Dinge voller Erinnerungen

Diese drei Erinnerungsstücke geben ihre Besitze nie wieder her

Zug ins Glück: Mit dem Original dieses Märklin-Modells gingen Gabriele und Manfred Markworth vor 60 Jahren auf Hochzeitsreise.
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Zug ins Glück: Mit dem Original dieses Märklin-Modells gingen Gabriele und Manfred Markworth vor 60 Jahren auf Hochzeitsreise.

Vorm Silvesterböllern räumen viele daheim auf, weil sie das neue Jahr voller Ordnung beginnen wollen. Aber es gibt auch viele Dinge, von denen man sich um keinen Preis der Welt trennen würde. Wir präsentieren drei Erinnerungsstücke, die ihren Besitzern ans Herz gewachsen sind.

Rödermark – Was würden Sie niemals ohne Not hergeben? Gisela „Lou“ Heinrich, Malerin mit Berliner Schnauze, nennt da nichts Geringeres als sich selbst. Theatermacher Oliver Nedelmann hängt an einem Stück familiärer Militärgeschichte. Gabriele und Manfred Markworth schließlich holen ihren persönlichen schwarzen Diamanten heraus, wenn über Erinnerungsstücke gesprochen wird.

Der Zug ins Eheglück

Eine Dampflokomotive der Baureihe 01 zog im Sommer 1959 den Wagen mit zwei frisch Vermählten Richtung Allgäu. Manfred und Gabriele Markworth hatten wenige Tage zuvor geheiratet und gingen auf Hochzeitsreise. Außer den beiden war auch der Käfig mit den Wellensittichen im Zug. „Wir sind vor der ganzen Verwandtschaft ausgerissen. Die Vögel haben wir mitgenommen, damit niemand unsere Abwesenheit bemerkt“, hatte Gabriele Markworth im Juli vor der diamantenten Hochzeit erzählt, warum eine Lokomotive samt Waggon ihr liebstes Erinnerungsstück ist. Die „01“ war die größte Dampflok, die nach dem Krieg über Deutschlands Schienen schnaufte. „Sie war bis zu 120 Stundenkilometer schnell“, ergänzt ihr Mann Manfred, ganz der Ingenieur. Vor mehr als 20 Jahren überraschte er seine Frau mit Märklin-Modellen des Zugs ins Eheglück. Die „01“ und der grüne Wagen mit zwei Figuren am Fenster haben seither einen Ehrenplatz.

Kasernen-Schrank

Oliver Nedelmann trägt manchmal schwer an der Erinnerung. Die hölzerne Offizierskiste seines Großvaters hat einige Kilo. Meist dient sie dem Urberacher Regisseur und Schauspieler als Ablage beim Textlernen oder kleine Leseecke im Büro. Doch wenn er und seine Frau Friederike das Wohnzimmer „fünf Mal im Jahr wirklich privat haben“, wird die Kiste zum Couchtisch und dorthin geschleppt, wo normalerweise das Publikum sitzt.

Ein wuchtiges Stück Privatsphäre: Oliver Nedelmann würde die Kiste, die seinem Großvater in der kaiserlichen Kadettenanstalt als Schrank diente, nie hergeben.

Oliver Nedelmanns Großvater wurde 1896 geboren und ging wie viele Zweit- und Drittgeborene aus kleinbürgerlichen Familien zum Militär. Denn das Geld reichte nicht, um allen eine ordentliche Ausbildung zu finanzieren. Noch vor dem Ersten Weltkrieg rückte er in eine kaiserliche Kadettenanstalt ein. In den riesigen Schlafsälen waren solche Kisten das einzige Stück Privatsphäre. „Der Krieg fand übrigens fast ohne Familienbeteiligung statt“, ist Oliver Nedelmann stolz auf die pazifistische Vergangenheit. Aber nicht wegen eines Lungenschusses bei den ersten Kämpfen, wie lange erzählt wurde. Opa hatte eine Lungenerkrankung, beichtete Oliver Nedelmanns Mutter eines Tages.

Selbstbildnis in Blau

Gisela Heinrich schenkte ihrem Mann Werner zum 60. Geburtstag eine Galionsfigur für sein Boot: Sich selbst als „Halbkörper-Abguss in Alabaster“ – so heißt die Skulptur im Deutsch der Bildhauer. „Die blaue Lou“ ist mittlerweile 20 Jahre alt, fuhr aber nie zur See. Denn Gisela Heinrich hat eine wahrhaft innige Beziehung zu ihr. Eine Woche arbeitete sie zusammen mit der Offenbacher Künstlerin Brigitte Gutwerk. 

„Die blaue Lou“: Gisela Heinrich hat sich als Halbkörper-Abguss in Alabaster verewigen lassen.   

Dabei wurden Oberkörper und Gesicht ganz und gar in Gipsbinden eingewickelt. „Nur die beiden Nasenlöcher ham rausgekiekt“, erinnert sich die Ober-Röder Malerin mit Berliner Wurzeln an diese Sitzung zurück. Eine halbe Stunde war sie in einer eigenen Welt, bekam außer dem Schlagen des eigenen Herzens nichts mit. Da wundert’s einen nicht, wenn das Geburtstagsgeschenk für den Ehemann zur persönlichen Herzensangelegenheit wird.

VON MICHAEL LÖW

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