Bahnhofstraße

Rödermark: Ärger auf der Großbaustelle - Geschäfte von Kunden abgeklemmt

Der Umbau der Bahnhofstraße soll den Schulweg sicherer machen. Doch momentan passiert das Gegenteil. Sogar in Begleitung Erwachsener gehen Kinder ihre gewohnten Wege. Selbst wenn der nur wenige Meter hinterm fahrenden Bagger entlang führt.
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Der Umbau der Bahnhofstraße soll den Schulweg sicherer machen. Doch momentan passiert das Gegenteil. Sogar in Begleitung Erwachsener gehen Kinder ihre gewohnten Wege. Selbst wenn der nur wenige Meter hinterm fahrenden Bagger entlang führt.

Fünf Monate lang ging die Sanierung der Bahnhofstraße im Rödermark-Stadtteil Urberach geräuschlos über die Bühne. Anfang August begann ein Bauunternehmen im Auftrag von Hessen Mobil mit dem Auskoffern dieser innerstädtischen Verbindung. Seither sind Anwohner, Geschäftsleute und Kunden sauer auf die Planer.

Rödermark – Entlang der Großbaustelle Bahnhofstraße macht sich Unmut breit. Asphalt und Unterbau der Fahrbahn sind weggebaggert. Vom nur noch auf kurzen Stücken vorhandenen Bürgersteig runter auf die Trasse sind"s 60 oder 70 Zentimeter. Ein Kunde von Bäckermeister Wolfgang Löbig berichtete gestern von einem älteren Herrn, der diese Stufe vor der Volksbank auf allen Vieren hinauf krabbelte.

Fußgänger und Radfahrer müssen seit Anfang August hochgradig geländegängig sein, wenn sie ihre Besorgungen in der Bahnhofstraße erledigen wollen. Noch gibt es dort etliche Geschäfte, doch die können weder von Kunden noch von Lieferanten angesteuert werden. „Uns wurde versprochen, dass wir mit Ausnahme von vier, fünf Tagen mit den Autos auf unser Grundstück kommen“, klagt Löbig. Doch seit drei Wochen gähnt ein Loch vor seinem Geschäft. Seine Frau schleppt Brötchen, die sie ausliefert, über die Baustelle zum Auto. Und wenn seine Lieferanten morgens um drei Uhr kommen, schlafen die ansonsten sehr hilfsbereiten Männer vom Bau noch.

Horst Peter Knapp hat seine Metzgerei nach den Sommerferien erst gar nicht wieder aufgemacht, sondern verkauft nur Mittagessen übern Hof: „Hätte ich diesen Zugang nicht, könnte ich dichtmachen!“ Skeptisch blickt auch Kioskbesitzerin Birgit Peters in die nächste Zukunft. „Noch zwei oder drei Wochen kann ich so nicht durchhalten“, befürchtet sie. Wie viel Umsatz die Geschäftsleute seit dem Beginn der Sanierung verloren haben, kann oder will niemand auf Euro und Cent sagen. Metzger Theo Hechler meint nur frustriert: „Seit August ist der Umsatz richtig weggebrochen.“

Parken links und rechts der Bahnhofstraße wird seit Wochen zum Risikospiel. Den Einzelhändlern stinkt"s, dass ihre Kunden einen Strafzettel bekommen, wenn sie die Parkzeit nur ein paar Minuten überziehen oder die Parkscheibe vergessen. Bei den Mitarbeitern des Bauunternehmens, die ihre Autos dort abstellen, würden jedoch beide Auge zugedrückt.

Horst Peter Knapp regte gestern bei einem Gespräch auf der Baustelle Berechtigungsscheine an. Die sollen Anwohnern das Parken während der Bauarbeiten auch über mehrere Stunden erlauben – ohne Knöllchen.

Mehr als nur ein Ärgernis, sondern eine wahre Gefahrenquelle: Schulkinder gehen nur ein paar Schritte an den Schaufeln der Bagger vorbei. Viele sogar in Begleitung von Eltern. Die dicken rot-weißen Absperrbaken interessieren offenbar weder kleine noch große Passanten auf dem Weg zur Schule. Ob die allerdings die von einigen Anwohnern geforderten Schilder „Betreten der Baustelle verboten!“ beachten würden, ist indes zweifelhaft.

Bestatterin Petra Sturm hofft nach den vielen Beschwerden auf eine bessere Kommunikation zwischen Stadt und Hessen Mobil auf der einen und den Menschen in der Bahnhofstraße auf der anderen Seite. Sie alle wünschen sich das Gefühl, betreut und nicht vor Tatsachen gestellt zu werden. Eines haben sie immerhin verhindert: die Sperrung des Verbindungsweges zwischen Bahnhof- und Robert-Bloch-Straße, wo es wenigstens einige Parkplätze gibt.

Uwe Löschner, Inhaber eines Uhrengeschäfts, und Raumausstatter Thomas Wunderlich hoffen, dass sich die Bauarbeiten nicht endlos ziehen. „Die Firma, die während der vergangenen Monate die Versorgungsleitungen verlegt haben, war eher fertig. Das haben die anderen jetzt als Bonbon“, sagt Löschner. Handwerker Wunderlich hat da seine Zweifel „Ist das normal, dass auf so einer großen Baustelle nur so ein paar Männer arbeiten?“ (Michael Löw)

Den einfachen Teil ihres Heimwegs hat diese Bäckereikundin gleich geschafft. Die restlichen Meter zum „Dalles“ sind dagegen eine echte Geländeprüfung.

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