil die „Chaussee“ über geweihter Erde verlief. Darüber hinaus ist die Straße bereits in früheren Plänen angelegt. Doch es dauerte – wie heute – einiges an Zeit, bis es zur Umsetzung kam.

Die Karte von 1828 zeigt die Projektion der Straße. Ebenfalls gut zu sehen sind die Strukturen des Dorfes vor dem Straßenbau.

Um die Jahrhundertwende war zunächst das „Zentrum“ rund um den Dalles gepflastert. Die meisten anderen Straßen bestanden jedoch grundsätzlich noch aus gestampfter Erde, bevor sie in Teilen ebenfalls eine Pflasterung erhielten. Die Pflasterung behielten sie auch noch länger, während die Hauptstraße kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges annähernd ihr heutiges Gesicht erhielt.

1938 bekam die Hauptstraße erstmals einen ordentlichen Teerbelag. Gleichzeitig entstanden entlang der Straße „echte“ Bürgersteige, wie wir sie heute kennen.

Eine glatte und breite Hauptstraße, auf der die Autos zügig vorankommen, war viele Jahre für die Urberacher ein Symbol des Fortschritts. Heute sehen’s die meisten von ihnen anders. Doch die Diskussion um eine Verkehrsentlastung für die Anwohner der B 486 schleppt sich schon seit Jahrzehnten ohne greifbares Ergebnis vor sich hin. Da waren die gut zehn Jahre zwischen den ersten Plänen um 1828 und dem Baubeginn nur ein Augenblick.

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