Diskussion vor der Wahl

Bürger haben viele Fragen an Bürgermeister in spe

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„Tote Innenstadt“: Detlef Wohlgemuth (stehend) sieht rund um den Ober-Röder Marktplatz nur noch Shisha-Bars, Wettbüros und Ketten-Bäcker, aber keinen Metzger mehr. Der Geschäftswelt fehlt’s nicht nur seiner Meinung nach an Attraktivität.

Die Kolpingsfamilie Ober-Roden und die OFFENBACH-POST wollten wissen, was die Wähler von Rödermarks neuem Bürgermeister, der natürlich auch eine Bürgermeisterin sein kann, zu erwarten haben.

Gut 140 Wähler füllten das Forum St. Nazarius, als Dr. Karsten Falk (parteilos), Jörg Rotter (CDU) und Andrea Schülner (AL) erklärten, warum nur sie die Wahl am nächsten Sonntag gewinnen werden.

Ober-Roden – Es  sind nicht nur die Dauerbrenner vom Kaliber Verkehrsentlastung Urberach, Finanzen, Wirtschaftsförderung oder Ober-Röder Schranken, für die die Wähler von Rödermarks neuem Bürgermeister eine Lösung erwarten. Die rund 140 Besucher der Podiumsdiskussion von Kolpingsfamilie und OFFENBACH-POST fragten auch nach Ideen für den verwaisten Einkaufsmarkt im Breidert-Ärztehaus, weiteren Ladesäulen für Elektroautos oder der Unterstützung von Quartiersgruppen.

Wer hat am meisten Puste? Bürgermeister brauchen bekanntlich einen langen Atem. Dr. Karsten Falk, Jörg Rotter und Andrea Schülner mussten ihn beim Eignungstest von OFFENBACH-POST-Redaktionsleiter Bernhard Pelka beweisen.

Auf dem Podium saßen Dr. Karsten Falk (parteilos, von FDP und Freien Wählern unterstützt), Erster Stadtrat Jörg Rotter (CDU) und Andrea Schülner (AL/Grüne). Moderiert wurde der Abend vom Kolpingsvorsitzenden Markus Wehner und von Bernhard Pelka, den Redaktionsleiter Rodgau/Rödermark der OFFENBACH-POST.

Die erste Frage im Ober-Röder Pfarrheim stellte Klaus Büttner aus Urberach. Was die Kandidaten für die Entlastung der Urberacher Hauptstraßen zu tun gedenken, wollte er wissen. Nicht nur die Anwohner litten unter den täglich knapp 12 000 Autos: Der Turm der St. Gallus-Kirche hat wegen der vielen Lastwagen schon Setzrisse. Andrea Schülner und Jörg Rotter argumentierten trotz Bewerber-Wettbewerb in grün-schwarzer Koalitions-Einigkeit: keine Umgehungsstraße, sondern Entlastung über die K-L-Trasse, also den seit fast 50 Jahren vergebens geforderten Ausbau von Kreis- und Landesstraßen. Hier führe der Magistrat „vielsprechende Gespräche“, die eine „messelverträgliche Lösung“ wahrscheinlich machen. Auch Karsten Falk will diese Verhandlungen abwarten, parallel dazu aber den kleinen Dienstweg nehmen: „Wenn ich Bürgermeister bin, werde ich einfach den Kollegen in Messel anrufen.“

Die Wirtschaftsförderung erklärten alle drei Kandidaten zur Chefsache. Die bekannten Unterschiede wurden lediglich bei der Ausweisung neuer Gewerbeflächen deutlich. Wie viele Firmen sich voriges Jahr in Rödermark neu angesiedelt oder wie viele die Stadt verlassen hatten, wusste indes keiner.

Karlheinz Schrod fragte, ob Rödermarks nächster Bürgermeister in Ober-Roden ein Parkhaus für Anwohner und Angestellte im Ortskern baut, damit die Kunden der Geschäfte schnell einen Parkplatz finden. Das will natürlich niemand. Falk schlug vor, die bestehenden Parkplätze besser auszuschildern, und will – wie seine Konkurrenten auch – motorisierten Einkäufern ein paar hundert Meter Fußweg zumuten. Andrea Schülner setzt auf Kurzzeit- und Anwohnerparken. Rotter hält die Seitenstraßen im „Fränkischen Rundling“ für zu eng, um mehr Parkraum zu schaffen.

Alle Infos zur Bürgermeisterwahl in Rödermark finden Sie auf unserer Themenseite.

Volker Scholz hatte nach Konzepten zur Sanierung von Straßen, die „in besorgniserregendem Zustand sind“, gefragt. Die Bewerber von CDU und AL halten eine Million Euro pro Jahr – diese Summe will die Stadt ohne finanzielle Beteiligung der Bürger investieren –, für ausreichend. Nach Falks Ansicht wird das „den Verfall nur verlangsamen“. Doch woher er bis zu drei Millionen Euro gegen den Sanierungsstau nehmen will, sagte er nicht.

Einig waren sich Falk, Rotter und Schülner darin, dass der seit Jahren leer stehende Supermarkt im Ärztehaus wiederbelebt werden muss. Doch trotz netter Ideen wie die einer Markthalle mit 20 Ständen war klar: Kein Bürgermeister kann einen Investor aus dem Ärmel schütteln.

Gespannte Vorfreude: Bei Bernhard Pelka (OFFENBACH-POST) und Markus Wehner (Kolpingsfamilie) müssen die Kandidaten gleich Farbe bekennen.

Detlef Wohlgemuth hatte Ober-Rodens „tote Innenstadt“ beklagt, in der mehr Shisha-Bars als Metzger gibt. Alle Kandidaten setzen auf Hilfe von außen und verbinden mit dem „Stadtumbau Hessen“ große Hoffnung. Zuschüsse ermöglichen innerhalb von zehn Jahren Investitionen von zehn Millionen Euro. Zwei Drittel des Geldes kommen aus den Fördertöpfen, ein Drittel muss die Stadt aufbringen.

Das Frage-Antwort-Spiel lief im Großen und Ganzen sachlich. Schärfe kam aber auf, als Professor Ragnar Klau Jörg Rotter vorwarf, dass er im Internet keinen vollständigen tabellarischen Lebenslauf veröffentliche und ihm auf mehrfache Anforderung auch keinen zugeschickt habe. Alle relevanten Informationen stehen auf seiner Homepage, konterte Rotter und legte nach: „Herr Professor Klau, ich werde Ihnen meinen Lebenslauf auch nicht schicken!“ Heftiger Beifall bewies, was das Publikum von dieser Detailversessenheit hielt.

Von Michael Löw

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