„Fledermausfreundliches Haus“ in Urberach

Familie lässt Fledermäuse in ihrem Haus wohnen – und wird dafür ausgezeichnet

Anja und Marco Weckesser bekamen vom Nabu-Vorsitzenden Rüdiger Werner und von Hartmut Müller von der Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen Plakette, Urkunde und Buchgeschenk überreicht. Das neue Eigenheim der Weckessers im Bulauweg ist nun ganz offiziell ein „Fledermausfreundliches Haus“.
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Anja und Marco Weckesser bekamen vom Nabu-Vorsitzenden Rüdiger Werner und von Hartmut Müller von der Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen Plakette, Urkunde und Buchgeschenk überreicht. Das neue Eigenheim der Weckessers im Bulauweg ist nun ganz offiziell ein „Fledermausfreundliches Haus“.

Anja und Marco Weckesser dürfen sich freuen: Ihr neues Eigenheim im Bulauweg wurde als „Fledermausfreundliches Haus“ ausgezeichnet. Dieser Titel wird vom hessischen Landesverband des Naturschutzbundes (Nabu) und der Stiftung Hessischer Naturschutz vergeben.

Urberach - Es sei die erste Auszeichnung dieser Art in Rödermark seit sechs Jahren, berichtete Rödermarks Nabu-Vorsitzender Dr. Rüdiger Werner. Hartmut Müller von der Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen, einer unabhängigen Arbeitsgemeinschaft des Nabu, hatte Plakette, Urkunde und ein Buch mitgebracht. Die Naturschutzorganisation zeichnet in ganz Deutschland regelmäßig Hausbesitzer, Firmen und öffentliche Stellen aus, wenn sie sich als Fledermaus-Herbergseltern betätigen und somit die Wohnungsnot der Fledermäuse lindern. Moderne Gebäude bieten immer weniger geeignete Quartiere.

19 Fledermausarten sind in Hessen daheim

In Hessen gibt es 19 verschiedene Fledermausarten. Sie benötigen im Jahresverlauf viele verschiedene Quartiere. Einige Fledermausarten haben sich an den Menschen gewöhnt und suchen nach Unterkünften an Häusern. Da sie nicht in der Lage sind, selbst Behausungen zu bauen, nutzen sie Hohlräume, Risse und Spalten an Gebäuden oder auch Dachböden als zeitweilige Wohnung. Bei den Weckessers seien zwei Arten heimisch geworden, hat Hartmut Müller beobachtet. Die Zwergfledermaus und die Mückenfledermaus. Dass man zwei verschiedene Arten an einem Haus vorfindet, sei selten, so der Experte.

„Der Familie ist es wichtig, dass die Quartiere erhalten bleiben, wenn das Haus nun verputzt wird“, berichtete Müller bei der Übergabe der Auszeichnung. Daher ließen sich die Weckessers von Müller beraten, damit die Spalten, in denen die Tiere heimisch wurden, beim Hausverputz erhalten bleiben.

Vorteil für Hausbesitzer in Rödermark: Viel weniger Schnaken

„Das Dach ist letztes Jahr drauf gekommen, die Fledermäuse haben sich dann direkt einquartiert“, so Marco Weckesser. Seine Frau Anja ergänzt: „Hinten raus hatten wir um die 60, vorne müssten es 40 oder 50 gewesen sein.“ Am Bulauweg zogen die Fledermäuse ihre Jungen groß. Nachdem der Nachwuchs fliegen konnte, sind die meisten Tiere erst einmal weitergezogen. Das sei ganz normal, so Hartmut Müller, der sich seit fast 40 Jahren um Fledermäuse kümmert. „Anfang Mai sind sie bestimmt wieder da.“

Fledermäuse gebären meist nur ein Junges pro Jahr. Diese werden von der Mutter ungefähr vier bis sechs Wochen gesäugt, bis sie flügge sind. Während die Mutter nachts zur Beutejagd fliegt, bleiben die Jungen in den sogenannten Wochenstuben zurück. Die Bausubstanz wird von Fledermäusen übrigens nicht beschädigt. Oft werden Fledermäuse wegen ihrer stillen und nächtlichen Lebensweise nicht mal bemerkt und in vielen Fällen übersehen.

Da die Fledermäuse im Bulauweg aber ihre Jungen aufzogen, war die Geräuschkulisse durchaus vernehmbar. Allerdings kein Problem für die Hausbesitzer. „Wir finden das nicht störend“, so Anja Weckesser. Außerdem hatten die Fledermäuse auch eine Gegenleistung parat. Sie ernähren sich ausschließlich von Insekten. Schnaken habe es am neuen Haus diesen Sommer kaum gegeben. Von Sascha Eyßen

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