Start der Serie zur Wahl

Katastrophenhelfer aus Passion: Karsten Falk will neuer Rathauschef werden

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Entspannung: Ruhe in der Wahlkampf-Hektik findet Karsten Falk im Garten. Und wenn"s nur die paar Minuten sind, die er braucht, um das Vogelhäuschen mit frischen Meisenknödeln zu bestücken.

Andrea Schülner (AL), Dr. Karsten Falk (parteilos) und Erster Stadtrat Jörg Rotter (CDU) wollen am 24. März zum Bürgermeister von Rödermark gewählt werden. Über ihre politischen Ideen und Ziele haben wir in den vergangenen Monaten immer wieder berichtet. Doch was sind das für Menschen, die die Nachfolge von Roland Kern antreten wollen?

Rödermark – Fragt man Karsten Falk nach seinem Lieblingsort in Rödermark, kommt sehr schnell „der Rathausplatz in Ober-Roden“ als Antwort. Das liegt aber nicht am Bürgermeisterbüro zwei Etagen weiter oben, das er am 1. Juli gern beziehen würde, sondern am „Rodaumarkt“. Dorthin geht der 47-jährige Doktor der Chemie nicht nur zum Einkaufen, sondern auch „zum Schwätzen und Traubensaft trinken“. Dass ein Wochenmarkt innerhalb von zehn Monaten ein wahrer Publikumsmagnet geworden ist, grenzt für ihn an ein Wunder. Denn in den 33 Jahren, während der er – zuerst mit Eltern und Bruder, dann mit seiner Frau Kerstin – in Ober-Roden lebte, hat er manches kommen und vieles gehen sehen.

Auch wenn die Familie Falk seit 2009 ein Haus in Nieder-Roden besitzt, sieht sich der unabhängige Bürgermeisterkandidat, der von FDP, Freien Wähler und einem Freundeskreis unterstützt wird, als Ober-Röder: Motzenbruch-Kindergarten, Trinkbornschule, Turnerschaft, Volleyballclub und Evangelische Kirchengemeinde waren beziehungsweise sind seine Anlaufstationen. „Kerb, Weingasse und Weihnachtsmarkt führen mich immer wieder nach Hause“, schreibt Falk auf seiner Homepage.

Das Haus in Nieder-Roden wird gerade umgebaut. Arbeiten, die sie nicht an Handwerker übergeben, erledigen die Falks als Team. Sie liefert die Ideen und tapeziert, er rückt Möbel, verlegt Fußböden und baut Schränke auf.

Teamplayer zu sein, ist für Karsten Falk Stärke und Schwäche zugleich. Wer viele Meinungen hört, trifft einerseits Entscheidungen auf einer soliden Basis. Andererseits besteht ständig die Gefahr des Totdiskutierens. Bevor es soweit kommt, greift Falk auf seine 29 Jahre als ehrenamtlicher Katastrophenschützer bei den Johannitern zurück: „Im Ernstfall gibt"s nur eins: die klare Ansage!“. Sein Geld verdient er seit 13 Jahren ebenfalls bei den Johannitern. Seit 2015 ist er Bereichsleiter Betreutes Wohnen und Flüchtlingshilfe in der Landesgeschäftsstelle Hessen/Rheinland-Pfalz/Saar.

Wie werde ich Notfallsanitäter/in?

Falk hat einige dieser Ernstfälle in führender Position gemanagt. Beim Hessentag 2001 in Dietzenbach plante er den nicht nur Personaleinsatz der Johanniter, sondern kontrollierte und optimierte mit den Mitarbeitern der Hessischen Staatskanzlei auch Flucht- und Rettungswege.

Ebenfalls im Gedächtnis haften geblieben ist das Elbe-Hochwasser im Jahrhundertsommer 2003. Falk dirigierte den Einsatz von 20 Johannitern in Dessau zehn Tage lang. Seine Leute packten beim Sandsäcke-Stapeln an und versahen den Sanitätsdienst. Sie mussten viele Helfer und Anwohner versorgen, die einen Hitzschlag erlitten hatten.

Karsten Falk bildet Führungskräfte aus

Seit 15 Jahren bildet Karsten Falk im Johanniter-Haus in Nieder-Roden Führungskräfte auch anderer Hilfsorganisationen aus. Sein erster Job als Chemiker qualifizierte ihn zum regionalen Fachberater, dessen Wissen bei Gefahrgutunfällen gefragt ist. Last, but not least hat Falk im Katastrophenfall sogar die Kompetenz, ganze Kolonnen von Krankenwagen oder gar Löschflugzeuge innerhalb der Europäischen Union zu verlegen. Das hat er bislang gottlob nur bei Übungen tun müssen.

Vorangegangen ist Falk auch am 23. August vorigen Jahres. Der Mann ohne Parteibuch kündigte als Erster seine Kandidatur fürs Bürgermeisteramt an. „Das war der richtige Zeitpunkt, sich ins Gedächtnis zu rufen“, ist er eineinhalb Wochen vor der Wahl mit seiner Entscheidung zufrieden. Er sei halt nicht der Erste Stadtrat, der von Berufs wegen ständig in der Öffentlichkeit steht.

Zumindest Sohn Robin (9) und Tochter Ronja (6) sehen ihren Vater jetzt mit ganz anderen Augen: „Wenn ich jetzt mit den Kids durch Rödermark fahre und sie die vielen Plakate sehen, rufen sie immer „Papa, Papa, da hängst du ja wieder!“

Porträtreihe zur Bürgermeisterwahl Rödermark

Wir haben uns dafür entschieden, die Kandidaten alphabetisch geordnet vorzustellen. Morgen folgt Jörg Rotter, in der Freitagausgabe Andrea Schülner. Die Porträts erheben nicht den Anspruch eines vollständigen Lebenslaufs.

Von Michael Löw

Lesen Sie dazu auch: Bürgermeisterwahl in Rödermark: Kandidaten und Ergebnisse

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