Begleitung auf dem letzen Weg

Neuer Kinder- und Jugendhospizdienst: Todgeweihte Kinder nicht alleine lassen

Sterbenskranke Kinder und ihre Familien wollen die Malteser demnächst auch im Kreis Offenbach begleiten. Der Bürgertreff Waldacker soll ein Teil dieses Betreuungsnetzwerks werden.
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Rödermark: Sterbenskranke Kinder und ihre Familien wollen die Malteser demnächst auch im Kreis Offenbach begleiten. Der Bürgertreff Waldacker soll ein Teil dieses Betreuungsnetzwerks werden.

Statistisch leben in der Stadt und im Kreis Offenbach 240 Familien mit einem sterbenskranken Kind. Die Malteser bauen einen Kinder- und Jugend-Hospizdienst auf, Rödermark soll eine Station in diesem Betreuungsnetzwerk werden.

Rödermark – Der Bürgertreff in Waldacker wird Anfang nächsten Jahres ein Standort des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes, den die Malteser derzeit ins Leben rufen. Bis zum Start am 10. Februar ist es zwar noch eine Weile hin, doch in der Aufbauphase gilt es, die entsprechenden Strukturen zu schaffen und Ehrenamtliche für die Begleitung in den Familien zu qualifizieren.

Claudia Bauer-Herzog koordiniert das Projekt für Stadt und Kreis Offenbach. In dieser Region wohnen 240 Familien, bei denen ein Kind unter einer todbringenden Krankheit leidet. Bei dieser Zahl, so Claudia Bauer-Herzog, handelt es sich allerdings um einen statistischen Mittelwert, der nach oben oder unten schwanken kann.

Die Kinder und Jugendlichen haben meist irreparable Gendefekte, Stoffwechsel- oder muskuläre Erkrankungen. Krebs kommt vergleichsweise selten vor. Immer häufiger sehen sich die Familien aber nicht definierten Krankheitsbildern gegenüber, mit denen Ärzte oft nichts anzufangen wissen.

„Plötzlich geht das Laufen nicht mehr“, schildert Claudia Bauer-Herzog, von Haus aus Krankenschwester, den Anfang eines oft jahrelangen Leidensweges in den Tod.

Kinderhospizarbeit ist eine „Herzensangelegenheit“

In dessen letzter Phase wollen die Malteser Kinder und Eltern nicht alleine lassen. Dann beginnt die Hospizarbeit. Auf dem „Rodaumarkt“ in Ober-Roden stellte Claudia Bauer-Herzog das Projekt vor, das Erste Stadträtin Andrea Schülner eine „Herzensangelegenheit“ nennt. Der Startschuss fällt am 10. Februar bei einem Tag der Kinderhospizarbeit im Bürgertreff Waldacker. Dort werden die Malteser Treffen für die betroffenen Familien organisieren, wöchentliche Beratungen abhalten oder Schulungen und Reflexionsabende für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchführen.

Seit Jahren kümmern sich die Malteser um die Erwachsenen-Hospizarbeit in Obertshausen, Heusenstamm, Dietzenbach und Neu-Isenburg. In den übrigen Kommunen des Kreises organisieren andere Hilfsorganisationen diese Arbeit. In Rodgau zum Beispiel betreibt die „Mission Leben“ (Darmstadt) das von Rotary-Club initiierte Hospiz am Jügesheimer Wasserturm. In Rödermark betreut der Hospiz- und Palliativberatungs-Dienst der Johanniter-Unfall-Hilfe aus Rodgau mit seinen ehrenamtlichen Helfern schwerstkranke Erwachsene und deren Angehörige.

Den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst wollen die Malteser dagegen für den gesamten Kreis und die Stadt Offenbach anbieten.

Malteser bieten Entlastung im Alltag

„Wir freuen uns, dass wir diese tolle Arbeit unterstützen dürfen, und stellen den Bürgertreff natürlich kostenfrei zur Verfügung“, sagte Erste Stadträtin Schülner. „Familien in solch einer dramatischen Lebenssituation brauchen alle erdenklichen Hilfen.“ Bürgermeister Jörg Rotter berichtete, dass er vor rund einem Monat von den Maltesern kontaktiert wurde. Daraufhin setzte er sich mit Ute Schmidt, der Leiterin des städtischen Ehrenamtsbüros, die selbst als ehrenamtliche Hospizhelferin tätig ist, und Gregor Wade, dem Leiter des Fachbereichs Kultur, Vereine, Ehrenamt, zusammen. Gemeinsam haben sie überlegt, wie man diesen wertvollen Dienst auch in Rödermark integrieren und unterstützen könnte.

Dank einer Nachschulung für Hospizbegleiter aus den Reihen des Erwachsenen-Hospizdienstes können die Malteser schon jetzt Familien beraten, in den schwerstkranke oder sterbende Kinder oder Jugendliche leben. Zusammen mit den Angehörigen suchen die Helfer nach Entlastung im Alltag. Bei Bedarf vermittelt der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst ergänzende Hilfen und Fachdienste. Sämtliche Angebote sind für die Betroffenen kostenfrei, unabhängig von Nationalität, Konfession und Religion.

Ausbildung

Ein neuer Kurs für potenzielle Hospizhelfer beginnt im Januar. Ansprechpartnerin ist Claudia Bauer-Herzog, die Kinder- und Jugendhospizdienste schon in Aschaffenburg und im Kreis Miltenberg aufgebaut hat. Kontakt: Hospiz.obertshausen@malteser.org, Telefon 06104 40679-0. (Von Michael Löw)

Auf dem „Rodaumarkt“ stellte Claudia Bauer-Herzog von den Maltesern (2. von rechts) den Kinderhospizdienst vor. Aufmerksame Zuhörer waren Susanne Kaludra, Leiterin Fachbereich Soziales der Stadt, Erste Stadträtin Andrea Schülner, Bürgermeister Jörg Rotter und Ute Schmidt vom Ehrenamtsbüro.

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