Alternativroute in die Kirche

Computerspiel-Partys im evangelischen Gemeindehaus schon seit Jahren üblich

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Junge und nicht mehr so ganz junge Computerspieler trafen sich am Wochenende wieder zur LAN-Party im evangelischen Gemeindehaus Ober-Roden.

Tagelange Computerspiel-Partys sind im evangelischen Gemeindehaus Ober-Roden schon seit Jahren üblich. Die Macher sehen darin eine gute Möglichkeit, junge Menschen und Kirche zusammenzubringen.

Rödermark – Wohl niemand hätte 2009 bei der Premiere des „Gockel Gaming“, der Computerspiel-Party der Evangelischen Jugend Ober-Roden, an diese Erfolgsgeschichte geglaubt: Es gibt sie immer noch, mittlerweile fand das 23. „Gockel Gaming“ im Gemeindesaal in der Rathenaustraße statt.

Ausgerichtet wird die LAN-Party von einem Team der Gemeindejugendvertretung. Unterstützt wird sie unter anderem vom Ober-Röder Netzwerkspezialisten Marc Milde. Dank einer ausgeklügelten Antenne im Kirchturm und eines sehr langen Kabels in den Saal ermöglicht er den Teilnehmern, mit hohen Datenübertragungsraten online zu sein.

Wegen des letzten Ferienwochenendes waren die 13 Spieler diesmal überwiegend älter, zwischen 16 und 31 Jahren. Die Konfis, die sonst in der Mehrheit waren, fehlten in diesem Jahr. So konnten allerdings kurzzeitig auch Spiele mit einem Mindestalter über zwölf Jahren wie sonst üblich gespielt werden. „Wir hatten sehr gehofft, dass das neue „War Craft III Reforged“ inzwischen erschienen wäre wie angekündigt, doch es erscheint leider erst Ende Januar“, bedauerte Jonas Berner.

Der 22-jährige Angestellter hält gemeinsam mit Alex Dutine (27, seit seiner Konfizeit dabei und mittlerweile kurz vor seinem Master-Abschluss in Biophysik), den engen Kontakt zum Vorstand der Evangelischen Kirchengemeinde.

Der stärkt ihnen seit dem ersten „Gockel Gaming“ vor elf Jahren stets den Rücken. Denn anfänglich hatte es so einiges Stirnrunzeln gegeben: Wieso müssen junge Gamer ausgerechnet auch noch in einer Kirchengemeinde ein Zuhause finden? Zocken sie nicht eh schon zu viel am PC? Doch Frank Daxer, damaliger Gemeindepädagoge in Rödermark und mittlerweile Stadtjugendreferent in Frankfurt, hatte als Begründer dieser Wochenenden immer wieder ruhig und bestimmt seine Meinung vertreten, der sich auch die jetzigen sieben Teamer verpflichtet fühlen.

„Wir sprechen Jugendliche ab zwölf Jahren an und bringen sie auf alternative Weise an die Gemeinde heran“, fasst Alex Dutine zusammen, und Jonas Berner ergänzt: „Damit runden wir das Gesamtangebot ab.“ Mit dem „Gockel Gaming“ wird sowohl Kirche als durchaus auch für junge Menschen attraktiv dargestellt. Aber auch den Kindern und Jugendlichen gezeigt, dass LAN-Partys keineswegs nur versteckt in Kellern und engen Räumen stattfinden müssen.

Geschlafen wird nachts wenigstens ein paar Stunden, Hausschuhe sind im Gemeindehaus Pflicht, und dass es überwiegend Wasser- und Colaflaschen sind, die zu Dutzenden am Sonntagmorgen dann auf den Tischen stehen, ist auch selbstverständlich. Kein Spieler trinkt Alkohol.

Und nicht jeder spielt vor sich hin – das Miteinander steht hoch im Kurs und ergibt sich ganz von selbst. Außer bei einigen ganz besonderen Gästen – so etwa diesmal Niklas (24), der neben seinem Rechner einen Collegeblock samt Stift mit anspruchsvollen Vektorenrechungen liegen hatte. Er steht kurz vor einer Prüfung und nutzte – wie ihm die anderen Spieler bestätigten – die meiste Zeit zum Rechnen und entspannte sich nur kurzzeitig beim Spielen am Computer.

Nächste Möglichkeit zum Langzeitzocken besteht wie immer am ersten Ferienwochenende in der Sommerzeit; am letzten Schultag geht’s nachmittags los. Das hat sich in allen Köpfen schon festgesetzt. Deshalb überwiegt das Stammpublikum. Aber jeder, für den der PC mehr als ein Arbeitsgerät ist, kann mitspielen. Die Online-Anmeldung erläutert alle Regeln.

Informationen gibt es auf forum.gockelgaming.de oder gockel.info.

VON CHRISTINE ZIESECKE

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