Besondere Räume

Aussegnungsraum im Pflegeheim: Ruhe und Würde im Mittelpunkt

Der kleine Altar im Aussegnungsraum des Hauses Morija; die Fenster werden, so der Raum belegt ist, von außen angestrahlt.
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Der kleine Altar im Aussegnungsraum des Hauses Morija; die Fenster werden, so der Raum belegt ist, von außen angestrahlt.

In unserer Sommerserie blicken wir hinter oft verschlossene Türen. Der Aussegnungsraum im Pflegeheim Haus Morija in Rödermark ist einer von ihnen.

Rödermark – Nicht jeder Raum in einem öffentlichen Gebäude ist auch öffentlich zugänglich oder der Allgemeinheit bekannt. Aber es gibt Räume, in denen viele Leute ein- und ausgehen, ohne zu wissen, was ihr Name bedeutet oder welche Funktion sie ursprünglich hatten. In unserer Sommerserie blicken wir hinter oft verschlossene Türen.

In Würde die letzten Jahre des Lebens erleben und dann ebenso in Würde sterben dürfen – im Alten- und Pflegeheim Haus Morija, das seit 30 Jahren in Ober-Roden von Schwestern des Christusträger-Sozialwerkes geleitet wird, ist dies oberste Verpflichtung für alle Mitarbeiter des Hauses. Das gilt auch für die rund 40 bis 50 Menschen, deren Leben im Schnitt jährlich in diesem Haus zu Ende geht. Manchmal können Angehörige als Sterbebegleiter dabei sein; oft können sie sich erst nach einigen Stunden von diesen Menschen verabschieden. Dafür gibt es im Tiefgeschoss des Heimes einen Aussegnungsraum, in dem auch die Mitarbeiter der Pietäten die Verstorbenen abholen.

Der Raum fällt auf durch seine angestrahlten Glasfenster, die vom Rödermärker Glasgestalter Rosskopf vor vielen Jahren gespendet wurden und im Falle, dass ein Verstorbener hier liegt, von außen angestrahlt werden. Dann weiß jeder Hausbewohner um die zusätzliche Stille und Würde, die hier nötig ist. Ein kleiner Altar zieht die Blicke auf sich; an den Seiten lädt eine alte Kirchenbank zum Verweilen ein, drei bis vier Menschen sind es oft, die zur Verabschiedung kommen; manchmal aber auch bis zu zehn, wenn hier schon kleine Trauerfeiern gestaltet werden, die allerdings meist, vor allem bei später folgenden Einäscherungen, in der hauseigenen Kapelle gefeiert werden.

Verstorbene Heimbewohner kommen direkt nach ihrem Tod in diesen Raum und werden dort umgebettet, jedoch noch nicht aufgebahrt. Sie bekommen dann einen Platz direkt vor dem Kreuz; hier bleiben sie nicht länger als maximal einen Tag. Die Angehörigen können sich hier verabschieden, gerne auch alleine mit den Toten. Und sie kommen fast alle. Das war sogar in den coronabedingten Wochen möglich, nachdem die Angehörigen ohne Kontakt zu Pflegekräften und Bewohnern nur in das Untergeschoss gebracht werden können.

Rund 40 bis 50 Menschen sterben im Laufe eines Jahres hier im Haus; die Zahlen sind derzeit wohl wetterbedingt wieder relativ hoch, wobei Corona keine Rolle spielt – im Haus Morija gab es keine Betroffenen. „Unsere Bewohner kommen derzeit erst später, in höherem Alter, zu uns, weil die häusliche Pflege stark unterstützt wird. Sie sind dafür aber schon in einem gebrechlicheren Zustand, sodass die Verweildauer trotz der höheren Lebenserwartung kürzer sein kann als früher“, erläutert Heimleiterin Sr. Sibylle Heiß die momentane Situation.

Wichtigste Verhaltensnorm für den Umgang mit diesen Menschen, den hier lebenden wie den verstorbenen, sind für die Mitarbeiter Ruhe und Würde. Würdevoll und hoffnungsfroh ist auch der Name, der außen am Aussegnungsraum hängt. Nachdem alle Gruppen in den verschiedenen Stockwerken Namen wie Mohnblume oder Sonnenblume etwa haben, trägt dieses Türschild das Bild der Osterglocke – ein schönes, friedvolles Symbol für Auferstehung: „Der Raum vermittelt Hoffnung“, bescheinigt auch Sr. Regina Neidhart. (Christine Ziesecke)

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