Nabu Beobachtungshütte

Ehre für streitbaren Naturschützer:: Beobachtungshütte eingeweiht

Assistiert von Bürgermeister Jörg Rotter befestigten Dr. Rüdiger Werner und Stefan Gerl vom Nabu Rödermark das Namensschild in Erinnerung an Werner Weber an die Beobachtungshütte überm Berngrundsee.
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Assistiert von Bürgermeister Jörg Rotter befestigten Dr. Rüdiger Werner und Stefan Gerl vom Nabu Rödermark das Namensschild in Erinnerung an Werner Weber an die Beobachtungshütte überm Berngrundsee.

Am Berngrundsee brüten und rasten auch seltene Vögel. Der Nabu hat eine Beobachtungshütte gebaut und sie nach seinem langjährigen Vorsitzenden Werner Weber benannt.

Rödermark– Ein leicht erreichbarer Ausguck am Berngrundsee ermöglicht Ornithologen die Beobachtung seltener Vögel und verhindert zugleich, dass Neugierige in dieses Schutzgebiet eindringen. Dieser Wunsch geisterte seit vielen Jahren durch die Köpfe Rödermärker Naturschützer. Nun endlich konnte der Naturschutzbund (Nabu) zu der schon für März geplanten Einweihung seiner Beobachtungshütte und zu ihrer Namensgebung einladen. Pate ist Werner Weber, der 2013 gestorbene Antreiber vieler Naturprojekte in Rödermark.

Offenbar waren sie alle neugierig: Die Vertreterin der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises, Bürgermeister, Altbürgermeister und Erste Stadträtin kamen zum See. Nur Tischlermeister Christoph Schulmeyer, der die Hütte konstruiert und ihren Aufbau betreut hatte, konnte sein Werk nicht mit eröffnen. So stiegen Dr. Rüdiger Werner und Stefan Gerl vom Nabu auf die von Bürgermeister Jörg Rotter gehaltene Leiter, um als vorerst letzten Handgriff das Namensschild „Werner-Weber-Hütte“ fest zu schrauben – mit leisem Stolz beobachtet von der Witwe Gerda Weber und Tochter Silke mit ihrem Partner Roland Herbert.

„Die Hütte hat eine lange Vorgeschichte“, erinnerte Dr. Rüdiger Werner, der erst 2009 zum Nabu gekommen war und seit 2010 in dessen Vorstand ist. „Dieses Areal, das wir 2007 von der Stadt gepachtet haben, hatte immer schon eine große Bedeutung. Mein Vor-Vorgänger als Vorsitzender, Werner Weber, wünschte sich, von hier aus die Vogelwelt beobachten zu können.“

Allerdings wird das schützenswerte Gebiet immer wieder zum Hundeausführen oder zum Feiern missbraucht. Das ist aus Nabu-Sicht „nicht so ganz glücklich, weil wir hier der vielen Vogelarten zuliebe Störungen heraushalten müssen.“

Gut ausgerüstet war Altbürgermeister Roland Kern einer der ersten Beobachter an den Fenstern, die den freien Blick über das Gelände erlauben.

Die nötige Ruhe ist durch den exponierten Platz hoch über dem See und seinen Ufern am besten zu erreichen. Bis in den Herbst hinein ist alles noch recht zugewachsen, doch gerade im Frühjahr sind neben Rehen, Wildschweinen oder Hasen viele Vögel zu beobachten: Teichhuhn, Teichrohrsänger, Rohrweihe, Kuckuck oder Eisvogel.

Vor rund sieben Jahren wurde die Idee für diese Beobachtungsstätte geboren. Nach einem Vorbild in Hergershausen wurde sie – nur im kleineren Format – umgesetzt in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und mit der Stadt. „In Deutschland ist das alles nicht so einfach, doch nun ist es die erste und bislang einzige solche Hütte im Kreisgebiet“, bedauerte Rüdiger Werner. Und sogar der Magistrat hat zugestimmt, sie nach dem Rödermärker Urgestein in Sachen Naturschutz Werner Weber zu benennen, obwohl der mit Magistrat und Verwaltung manchen Streit ausgefochten hatte.

Die Hütte steht auf relativ viel Beton, ein Gartenbaubetrieb aus Waldacker hat den Nabu sehr unterstützt. Die Dachbegrünung war eine der Auflagen der Behörden. Doch die wird sich aber erst im nächsten und in den weiteren Jahren richtig zeigen. Zudem wird die Nordseite mit Rankpflanzen begrünt, nicht zuletzt der Unauffälligkeit halber. Zäune hatte der Kreis zugunsten einer natürlichen Mauer aus den am Teich abgeschnittenen Weidenzweigen abgelehnt.

„Auch wir vom NABU gehen während der Brut- und Setzzeiten nicht auf das Gelände, sondern beobachten von der Hütte aus“, zieht Werner Grenzen. Außerhalb dieser Zeiten ist der Verein aber generell zu Führungen auf dem Gelände bereit. Schließlich gibt es über die Vogelwelt hinaus viel zu sehen: Auf dem stark sandhaltigen Boden gedeiht ein besonders artenreicher Pflanzenbestand, teils auch mit seltenen Pflanzen, ähnlich wie auf dem Magerrasen der benachbarten Heide. Darum plant der Nabu auch – derzeit immer unter Vorbehalt – für den 16. August von 10 bis 12 Uhr einen geführten Spaziergang „Biotope vor der Haustüre“ über das Gelände von Heide und Berngrundsee.

Vor 40 Jahren war der Berngrund noch Acker, inzwischen hat er sich zu einem Biotop entwickelt. Das neue Schmuckstück, die „Werner-Weber-Hütte“, hat zwei „Gucklöcher“ in verschiedenen Höhen, doch auch der Platz neben dem Eingang lädt zum Ausschau halten ein. Außerdem hängen und liegen darin viele Informationen über die Vogelwelt wie etwa die kürzlich geschlüpften Graugänse oder die Nabu-Ortsgruppe. (VON CHRISTINE ZIESECKE)

Info im Internet: nabu-roedermark.de

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