Besondere Räume

Besinnliches Ambiente für Taizé-Andachten - Das Nepomukzimmer in der St. Nazarius-Kirche Ober-Roden

Pfarrer Elmar Jung im Taizé-Gebetsraum  (Nepomukzimmer) der St. Nazarius-Kirche Ober-Roden
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Rödermark: Pfarrer Elmar Jung hat im Taizé-Gebetsraum vieles von seinem früheren Arbeitsplatz in Langen übernommen – auch die Gestaltung mit den aufgesägten Steinen.

Nicht jeder Raum in einem öffentlichen Gebäude in Rödermark ist auch öffentlich zugänglich oder der Allgemeinheit bekannt. Aber es gibt auch Räume, in denen viele Leute ein- und ausgehen, ohne zu wissen, was ihr Name bedeutet oder welche Funktion sie ursprünglich hatten. In unserer Sommerserie blicken wir hinter oft verschlossene Türen.

Rödermark - Steigt man in der Pfarrkirche St. Nazarius der Sakristei aufs Dach, landet man über eine enge Stiege mit wunderschönen Leuchten im Nepomukzimmer. Ursprünglich nur ein Abstellraum, halb so groß wie heute; erst mit der Erweiterung der Sakristei ist er in seiner jetzigen Form entstanden. Ein Problem für seine Nutzung: Die Wendeltreppe ist ausgesprochen unfreundlich für Ältere oder Gehbehinderte. Sonst wäre er gut als Gottesdienstraum nutzbar. Nun aber dient er als versteckter Gebetsraum für besondere Anlässe wie etwa die Taizé-Andacht.

Vor 30 Jahren, anlässlich „100 Jahre Nazarius“, waren Ober-Röder Jugendliche im Kloster von Taizé gewesen, dem internationalen ökumenischen Männerorden, ungefähr zehn Kilometer nördlich von Cluny. Danach wurde alle zwei Monate zu Taizé-Gebeten eingeladen, anfangs vor dem Josefsaltar im Kirchenschiff, was sich als weniger besinnlich erwies. Die Gebete wurden in diesen Raum hoch verlegt, und das gestaltete sich so eindrucksvoll, dass auch die St. Gallus-Gemeinde Urberach für die monatlich wechselnden Gebetszeiten einen so anheimelnden Raum suchte.

Früher wurden hier Tauf- oder Ehevorbereitungsgespräche geführt, doch nach der Fertigstellung des Forums St. Nazarius war dort genug Platz, und der Raum blieb ungenutzt. Bis er schließlich mit vereinten Kräften zum Taizé-Andachtsraum umgestaltet wurde. Die Heizkörper verschwanden im Stile des französischen Klosters hinter einem großen Tuch, gemeinsam mit einer dezenten Lichterkette.

Der Raum war einst dem Ortsheiligen Nepomuk gewidmet.

„Wir haben den Vorteil, diesen eigenen Gebetsraum zu haben, in dem jetzt auch mit Abstand gefeiert werden kann; meist sind es zwischen fünf und zwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer, je nachdem, wie es bekannt gemacht wird – auch von außerhalb wie etwa Christusträger-Schwestern oder auch mal ältere Gäste“, erläutert Pfarrer Elmar Jung die aktuelle Situation. Die Andachten werden von jungen Menschen, die Taizé schon mehrfach erlebt haben, immer wieder weitergeführt.

Aus Taizé hatte der Diakon dort immer im Turnus alle zwei Jahre ausgewechselte Liederhefte mitgebracht. „Hier ist eine ganz andere Atmosphäre, zumal der Raum nicht jedes Mal neu hergerichtet werden muss.“ Die Porotonsteine hatte Pfarrer Elmar Jung bereits aus seiner Langener Zeit mitgebracht; ebenso die Meditationshocker aus seiner Zeit in der Schulseelsorge.

Die drei beherrschenden Blickfänge im Raum sind links die Marien-Ikone (mit Kind), wie sie auch in Taizé hängt und von einem der Brüder gemalt wurde; rechts Christus und sein Freund Abamenas, von einem koptischen Abt, dessen Original aus dem fünften Jahrhundert jetzt im Louvre hängt.

Taizé-Abt Frère Roger hatte diese Ikone sehr gemocht, und auch in Rödermark bekommen Firmlinge manchmal ein Abbild davon geschenkt, zumal die Firmvorbereitung gelegentlich hier oben stattfindet. Gemeindereferentin Iris Borutta hatte sie einst gemalt und dann ausgedruckt; von ihr kam auch vor 1990 schon die Idee, mit Jugendlichen aus beiden Rödermärker Gemeinden in VW-Bussen nach Taizé zu fahren; danach war allen klar: Das muss weiter gehen. Doch die Erfahrungen sind nicht ewig transportierbar; sie verblassen. Hintergrund: Dort gibt’s keine Ablenkung, da ist „nur Taizé“, hier gleich wieder eingefangen vom Alltag.

Das alles Überstrahlende aber ist das Kreuz – ursprünglich als Plakat gekauft, ausgeschnitten und auf ein Kreuz aufgeklebt. Elmar Jung dagegen hatte seine Kreuz-Ikone, die Ellen Denk 1993 für ihn gemalt hatte, mitgebracht: Ein dunkler Christuskörper von Goldglanz umrahmt – wohl als Symbol, dass Tod und Auferstehung nicht zu trennen sind. Darüber: ein Engel, der eine Krone trägt, daneben: Maria und Johannes. Pfarrer Jung hat zum Ober-Röder Kreuz eine Chronik angelegt, die bis 2013 fortgeführt worden war. Alljährlich wird das Kreuz am Palmsonntag mit Blumen geschmückt in die Kirche getragen und danach verhüllt bis Karfreitag.

Eine orthodoxe Tradition besagt, dass das neue Gemälde auf das alte gelegt wird, damit die Heiligkeit des alten darauf übergeht. Um die Idee, dies mit der neu fertiggestellte Kreuzikone ebenso zu zelebrieren, war in Pfarrer Jungs Mitsubishi Space Waggon eine Art Zwischendecke eingezogen, auf die das von Ellen Denk gemalte Kreuz geschoben und mit nach Taizé genommen und dort wie überliefert umgestaltet wurde. Als Frère Roger die Ober-Röder Abbildung sah, wollte er sie gerne behalten – sie stand aber zumindest noch bis zur Abreise in seinem Zimmer.

Mit dabei war die Ikone auch beim Europäischen Jugendtreffen in Köln und in Paris. Sie hat eine lange Geschichte und ist weit gereist. Und sie kommt immer wieder zurück in den Taizé-Andachtsraum, das Nepomukzimmer über der Sakristei der Nazarius-Kirche. Derzeit bewahrt das Taizé-Team, dem Christopher Schmidt, Christian Gotta und Julia Bertsch angehören, die Tradition dieser Andachten. Sie freuen sich sehr, wenn jemand Neues mit einsteigen möchte. (Christine Ziesecke)

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