Jahresrückblick

Bürgermeister Roland Kern (71) geht in Pension

Nach zwei vollen Amtszeiten und 25 Monaten ist am 30. Juni endgültig Schluss. Bürgermeister Roland Kern (71) geht in Pension.

Rödermark - Nicht einer der CDU-Granden Walter Faust oder Alfons Maurer war Rödermarks Verwaltungs-Chef mit der längsten Amtszeit, sondern der frühere Oppositionsführer von AL/Die Grünen. Im März 2005 – im dritten Anlauf – war der politische Lebenstraum von Roland Kern Realität im schwarzen Rödermark geworden.

CDU-Mann Jörg Rotter, seit 2013 die Nummer zwei in der Rathaus-Hierarchie, wird am 24. März zu Kerns Nachfolger gewählt. Mit 55,6 Prozent gewinnt er schon die erste Runde gegen Andrea Schülner (AL) und Dr. Karsten Falk (parteilos). Der Vertrauensbeweis der Rödermärker hat seinen Grund: Sechs Jahre lang übt der Erste Stadtrat sein Amt als Dezernent für Soziales, Ordnung und die Kommunalen Betriebe sachlich und weitgehend ohne Showeffekte aus. Dazu kommt ein dicker Sympathiebonus für Jörg Rotter, der schon zwei Jahre vorher Bürgermeister werden will, aber von einer schweren Krankheit zum Rückzug von seiner Kandidatur gezwungen wird.

Er kämpft sich zurück. Trotz etlicher Querschüsse, die der Ex-CDU-Ehrenvorsitzende Wolfgang Steiger und die langjährige Parteivorsitzende Patricia Lips aus Berlin abfeuern, hält Rotter zusammen mit dem erfahrenen Fraktionsvorsitzenden Michael Gensert und dem neuen Parteichef Ralph Hartung die CDU auf Kurs. Und der heißt: weiter mit Schwarz-Grün. 55,6 Prozent der 10 052 Wähler vom 24. März honorieren auch das mit ihrem Kreuzchen. Ein weiterer Lohn, der Rödermarks neuen Bürgermeister schmunzeln lässt: Die Währung in der Ferien-Kinderspielstadt heißt ab sofort „Rottis“ und nicht mehr „Kerns“.

Keinen Spaß haben in den kommenden Wochen die erfolgsverwöhnten Rödermärker Grünen. Sie beanspruchen die Position der Ersten Stadträtin für sich und nominieren Andrea Schülner für dieses Amt. So weit, so gut. Weder Bürgermeister Rotter noch die CDU haben ein Problem damit, dass der Koalitionspartner in der Magistratsspitze vertreten ist.

In der AL rumpelt"s dagegen gewaltig. Das Nominierungsverfahren sei eine Farce gewesen, kritisieren einige innerparteiliche Rebellen und werfen die Brocken hin. Die Stadtverordneten Perihan Demirdöven und Hans-Jürgen Daum, die frühere Stadträtin Sylvia Baumer sowie die ehemaligen Stadtverordneten Michael Baumer und Sigrid Schaap treten aus Partei und Fraktion aus.

Die Stadtratswahl am 18. Juni wird deshalb spannender als erwartet. Zumal es mit Dr. Karsten Falk, dem Drittplatzierten der Bürgermeisterwahl, einen Gegenkandidaten zu Andrea Schülner gibt. Doch der und seine Unterstützer, die FDP und die Freien Wähler, hoffen vergeblich auf Abweichler aus der Koalition. Andrea Schülner erhält die Stimmen aller 23 CDU- und AL-Stadtverordneten, die an diesem Abend im Saal sind. Für Falk stimmt nicht einmal die komplette Opposition.

Jörg Rotter und Andrea Schülner treten ihr neues Amt am 1. Juli an. Der Bürgermeister teilt seiner Stellvertreterin – wenig überraschend – das Sozialdezernat und – ein wenig überraschend – die Kämmerei zu. Er ist für Bauen und Planen, die Kommunalen Betriebe und die Wirtschaftsförderung verantwortlich.

VON MICHAEL LÖW

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare