Rödermark

Schreckensnacht wirkt lange nach - Dachstuhlbrand brachte Tod und Verwüstung

Ausgebranntes Dachgeschoss in der Friedrich-Ebert-Straße in Rödermark/Ober-Roden
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Dachstuhlbrand in Rödermark: Die Wucht, mit der das Feuer wütete, sieht man selbst im diffusen Licht des provisorisch abgedichteten Dachs.

Der Brand eines Dachstuhls in der Friedrich-Ebert-Straße in Rödermark/Ober-Roden bei Frankfurt kostet vor fünf Wochen einen Mann das Leben. 70 Feuerwehrleute waren in einem Großeinsatz. Zwei Familien verlieren ihre Wohnung und finden in städtischen Notunterkünften eine vorläufige Bleibe. Aber der Schock sitzt immer noch tief.

  • Am 31. Juli kam es zu einem Dachstuhlbrand in einem Haus in Rödermark.
  • Das Feuer brachte in der Nacht Tod und Zerstörung.
  • Auch noch Wochen nach dem Brand in Rödermark sind die Besitzer des Hauses voller Sorgen.

Rödermark -Scheinbar unversehrt sieht der Treppenlift im Erdgeschoss des Hauses in der Friedrich-Ebert-Straße aus, in dem in der Nacht zum 31. Juli ein Feuer Tod und Zerstörung brachte. Doch die Technik steht seither still. Der Lift hatte seine Besitzerin auf den letzten Drücker aus der unmittelbaren Gefahrenzone gefahren. In Sicherheit war die Frau, die aufgrund einer Blutvergiftung vor drei Jahren ein Bein verloren hatte und den Rollstuhl braucht, noch lange nicht. Auf dem unteren Treppenabsatz lag ihr Nachbar mit schwersten Brandverletzungen. Es ist wohl der dramatischste von vielen dramatischen Momenten dieser Nacht, die Edeltraud und Ralph Anthes auch Wochen später nach Worten und Fassung ringen lässt. Hier das Glück, den Brand selbst körperlich einigermaßen gut überstanden zu haben, dort die Trauer um den Tod des Mitbewohners und die Sorgen um die Zukunft: Die Polizei hatte den Schaden an dem Drei-Familien-Haus auf 300 000 bis 400 000 Euro geschätzt. Ob es bei dieser Summe bleibt, weiß das Paar nicht.

Rödermark: Nächtlicher Großalarm für vier Feuerwehren

Was ist passiert? Die Ober-Röder Feuerwehr wird am 31. Juli um 1.26 Uhr zu einem Dachstuhlbrand in der Friedrich-Ebert-Straße alarmiert. Noch bevor der erste Löschzug ausrückt, erhöht die Leitstelle in Dietzenbach das Einsatzstichwort auf „Menschenleben in Gefahr“, auch die Männer und Frauen der Urberacher Feuerwehr werden aus dem Schlaf gerissen. Trupps unter Atemschutz suchen nach Menschen und holen den Schwerverletzten und Edeltraud Anthes aus dem Haus. 70 Einsatzkräfte aus Rödermark, Rodgau und Hainburg kämpfen von mehreren Teleskopmastfahrzeugen und Drehleitern aus gegen die Flammen. Die Löscharbeiten dauern bis in den frühen Morgen. Der schwer verletzte Mieter der Dachgeschosswohnung – dort brach das Feuer aus – stirbt Tage später im Krankenhaus. Die Polizei gibt auf Nachfrage unserer Zeitung Fahrlässigkeit als Brandursache an, will einen technischen Defekt aber auch nicht grundsätzlich ausschließen. Soweit die Fakten der Retter.

Dachstuhlbrand in Rödermark: In letzter Minute brachte dieser Treppenlift Ralph Anthes’ beinamputierte Frau Edeltraud in Sicherheit. Dort unten war ihr Nachbar mit schwersten Brandverletzungen zusammengebrochen.

Großbrand in Rödermark: Sohn rettet Rollstuhlfahrerin mit dem Treppenlift

Und wie haben"s die Betroffenen erlebt? Ralph Anthes, der mit seiner Frau die erste Etage bewohnt, wird wach. Er klingelt bei seinem Sohn, der mit Familie im Parterre lebt, Sturm und rennt dann die Treppe zum Dachgeschoss rauf. Vor der Wohnungstür liegt der Mieter. Der Qualm raubt Ralph Anthes den Atem, der 56-Jährige zieht sich zurück und weist der Feuerwehr den Weg. „Die waren ganz schnell da – volle Besetzung nach nicht einmal zehn Minuten.“ Doch selbst die kommen ihm wie eine Ewigkeit vor. Und er darf nicht mehr ins Haus, in dem immer noch seine Frau ist. Die hat zum Glück der Sohn (37) mittlerweile auf den Treppenlift gesetzt und auf die Fahrt nach unten geschickt. Edeltraud Anthes wird diese vielleicht 30 Sekunden nicht vergessen: „Unser Mieter torkelte an mir vorbei. Ganz schwarz und ganz still. Als ich unten war, lag er regungslos vor mir. Ich habe nur noch gezittert.“ Doch da läuft die Rettungsmaschinerie schon auf vollen Touren. Und der Sohn hat Mischlingshund „Diego“ in seiner Transportbox ebenfalls nach draußen gebracht.

Familie kommt nach Brand in Rödermark in städtischer Notwohnung unter

Am frühen Morgen kommen beide Anthes-Familien bei Freunden unter, wenig später findet Bürgermeister Jörg Rotter eine Monteurswohnung für Edeltraud und Ralph Anthes. Aber die ist nicht rollstuhltauglich. In der städtischen Notunterkunft in der Mainzer Straße sind drei Zimmer im Erdgeschoss frei – allerdings ohne Möbel. „Da hat Herr Rotter im „Parkhotel“ angerufen und ein barrierefreies Zimmer organisiert. Und dem Rezeptionisten hat der gesagt: „Das Abendessen ist selbstverständlich dabei“, lobt Edeltraud Anthes den Bürgermeister. Der hatte Hotelchef Armin Hunzinger am Telefon, für den dieses Zugeständnis in der Tat selbstverständlich war. Nach zwei Nächten können die Anthes" in der Mainzer Straße einziehen.

Mehrere hunderttausend Euro Schaden durch Brand in Rödermark

Mitte August hat die Versicherung das Haus freigegeben. Unter den verkohlten Dachsparren bietet sich ein Bild der Verwüstung. Die Wucht des Feuers muss gewaltig gewesen sein. In seiner Wohnung darunter hat Ralph Anthes mit Hilfe seines Sohnes jede Menge Dreckarbeit erledigt: Tapeten und Fußbodenbeläge haben sie schon rausgerissen. Ob die Paneelendecke bleiben kann, ist ebenso ungewiss wie das Schicksal von Türen oder Zargen. Im Hof liegen haufenweise Möbel, die garantiert nicht mehr zu gebrauchen sind. Im Holz und in den Polster sitzen jene Giftstoffe, die brennendes Plastik frei setzt. Ungefähr jeden zweiten Tag räumt Ralph Anthes aus. Mehr geht nicht, denn die Folgen der Rauchvergiftung machen ihm immer noch zu schaffen.

Dachstuhlbrand in Rödermark: Ganze Berge von Möbeln hat Ralph Anthes aus seiner Wohnung im ersten Stock in den Hof geschleppt. Ins Holz und in die Polster haben sich die Giftstoffe gefressen, die brennendes Plastik freigesetzt hat.

Großbrand in Haus in Rödermark: Große Sorgen um die Zukunft

Noch schwerer machen Edeltraud und Ralph Anthes die Sorgen um ihr Zuhause zu schaffen. Wann gibt die Versicherung Geld für die Renovierung frei? Muss am Ende gar das Dachgeschoss abgerissen und neu aufgebaut werden? Was passiert mit den beiden Wohnungen darunter? Fragen über Fragen... Als Edeltraud Anthes vor drei Jahren das rechte Bein verlor, wurde der Treppenlift installiert und das Bad behindertengerecht umgebaut. Den Kredit zahlt das Paar immer noch ab. Jetzt hoffen sie, dass die Bank ihnen ein paar Raten stundet. Auch wenn das die Probleme nur nach hinten verschiebt. Kein Wunder also, wenn die Frau im Rollstuhl sagt: „Ich weiß nicht, ob ich wieder lachen kann.“ (Michael Löw)

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