Kalender „Es war einmal...!“ dokumentiert Vergangenes höchst real

Rödermark: Historisches auf zwölf Bildern

Seltenheitswert hat dieses Bild aus dem Jahr 1940. Auf dem Farbfoto ernten Frauen und Kinder Kartoffeln, die Ehemänner und Väter sind wahrscheinlich im Krieg. Dort, wo vor 80 Jahren Äcker die Ober-Röder mit Grundnahrungsmitteln versorgten, ist das Wohngebiet „An der Rodau“ entstanden. Der Zug dampft auf den Faselstall zu. Die Aufnahme ist eines von vielen sehenswerten Bildern im Kalender 2021 des Heimat- und Geschichtsvereins.
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Seltenheitswert hat dieses Bild aus dem Jahr 1940. Auf dem Farbfoto ernten Frauen und Kinder Kartoffeln, die Ehemänner und Väter sind wahrscheinlich im Krieg. Dort, wo vor 80 Jahren Äcker die Ober-Röder mit Grundnahrungsmitteln versorgten, ist das Wohngebiet „An der Rodau“ entstanden. Der Zug dampft auf den Faselstall zu. Die Aufnahme ist eines von vielen sehenswerten Bildern im Kalender 2021 des Heimat- und Geschichtsvereins.

Seit 2013 sind die „Historischen Kalender“ des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) Rödermark begehrte Sammlerstücke. Die kleine Auflage ist immer schnell vergriffen. Aber das ist auch kein Wunder. Denn Jahr für Jahr finden die Vorsitzende Patricia Lips und ihre Mannschaft Fotos aus den vergangenen 120 Jahren, die auch alteingesessene Ober-Röder oder Urberacher noch nicht gesehen haben.

Rödermark - „Es war einmal...!“ So lautet das scheinbar märchenhafte Motto des „Historischen Kalenders“ 2021. Zahlreiche Motive aus dem Fundus des Vereins setzen sich natürlich immer wieder mit Vergangenem oder Vergessenem auseinander; das liegt schon allein in der Natur der Sache. Der Kalender greift nun jedoch ganz besondere Motive heraus, die einstmals die Dörfer des heutigen Rödermark baulich, gewerblich oder gesellschaftlich prägten und heute der Vergangenheit angehören.

Der Kalender porträtiert zum Beispiele die „TN“, in der Tausende über Jahrzehnte gutes Geld verdienten, oder die Mühlen in Urberach. Die mussten in den 1970er und 1980er Jahren Häusern weichen. Im Wohngebiet „Bruch“ erinnern noch viele Straßennamen an das Müllerhandwerk.

Das „Alte Gaswerk“ am Ortsausgang in Ober-Roden brachte erstmals 1910 das „neue Licht“ in die Dörfer der Umgebung. Heute wuchert das einst begehrte Grundstück immer weiter zu, weil sich die Erben mit der Stadt nicht über eine Nutzung einigen wollen.

Höchst aktuellen Bezug hat das „Schrankenwärter-Häuschen“ direkt am Bahnübergang, an das sich viele noch erinnern. Staus gab"s damals trotz geschlossener Schranken auf der Ober-Röder Hauptstraße so gut wie keine. Die kamen erst, als das Häuschen längst abgerissen war.

Aber auch das traditionsreiche Töpferhandwerk gehört seit wenigen Jahren der Vergangenheit an, noch viel länger die „Hoarisch“-Betriebe „Bloch & Hirsch“ oder die Firma „Donner“ wie auch mancher Verein: Vieles, das über Jahrzehnte das Leben unzähliger Menschen bei uns nachhaltig prägte, ist verschwunden. Manchmal still und leise „mit der Zeit“, aber oft auch unter Protesten oder in politisch dunklen Zeiten.

„Eine begleitende große Ausstellung wird es in diesem Jahr leider nicht geben“, bedauert die Vorsitzende Patricia Lips. „Corona-bedingt fehlen uns die Möglichkeiten und Anlässe, eine solche unter den gebotenen Bedingungen einem breiten Publikum zu zeigen. Doch die Herausgabe unseres Kalenders, zwischenzeitlich die neunte Ausgabe, wollten wir auf alle Fälle ermöglichen. Dafür haben wir bei manchem Kalenderblatt statt nur einem oft auch zwei Motive zum selben Thema ausgesucht.“

Motive für Kalender Nummer zehn gibt"s sowohl im HGV-Archiv als auch in vielen privaten Fotoalben oder Kruschelschubladen genug. Schwerer ist"s sie unter ein gemeinsames Motto zu bringen, hat Patricia Lips festgestellt. Aber für das kleine Jubiläum wird ihr sicher noch eines einfallen.  (Michael Löw)

Das Ober-Röder „Schrankenwärter-Häuschen“ (unten rechts) ist auch der mittleren Generation noch ein Begriff. Aber viel Vergangenes ist auch vergessen.

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