Humanitäre Katastrophe

Hilferuf der Kirchengemeinden: „Rödermark soll Flüchtlinge aus Lesbos aufnehmen“

Ein Feuer mit fatalen Folgen: Ein kleines Mädchen steht nach dem Brand im Lager Moria am Stacheldrahtzaun eines provisorischen Camps für Migranten und hofft auf eine bessere Zukunft – vielleicht in Rödermark.
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Ein Feuer mit fatalen Folgen: Ein kleines Mädchen steht nach dem Brand im Lager Moria am Stacheldrahtzaun eines provisorischen Camps für Migranten und hofft auf eine bessere Zukunft – vielleicht in Rödermark.

Die Kirchengemeinden im Rödermark im Kreis Offenbach fordern die Aufnahme weiterer Flüchtlinge von der griechischen Insel Lebsos. Der Magistrat signalisiert Bereitschaft.

Rödermark – Fast 700 Flüchtlinge hat Rödermark in den Jahren 2012 bis 2020 aufgenommen. Die meisten – 246 beziehungsweise 207 – wurden der Stadt 2015 und 2016 vom Kreis zugewiesen. Ende August 2015 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel angesichts der Not auf der Balkan-Route die drei folgenschweren Worte „Wir schaffen das!“ gesagt. Doch seit 2017 kommen immer weniger Flüchtlinge nach Rödermark. In den vergangenen drei Jahren wurden im Schnitt rund 35 Neuankömmlinge registriert. Insgesamt hat Rödermark fast 700 Migranten aufgenommen.

Für viele der 691 Flüchtlinge war Rödermark eine Zwischenstation. Aber knapp die Hälfte, 336 Kinder, Frauen und Männer, lebt weiterhin in der Stadt. Für 106 Menschen hat Stephan Brockmann von der Stabsstelle Flüchtlinge 36 Wohnungen gemietet. 105 Menschen leben in der Gemeinschaftsunterkunft Maybachstraße, 54 in der Odenwaldstraße, 49 im ehemaligen Altenheim am Mühlengrund und 22 in der Kreuzgasse.

Rödermark im Kreis Offenbach: Stadt appelliert möglichst viele Flüchtlinge aufzunehmen

Vielleicht kommen bald wieder mehr Flüchtlinge nach Rödermark. Bilder von Kindern und Jugendlichen, die ohne Eltern auf den griechischen Inseln gestrandet sind, bewegen die Rödermärkerinnen und Rödermärker, seit das riesige Flüchtlingslagers Moria auf Lesbos abgebrannt ist. Die Stadt appelliert an die Bundesregierung, aus humanitären Gründen nicht nur Minderjährige, sondern möglichst viele Flüchtlinge aufzunehmen.

Gleichzeitig bekundet der Magistrat seine Bereitschaft, geflüchteten Menschen auch in Rödermark Schutz zu bieten. Er entspricht damit einer Bitte der fünf Kirchengemeinden. In einem Brief skizzieren die Pfarrer, Kirchenvorstandsmitglieder und Gemeindereferenten noch einmal die katastrophale Lage auf der griechischen Insel Lesbos. Eine zeitnahe Evakuierung der Flüchtlinge sei dringend geboten. „Diese humanitäre Aufnahme wäre ein wichtiger Schritt, löst aber selbstverständlich nicht die gesamte Flüchtlingsproblematik“, heißt es in dem Schreiben. „Eine gemeinsame europäische Asyl- und Flüchtlingspolitik ist nötig. Der politische Streit darf aber nicht auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen werden.“ Gleichzeitig boten und bieten die Kirchengemeinden ihre Hilfe bei der Aufnahme und Betreuung der Menschen an.

Kirchengemeinden in Rödermark im Kreis Offenbach: „Humanitäre Katastrophe“ im Flüchtlingslager Moria

Bürgermeister Jörg Rotter setzte das Thema auf die Tagesordnung des Magistrats und stieß auf Zustimmung für seinen Vorschlag, der Bitte der Kirchengemeinden zu entsprechen. „Wir können angesichts dieser humanitären Katastrophe nicht wegschauen und wollen hier in Rödermark auch Familien zusammenzuführen. Denn bei uns leben Flüchtlinge, deren Angehörige in dem Lager Moria auf Lesbos untergebracht waren“, betont Rotter.

Bereits im April 2020 hatten Landrat Oliver Quilling und Kreisbeigeordneter Carsten Müller sich an Bundessozialminister Hubertus Heil gewandt und die Aufnahme von besonders schutzbedürftigen Minderjährigen über den Königsteiner Schlüssel hinaus zugesagt. (Michael Löw)

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