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Protest gegen Burgen aus Beton

Harsche Kritik an der verdichteten Bauweise: Markant ist der kleine Balkon im Bild oben. Wer ihn betritt, steht quasi am Fenster des Nachbarn. 
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Harsche Kritik an der verdichteten Bauweise: Markant ist der kleine Balkon im Bild oben. Wer ihn betritt, steht quasi am Fenster des Nachbarn. 

Wir wissen’s alle: Zum Jahreswechsel beschert die Funken-Pracht am Himmel auf der Erde viel Dreck. Da heißt es dann am 1. Januar: Gasse kehren. 

Rödermark – Manche tun das mürrisch mit verkatertem Kopf, andere machen sich’s leichter und verknüpfen die lästige Pflicht wenigstens mit einer pfiffigen Idee. Wie zum Beispiel ein Vater in Dudenhofen. Aus Ernst machte er zusammen mit seinem kleinen Jungen ein Spiel. Beide sammelten versonnen Feuerwerksreste und stapelten sie auf dem mitgebrachten Spielzeuglaster. Pädagogisches Putzen zum Jahresbeginn: ein prima Einfall. Das gilt auch für die alljährliche Reinigungsaktion der Ahmadiyya-Gemeinde. Deren Jugendorganisation greift immer am Neujahrsmorgen zu Besen und Schaufeln und sammelt säckeweise die Überbleibsel der nächtlichen Feiern im Jügesheimer Ortskern, auf dem Puiseauxplatz in Nieder-Roden und rings um die Anwar-Moschee im Gewerbegebiet Jügesheim. Das nennt man dann wohl: beispielhafte Nachbarschaftshilfe.

Die massive Neubautätigkeit in Rodgau ist zwar logischerweise das einzige Mittel gegen die Wohnungsnot. Trotzdem nehmen viele daran Anstoß. Besonders an der innerörtlichen Nachverdichtung. Der Baulückenschluss ist manchmal aber auch wirklich krass. Etwa an der Ludwigstraße. Wo früher die Kneipe Pigs & Pipes stand, sind auf engstem Raum mehrere Häuser mit etlichen Wohnungen entstanden. Die Teile des Ensembles stehen derart dicht beieinander, dass sich Anlieger fragen, wie dort das Tageslicht überhaupt noch in die Wohnungen scheinen soll. Abgesehen davon, dass die neuen Nachbarn den alt eingesessenen Anwohnern dereinst ganz wunderbar nicht nur in den Garten gucken können. Nicht schön. Das Ganze dann aber als Getto zu bezeichnen, ist nicht fair. Die Neubauten sind noch nicht einmal bezogen – und schon werden deren Bewohner diskriminiert als eine im abgeschlossenen Quartier lebende Minderheit. Die Beschimpfung wird in diesem Fall sogar besonders hartnäckig betrieben. Der Schriftzug „Wohn Getto“ auf der Plane am Baustellenzaun war vorm Jahreswechsel schon einmal übermalt worden, um die öffentliche Schmähung zu tilgen. Jetzt prangt die Beleidigung dort ein weiteres Mal weithin sichtbar im großen Buchstaben. Über den Neubau lässt sich sicher streiten. Aber so heißt man Neubürger nicht willkommen.

Ausgerechnet zum Jahreswechsel haben wir uns böse vergaloppiert. Unser Rückblick auf die Ereignisse 2019 in Rödermark hat die verdienten Christdemokraten Patricia Lips und Wolfgang Steiger durch eine unglückliche Formulierung in die Nähe parteischädigenden Verhaltens gerückt. Dafür soll hier entschuldigend Abbitte geleistet werden. Richtig ist, dass beide vor einigen Jahren nach dem Bürgermeisterwahlkampf im Richtungsstreit mit der Rödermärker CDU die Konsequenzen gezogen und ihre Ämter auf Ortsebene niedergelegt hatten oder nicht mehr angetreten waren. Genauso stimmt es aber auch, dass die Angelegenheit seither ruht. Es gibt also keine „Querschüsse“ der angesehenen Politgrößen Steiger und Lips. Der Jahresrückblick erweckte den Anschein, als wirke in Rödermark die Vergangenheit in die politische Gegenwart hinein. Das war daneben. Darum soll hier erst gar nicht lange herumgeschrieben werden.

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