Wie ein Fußballspiel ohne Fans

Kirchliche Gemeinschaft in der Corona-Krise – geht das?

Gemeinde St. Nazarius
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Gemeinde St. Nazarius

Den Ruf der Kirchenglocken hören und zuhause mitfeiern – das empfehlen nicht nur Rödermarks Kirchengemeinden derzeit ihren Gläubigen.

  • Das Coronavirus grassiert in Hessen
  • Fast alle Veranstaltungen müssen wegen des Kontaktverbots abgesagt werden
  • Auch die Kirche in Rödermark ist betroffen

Rödermark – Dass dies gerade über Kar- und Osterwoche besonders schwer fällt – selbst mit den zuvor bereitgelegten Liturgien und online gestellten Predigttexten – das merken alle Menschen, die sich in diesen Tagen ihren Kirchengemeinden zugehörig fühlen. Kirchliche Gemeinschaft auf Distanz – geht das? Kann man das lernen? Können uns die Geistlichen dazu verhelfen? Wir fragten bei den beiden katholischen Pfarrern Elmar Jung und Klaus Gaebler nach.

Rödermark: Kirche in der Corona-Krise – Die Vorbereitung der Gottesdienste

Wie bereiten Sie sich auf die besonderen Gottesdienste in der weitgehend leeren Kirche vor?

Pfarrer Elmar Jung:

Ich bereite meine Gottesdienste vor wie immer, mit einigen zusätzlichen Erläuterungen und Ermunterungen. Aber ich stelle mir schon die besondere Lage der Menschen zuhause vor. Und mir selbst fehlt natürlich das Fixieren auf einen Einzelnen, das Zulächeln, die Bestätigung meiner Worte durch ein Nicken, einen Blick etwa.

Pfarrer Klaus Gaebler:

Es ist anders; es ist merkwürdig. Der erste Gottesdienst am Palmsonntag „in kleiner Besetzung“ – es war alles viel tiefer, viel stiller und dabei intensiver. So habe ich es jedenfalls empfunden.

Pfarrer Elmar Jung:

Für mich ganz persönlich ist nicht in erster Linie der Blick auf den fast leeren Kirchenraum das Entscheidende, sondern die Gemeinschaft mit den fünf erlaubten Gemeindegliedern aus unterschiedlichen Bereichen. Beim abendlichen Gebet ist das anders – da vertiefe auch ich mich ins Gebet.

So voll wird es in Nazarius und St. Gallus bei Veranstaltungen erst wieder nach der Krise werden. Aktuell bleibt’s dort leer.

Kirche in Rödermark in der Corona-Krise: Geht das?

Wie kann Gemeinschaft ohne physische Gemeinschaft funktionieren? Und: Kann man Andacht auf die Ferne üben?

Pfarrer Klaus Gaebler:

Nein, auch wir Pfarrer haben keine Patentregel. Wir können nur hoffen, dass unsere Gemeindeglieder eine Möglichkeit finden, für diese Zeit des Gebets und der Andacht auch mit äußerem Abschirmen, vielleicht mit einer Kerze oder einem Gebetsbuch vor sich, zur Ruhe zu kommen und sich auf meditatives Hineinversetzen einzulassen.

Pfarrer Elmar Jung:

Nein, man kann das gemeinsame Gebet auf Distanz nicht üben. Ich betrachte diese Zeit – die ja zufällig auch noch zeitlich in die Passion hineinfällt – als eine besondere Art des Fastens. Da muss man sich auch erst daran gewöhnen, aber das geht nach kurzer Zeit auch reibungslos. Kontemplation und Bei sich sein als Möglichkeit, sich besser besinnen und gedanklich einstellen zu können. Ich enthalte mich von Dingen, die mir nachher umso wertvoller sind. Karfreitag ist „Friday for Future“ – das passt derzeit besonders gut.

Pfarrer Elmar Jung

Die Kirche in Rödermark in der Corona-Krise: Gottesdienst via Youtube

Haben Sie schon Rückmeldungen bekommen?

Pfarrer Klaus Gaebler:

Die Gemeindeglieder tun sich schon schwer. Ich höre immer wieder „Was warte ich darauf, dass wir endlich wieder in die Kirche kommen können!“ Bei Familien geht das noch; sie sind eine kleine Gemeinschaft. Aber für Alleinstehende ist die Besinnung wirklich schwer. Viele tun sich dann doch leichter, einen Fernsehgottesdienst anzuschauen – davon gibt es ja derzeit viele. Sie fühlen sich dann besser mit hineingenommen. Ich vergleiche das gerne mit dem Fußball: mitten unter Fußballfreunden im Stadion oder zuhause vor dem Fernseher. Aber ein Tipp: Verfolgen Sie unsere Feier der Osternacht, zelebriert von mir, in unserer St. Gallus Kirche im Livestream Online auf Youtube am Karsamstag ab 21.30 Uhr.

Pfarrer Klaus Gaebler

Pfarrer Elmar Jung:

Das Gute an dieser Pandemie ist doch, dass die Sehnsucht nach dem Wesentlichen wach gehalten wird über alle Zeit der Trennung hinweg. Deutlich gemacht hat diese Situation neulich ein kurzer Brief einer Frau aus der Gemeinde, die mir geschrieben hat, dass sie jetzt erst merkt, was ihr fehlt – die Gemeinschaft. Diese Sehnsucht ist vielleicht der Motor, der uns zusammenhält und nach Corona weiter verbindet. Mit der Karfreitags-Live-Übertragung begehen wir nun auch einen neuen Weg zu mehr Nähe. (Zu sehen unter Youtube/St. Nazarius Rödermark).

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Die Fragen stellte Christine Ziesecke

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