Im Rathauskeller arbeiten 30 Server

Rödermark: Motor für fast 400 Stadtrechner

Technik von heute: Im Keller des Rathauses Ober-Roden laufen alle Leitungen der städtischen Datenverarbeitung zusammen. Peter Psotka und seine Mannschaft halten knapp 400 stationäre und mobile Computer am Laufen.
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Technik von heute: Im Keller des Rathauses Ober-Roden laufen alle Leitungen der städtischen Datenverarbeitung zusammen. Peter Psotka und seine Mannschaft halten knapp 400 stationäre und mobile Computer am Laufen.

Nicht jeder Raum in einem öffentlichen Gebäude ist auch öffentlich zugänglich oder der Allgemeinheit bekannt. Aber es gibt auch in Rödermark Räume, in denen viele Leute ein- und ausgehen, ohne zu wissen, was ihr Name bedeutet oder welche Funktion sie ursprünglich hatten.

Rödermark - In unserer Sommerserie blicken wir hinter oft verschlossene Türen. Das Herz der städtischen IT pulsiert im Keller des Ober-Röder Rathauses. Auf seinem Weg in den Serverraum passiert Peter Psotka eine normale Tür, das Lager mit Deutschland-, Hessen- und Rödermark-Fahnen für besondere Anlässe, die städtische Fastnachts-Deko und eine sehr solide Stahltür mit Sicherheitsschloss. Dahinter stehen 30 Server, die Computer und Telefone von Verwaltung, Kitas, Kläranlage, Bauhof und – zumindest teilweise – der Feuerwehr am Laufen halten. Beziehungsweise überhaupt erst zum Laufen bringen.

Rödermark hatte 1997 nur einen Server - heute sind es 30

„Als ich 1997 bei der Stadt angefangen habe, hatten wir einen Server pro Rathaus. Und da war der Raum fast genauso voll“, blickt der Chef der Fachabteilung „Technikunterstützte Informationsverarbeitung“ zurück. So wie Peter Psotka das sagt, klingt’s wie „damals im digitalen Mittelalter...“ In der Jetzt-Zeit reichen vier Zwei-Meter-Schränke für eine ungleich leistungsfähigere Anlage: zwei für die Telefone, zwei für die Datenverarbeitung.

Sie versorgt 350 bis 400 Clients, erklärt Psotka im branchenüblichen Englisch. Unter einem Client versteht der IT’ler stationäre Computer, Laptops und virtuelle PCs. Mit dem letzten Begriff kann der Laie meist nur wenig anfangen: Ein virtueller PC besteht aus Monitor und Tastatur und steht in den Büros der Außenstellen. Kitas und ähnliche Einrichtungen sind landauf, landab immer wieder Ziel von Einbrechern. Sackten sie den Rechner ein, fielen ihnen auch die gespeicherten Daten in die Hände. Beim virtuellen PC beschränkt sich die Beute auf den in dieser Hinsicht wertlosen Bildschirm. Daten sind auf den zur Steuerung dienenden Geräten keine vorhanden.

Dank dieser 90 virtuellen Computer war’s für Bürgermeister Jörg Rotter auch kein Problem, während der ersten Corona-Wochen Dutzende von Rathaus-Mitarbeitern ins Homeoffice zu schicken. Der Mehraufwand sei überschaubar gewesen, zieht Peter Psotka die Bilanz aus Sicht seiner Abteilung. Inzwischen sind fast alle Heimarbeiter wieder in ihre Büros zurückgekehrt.

Fingerabdruck-Scanner im Bürgerbüro

Die städtischen Computer haben meist die gleiche Technik. Aufgerüstet wurden einige Rechner in der Bauverwaltung, denn dort müssen Baupläne und ähnliche Dokumente mit großen Datenmengen verarbeitet werden. Hightech steht auch im Bürgerbüro des Rathauses Urberach: Ein Fingerabdruck-Scanner sammelt die biometrischen Daten beim Beantragen eines Ausweises, auf dem Bürgermonitor kann man Dokumente unterschreiben, und beim Änderungsterminal ist der Name zugleich Aufgabenbeschreibung. Wer mit der Hochzeit den Nachnamen seines Ehepartners annimmt, kann den Chip auf seinem Personalausweis ohne große Umstände aktualisieren.

Die Fachabteilung „Technikunterstützte Informationsverarbeitung“ hat vier Stellen und beschäftigt eine Auszubildende. Die junge Frau lernt den Beruf der Fachinformatikerin. Diese Leute spielen in den Kommunalverwaltungen eine immer größere Rolle. Das Online-Zugangsgesetz (OZG) verpflichtet Städte und Gemeinden, bis Ende 2022 alle Verwaltungsdienstleistungen digital anzubieten.

575 Einzelposten sind’s in einer mittelgroßen Stadt wie Rödermark, erläutert Psotka. Dann können Bürger online beim Standesamt Geburts-, Heirats- oder Sterbeurkunden bestellen und per Paypal bezahlen. Ist das Geld auf dem Konto der Stadt, wird das Dokument verschickt. Für einen Mitarbeiter der Abteilung ist das OZG ein Vollzeitjob.

Datenschutz steht in Rödermark ganz oben

Datenschutz und Datensicherheit sind für Peter Psotka und seine Leute so wichtig, dass er nur ein paar technische Details erläutern darf. Die Stadt hat in Urberach einen zweiten Serverraum eingerichtet, damit die Arbeit weitergehen kann, selbst wenn in Ober-Roden das Wasser bis zur Decke steht. Gottlob ist das noch nie passiert.

Früher fielen gelegentlich einzelne Server aus. „Hardware geht immer wieder mal kaputt“, nennt Peter Psotka als häufigsten Grund. Doch solche Probleme machen ihm längst kaum noch Kopfzerbrechen: „Die Server haben zwei Netzteile und können fünf Jahre Dauerbetrieb locker bewältigen.“

Technik von gestern: In einer Ecke des Serverraums hängt noch der alte Telefon-Schaltkasten. Viele Jahre musste jeder Anschluss von Hand umgesteckt werden, wenn ein Mitarbeiter eine neue Nummer bekam.

Die Verkabelung ließ die Stadt zuletzt Anfang der 2000er Jahre erneuern. Von jedem Computer und von jedem Telefon führt eine Leitung in diesen besonderen Raum im Keller. Die Dimensionen sind gewaltig. „Irgendwo im niedrigen zweistelligen Kilometerbereich“, kann selbst der Herr der städtischen IT die Länge der Strippen nur grob schätzen. (Michael Löw)

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