Begegnungs-Ort Kirchhügel

St. Nazarius-Gemeinde Ober-Roden will Kirchhügel öffentlich machen

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Hinter dicken Mauern und eisernen Zäunen wirkt die Pfarrkirche manchmal wie eine Burg. 

Die St. Nazarius-Gemeinde in Rödermark will den Kirchhügel zu einer öffentlichen Fläche machen.

Rödermark – Die Mauern und Zäune um den „Rodgaudom“ in Rödermark (Landkreis Offenbach) sollen fallen – zumindest teilweise. Die St. Nazarius-Gemeinde in Ober-Roden will den Kirchhügel zu einer öffentlichen Fläche machen, die eine vielfältige Nutzung jenseits von Pfarrfest oder Adventsmarkt ermöglicht.

Finanziert werden soll diese Öffnung über das Projekt „Stadtumbau Hessen“. Das könnte im besten Fall bis 2030 12,7 Millionen Euro an öffentlichen Investitionen in Alt-Ober-Roden auf den Weg bringen. Der Nazarius-Verwaltungsrat und Pfarrer Elmar Jung sind die Ersten, die einen konkreten Vorschlag für eigene Grundstücke machen.

„Die Kirche St. Nazarius stellt das historische Zentrum des „Fränkischen Rundlings“ von Ober-Roden dar und ist die „Keimzelle“ unserer Stadt“, begründen sie, warum sie „diese herausragende kirchliche Fläche“ in die Gesamtkonzeption einbeziehen wollen. Die zentrale Lage ergänze das Bestreben einer Ortskern-Aufwertung und der Schaffung von „vertrauten Räumen“ in Ober-Roden.

Ein „offener“ Kirchhügel sei früher üblich gewesen. Würden die Ober-Röder sich an der Vergangenheit orientieren, gewinnt der Ortskern einen großen Platz für Freiluft-Theater und -Konzerte oder den Adventsmarkt. Dann, so die Nazarius-Verantwortlichen, muss die Frankfurter Straße bei Veranstaltungen nicht mehr gesperrt werden. Das spart den Organisatoren Arbeit und Verwaltungsgebühren und den Autofahrern Umleitungen. Durch die Nähe zum Kindergarten und dem Gemeindezentrum Forum St. Nazarius seien weitere Synergieeffekte zu erwarten. Dort gibt’s Toiletten, eine Küche und Rückzugsmöglichkeiten bei schlechtem Wetter.

Die Umgestaltung des Kirchhofes mit Grünfläche, schattenspendenden Bäumen, Sitzgelegenheiten und Freiflächen soll nach den Vorstellungen der Gemeinde barrierefrei erfolgen und die bisherige Nutzung wie Pfarrfest, Entzünden des Osterfeuers, Martins-Umzug oder Fronleichnams-Prozession nicht behindern. Eine Boulebahn und ein Mast für ein Storchennest wären die Sahnehäubchen der Planung.

Pfarrer und Verwaltungsrat gehen nicht nur mit allgemeinen Vorschlägen an die Öffentlichkeit. Sie haben schon Ideen, wie das Ganze aussehen könnte: Beleuchtung der Kirchenfassade auch auf der Westseite; Einbeziehen der historischen Kirchenmauer; Basaltpflaster auf der Freifläche, auf der auch die Umrisse der Vorgängerkirche aus karolingischer Zeit gekennzeichnet werden sollen, Informationstafeln mit Hinweisen auf die Geschichte des Kirchenhügels, Skulpturen.

„Das sind Ideen, aus diesem Hügel mehr zu machen, die Mauern einfach zu öffnen, damit dieser Kirchgarten als kommunikativer Treffpunkt genutzt werden kann“, wirbt Pfarrer Elmar Jung. Die Ober-Röder könnten sich im Schatten des „Rodgaudoms“ hinsetzen, sich erholen und erzählen.

Anregungen fürs Gespräch könnten zum Beispiel die Schautafeln oder der Grundriss der Vorgängerkirche liefern. Pfarrer Jung: „Wollen wir das nicht vergessen, was früher an diesem Ort lebendig war, müssen wir es auch sichtbar machen!“ Es werde alles noch seine Zeit dauern, aber „lassen Sie uns darüber reden!“

Das will er am Donnerstag, 16. Januar, ab 14.30 Uhr beim Seniorennachmittag im Forum St. Nazarius tun.

VON MICHAEL LÖW

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