Was krank geschriebene Mitarbeiter dürfen und was nicht

Bei Grippe besser nicht ins Fußballstadion

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Rechtsanwältin Heidi Schellert berät ihre Mandanten schon seit Jahrzehnten auch in kniffligen Arbeitsrechtsfragen.

Rödermark - Stadt und Kreis Offenbach husten und schniefen. Die Grippewelle hat ihren Höhepunkt inzwischen zwar überschritten, Bundesweit sind bisher aber fast 170.000 Menschen betroffen. Die Zahl der Krankschreibungen ist ungebrochen hoch.

Was ist Arbeitnehmern gestattet, wenn sie krank geschrieben sind? Redaktionsleiter Bernhard Pelka sprach darüber mit Anwältin Heidi Schellert. Die Juristin berät ihre Mandanten seit nunmehr 30 Jahren auch in Fragen des Arbeitsrechts. Die Kanzlei in Ober-Roden betreibt sie mit ihrem Ehemann Peter Schellert.

Was sollte ich im Fall einer Krankschreibung unbedingt vermeiden, um nicht eine Abmahnung/Kündigung zu riskieren?

Wer krankgeschrieben ist, darf grundsätzlich nichts unternehmen, was seine Genesung gefährdet oder verzögert. Verletzt ein krank geschriebener Arbeitnehmer diese arbeitsvertragliche Pflicht durch unerlaubte Tätigkeiten, riskiert er eine Abmahnung, eine verhaltensbedingte oder gar eine fristlose Kündigung. Letztere ist besonders dann gerechtfertigt, wenn der Arbeitgeber davon ausgeht, dass der Arbeitnehmer die Krankheit nur vortäuscht.

Welche Verstöße rechtfertigen eine Kündigung?

Im Zweifelsfall sollte man geplante Unternehmungen mit seinem Arzt absprechen und sich dies schriftlich genehmigen lassen. Dann kann man dem Arbeitgeber im Streitfall diese Genehmigung vorlegen und möglicherweise weitere Maßnahmen des Arbeitgebers verhindern. Allerdings darf der krankgeschriebene Arbeitnehmer keinesfalls einer entgeltlichen Nebentätigkeit nachgehen. Missachtet er dies, muss er mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen von der Abmahnung bis hin zur fristlosen Kündigung rechnen.

Darf ich als krank geschriebener Mitarbeiter selbst einkaufen gehen oder muss ich jemand schicken?

Was ein krankgeschriebener Arbeitnehmer tun darf oder nicht, hängt von der Krankheit und der individuellen Situation ab. Nicht bei jeder Krankheit muss der Patient das Bett hüten, es sei denn, der Arzt hat absolute Bettruhe verordnet. Dann ist diese natürlich einzuhalten. Sofern eine derartige ärztliche Verordnung nicht besteht, darf grundsätzlich auch ein an Erkältung erkrankter Arbeitnehmer sehr wohl selbst einige Lebensmittel einkaufen gehen, wobei Großeinkäufe vermieden werden sollten.

Ist der Spaziergang um die vier Ecken gestattet?

Der Patient darf dann auch an die frische Luft gehen und Spaziergänge machen. Diese gelten als heilungsfördernd. Stellt er sich hingegen zwei Stunden frierend in eine Fußballarena, würde das der Gesundheit sicher schaden und sollte unterlassen werden.

Wie ist es mit dem Bierchen am Abend in einer Gaststätte oder anderen Freizeitbeschäftigungen?

Geht ein krankgeschriebener Arbeitnehmer zu einem Fest oder in eine Gaststätte und trinkt ein Bier, so ist dies nach Auffassung des Arbeitsgerichts Köln erlaubt. Frische Luft und ein Glas Kölsch seien für den Heilungsprozess normalerweise nicht schädlich. Das Gleiche gilt sicherlich auch für Becks, Jever... Arbeitet der krankgeschriebene Arbeitnehmer allerdings nachts als DJ und trinkt dabei Alkohol, so geht dies zu weit, da er damit seiner Genesung schadet – so ebenfalls das Arbeitsgericht Köln. Auch ein krankgeschriebener Arbeitnehmer darf grundsätzlich ein Restaurant besuchen. Überhaupt kein Problem ist dies, wenn er beispielsweise einen gebrochenen Arm oder ein Rückenleiden hat. Allerdings sollten immer bestimmte Sorgfaltspflichten beachtet und die Genesung nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Wer sich also mit einer schweren Erkältung abends in leichter Kleidung auf eine Restauranterasse setzt, kann seinen Genesungsprozess verschlimmern. Auch mit einer schweren Bronchitis in einer verrauchten Kneipe zu sitzen, fördert nicht unbedingt den Heilungsprozess.

Darf ich vielleicht sogar ins Fitnessstudio, sobald ich mich besser fühle?

Wer pumpen geht, kann nicht allzu krank sein. Das dachte der Arbeitgeber eines Kfz-Ingenieurs, der trotz Grippe-Krankschreibung im Fitnessstudio gesehen worden war. Der Mann erhielt die fristlose Kündigung. Das LAG Köln war jedoch der Auffassung, dass diese nicht rechtens ist. Es urteilte, der Mann habe im Fitnessstudio lediglich leichtere Übungen gegen Nackenverspannungen ausgeführt. Diese seien dazu geeignet, die Genesung zu fördern. Wäre der an Grippe erkrankte Arbeitnehmer im Fitnessstudio nach einer Stunde joggen auf dem Laufband in entsprechend verschwitztem Zustand angetroffen worden, so wäre dies sicher nicht geeignet gewesen, die Gesundung voranzutreiben.

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Sofern ein krank geschriebener Mitarbeiter einen pflegebedürftigen Angehörigen zuhause hat, darf er diesen weiterhin betreuen?

Grundsätzlich ja, sofern er dadurch seinen eigenen Heilungsprozess nicht behindert und seine Lage verschlimmert.

Wann muss ich meinem Arbeitgeber die Diagnose mitteilen?

Der Arbeitnehmer ist nur in seltenen Ausnahmefällen rechtlich dazu verpflichtet, den Arbeitgeber über die Diagnose seiner Krankheit zu informieren. Dies zum Beispiel bei einer ansteckenden Krankheit, um andere Mitarbeiter zu schützen. Doch manchmal können Konflikte über erlaubte und verbotene Tätigkeiten während einer Krankschreibung vermieden werden, indem der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber freiwillig die gestellte Diagnose mitteilt.

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