Kaum zu glauben

Wartelisten-Irrsinn! Suche nach U3-Platz in Kita wird für Eltern zum Glücksspiel

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Perspektiven an der Wand: Schöne Aussichten hatten die Besucher der Kita Am Motzenbruch. Sie schauten sich die Pläne des Neubaus auf dem ehemaligen Ober-Röder Festplatz an, der im Herbst bezugsfertig werden soll. Doch auch da werden Plätze Mangelware sein.

Sieben Mini-Kindergärten und Krabbelgruppen sowohl in städtischer als auch in freier Trägerschaft baten am Samstagnachmittag zu Besichtigungsstunden. Das bedeutete zum einen viele Eltern, die sich die möglichen Betreuungsplätze für ihren Nachwuchs ansehen wollten. 

Rödermark – In die Einrichtungen kamen aber auch viele Eltern, die einmal nachfragen wollten, wie es denn eigentlich mit ihren Anmeldungen aussieht.

Platz 41 auf der Warteliste? In der von der Johanniter-Unfallhilfe (JUH) getragenen „Sternenburg“ in Urberach schauten die Eltern der kleinen Amira traurig, als Kita-Leiterin Petra Patzak ihnen diese Nummer eröffnete. „Fragen Sie aber Ende Juni mal nach“, erklärte sie ihnen, die ihre Tochter im Alter von zehn Monaten im Mai vorigen Jahres angemeldet hatten. „Zu spät“, wie die Erfahrung sie jetzt lehrt. „Dann bleibe ich eben zuhause, da hätte ich auch nichts dagegen“, schmunzelte die Mutter, während der Vater bei dieser Aussicht eher etwas gequält dreinschaute.

Alle U3-Einrichtungen sind voll

Der jetzt siebenmonatige Liam ist gleich nach seiner Geburt in der „Sternenburg“ angemeldet worden – für den 1. Januar 2020. Sein Name hat auf der Liste die Nummer 59.

Mit 36 Kindern ist die „Sternenburg“ – ebenso wie die gleichfalls von der JUH betriebene „Sonnenburg“ und wohl auch alle anderen U3-Einrichtungen der AWO oder der Stadt - absolut voll. 16 Dreijährige kommen theoretisch im Sommer in die weiterführenden Einrichtungen, doch auch das läuft nicht immer reibungslos. So bleibt etwa die bereits seit Monaten dreijährige Lina bis zum Sommer in der „Sternenburg“: Sie hat ganz einfach noch keinen Platz in einem Regelkindergarten. Und ihre jüngeren Zwillingsschwestern stehen auch schon in den Startlöchern – Geschwister haben, wenn möglich, Vorrang. Derzeit sind 16 der 36 Kinder Geschwisterkinder.

Warten ist für die Familien eine echte Herausforderung

„Wenigstens sind wir personell voll besetzt. Es ist uns klar, dass dieses Warten für die Familien eine echte Herausforderung ist, da ist die Frage der Wunscheinrichtung schon gar nicht mehr relevant“, sagt Petra Patzak.

Die Situation ist nirgends besser. Einziger Lichtstrahl: Viele Kinder wie der kleine Julius sind mehrfach angemeldet. Er steht auf sieben Wartelisten, und wahrscheinlich wird er auf dem ersten freien Platz landen. „Ich bin jetzt sieben Jahre hier in der Sternenburg“, erzählt die Leiterin, „und es ist das erste Mal, dass unsere Warteliste auf die Nummer 100 zugeht. Das hat im letzten Jahr so angezogen; früher waren es 40 bis 60 Wartende. Da nutzt der ganze Rechtsanspruch nichts, den die Politiker versprechen.“

Was nutzt der freie Betreuungsplatz ohne Personal?

Und selbst wenn in Rödermark noch mehr Kitas gebaut würden: Was nutzt der freie Betreuungsplatz ohne Personal? Der Markt ist völlig leer gefegt, der Fachkräftemangel ist eklatant. „Dennoch ist es bei uns im Verhältnis zu andern Städten ein Jammern auf höchstem Niveau“, relativiert Petra Patzak. Jede der integrativen Gruppen in ihrer Kita ist vierfach besetzt: zwölf Erzieherinnen und Erzieher plus Leitung, Küchenfee und eine Mitarbeiterin im freiwilligen sozialen Dienst.

Auch in der „Rappelkiste“ in der Halle Urberach sieht es ähnlich aus. Die 32 Kinder in drei Gruppen haben zwar zehn Erzieherinnen und einen Erzieher, zwei Küchenfrauen und einen Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst. Aber freie Plätze gibt’s auch hier in absehbarer Zeit nicht – nur die bekannten Wartelisten.

Besondere Situation in der Kita Am Motzenbruch

Eine ganz besondere Situation herrscht in der Kita Am Motzenbruch. Hier schauen sich die Eltern vor allem interessiert die Pläne für den Neubau auf dem ehemaligen Festplatz an. Die Kinder sollen ab September oder Oktober dort einziehen. Manche der Besucher beim Nachmittag der offenen Tür waren trotz vieler Berichte vor allem in unserer Zeitung davon überrascht. Sie wussten das nicht und staunten nun.

Dieser großzügige Neubau entspricht allen pädagogischen Anforderungen, aber hat nur wenige Plätze zusätzlich zu bieten: Statt der bisherigen zwölf U3-Kinder werden dann 24 Platz finden. Die Zahl der Ü3-Plätze bleibt jedoch gleich: drei Gruppen mit je 25 Kindern.

Rödermärker Tageseltern können keine große Hoffnung verbreiten

Doch Erzieherin Marion Kiszegi muss die Eltern vertrösten. Nach den Sommerferien werden die frei werdenden Plätze der künftigen Ü3-Kinder aufgefüllt. Aber nur schrittweise, weil nicht alle Neuen gleichzeitig eingewöhnt werden können bei den gewünschten pädagogischen Ansprüchen an diese Phase. Drei Integrationskinder brauchen besondere Zuwendung. Deshalb wird es erst im Herbst wirklich eine Erleichterung geben.

Mindestens so lange wird die jetzt zehn Monate junge Eleonora warten müssen – auch wenn sich ihre alleinerziehende Mutter dringend eine rasche Betreuung wünscht. Doch der Druck ist groß: „Von den drei zuletzt aufgenommenen Kindern waren zwei Notfälle.“

Selbst die sich ebenfalls vorstellenden Rödermärker Tageseltern können keine große Hoffnung verbreiten – auch sie sind zur Zeit völlig ausgebucht.

VON CHRISTINE ZIESECKE

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